Ein Buch aufschlagen. Historische Bibliothek der Ev.-Lutherischen Kirchgemeinde Weida birgt theologische Schätze

Ein Buch aufschlagen. Die Redewendung stammt von der Handlung, mit der Faust aufs Buch zu schlagen, damit sich die Metallschließen öffnen.
Weida: Stadtkirche | Text Kerrin Viererbe

Die leise knarrenden Holzstufen bis unters Dach der Stadtkirche St. Marien erklommen, öffnet sich der Blick auf Regale voller alter Bücher, denen man den „Zahn der Zeit“ mehr oder weniger deutlich ansieht. Es ist die Kirchenbibliothek, die so manche Rarität an regionaler Kirchengeschichte und theologische Literatur birgt. Hier bündelt sich geballtes Wissen und unendlich viel Information in alten Lehrbüchern, Leseordnungen, Gesetzessammlungen, Werken Luthers und der Reformationszeit, Gesangbüchern, Zeitschriftenbänden, Bibeln aus vielen Epochen und anderen Werken – vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.

Wie viele Bücher es sind, weiß Pfarrer Martin Schäfer nicht. „Wir haben sie nie gezählt.“ In den 90er Jahren wandelte der damalige Superintendent Werner Hinz den recht umfangreichen Buchbestand in eine Bibliothek um, der sich seitdem sporadisch erweiterte. „Geld, um die Sammlung zu vervollkommnen, hat die Kirchgemeinde leider nicht. Das benötigen wir für aktuelle Literatur für unsere praktische kirchliche Arbeit“, erläutert er. Der Kirchenmann selbst bedauert, keine Zeit zum Lesen in den alten Werken zu finden. „Vielleicht wenn ich im Ruhestand bin“, sinniert er. Wer sich aber für Geschichte und kirchliche Themen interessiert, kann auf Nachfrage gern vor Ort schmökern, günstiger Weise in der warmen Jahreszeit, sonst ist es zu kalt unterm Kirchendach. Öffnungszeiten im üblichen Sinne gibt es nicht.

Doch die echten Schätze der Bibliothek bewahrt Pfarrer Schäfer an einem sicheren Ort auf. Dazu gehören zwei vorreformatorische Werke – die einzigen aus der Sammlung der Weidaer Kirchgemeinde, die dem Flammeninferno des Stadtbrandes anno 1633 nicht zum Opfer gefallen waren. Es sind die Predigtsammlungen aus Speyer von 1483 und aus Basel von 1487. Stattliche Exemplare, deren gedruckte Seiten in lateinischer Schrift und mit schönen Illustrationen gebunden zwischen dicken Holzdeckeln mit Metallschließen ruhen. Gut erhalten, zeugen nur die Spuren des Holzwurmes vom fortgeschrittenen Alter der Werke.

An diesen Büchern demonstriert Pfarrer Martin Schäfer hörbar, woher die Redewendung „ein Buch aufschlagen“ kommt – und schlägt einmal kräftig mit der Faust auf den Holzdeckel. Die Schließen öffnen sich…

Ein drittes wertvolles Stück ist die „Flutbibel“ aus dem Jahr 1661, wie er das Buch schmunzelnd nennt. Es wurde bei einer Überschwemmung in Weida, die auch das Kircheninnere nicht verschonte, gerettet. Nass und schlammig barg man sie, „in ihrem Sammetbunde ganz verderbet…“, ließ sie trocknen und in Gera neu binden.
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.03.2013 | 20:22  
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