Einzigartig in Thüringen: Mit der Autofähre die Saale überqueren

Für Mario Gödicke ist die Mühlenfähre Pflicht, wenn er von Leipzig aus zu einer Motorradtour durch Thüringen startet. Fährmann Tino El-Gassab hat heute die Funktion des Kassierers.
 
Seltener Anblick in Thüringen: Das vor dem Ufer warnende Verkehrsschild mit der Autofähre dahinter.

An was denken Sie, wenn am 25. September der Weltschifffahrtstag begangen wird? An die großen Öltanker, die über die Weltmeere fahren? An luxuriöse Kreuzfahrtschiffe im Mittelmeer? An die Autofähre nach Norwegen? An Lastenkähne auf der Elbe? Wo taucht Thüringen in der Liste auf? Ein Binnenland, das eher für seine grünen Wälder bekannt ist, kann beim Thema Schifffahrt doch keine Rolle spielen. Irrtum! Die gewerbsmäßige Beförderung von Personen auf dem Wasser hat vor allem mit Ausflugsschiffen auf den Saaletalsperren eine lange Tradition. Dass es in Thüringen aber auch eine Autofähre gibt, hat sich noch nicht bis in den letzten Winkel unseres Landes herum gesprochen.

Nur etwa fünf Minuten dauert die Fahrt mit der Mühlenfähre zwischen den Anlegestellen Linkenmühle und Altenroth – kein Wunder, die Strecke über den Hohenwartestausee misst nur etwa 400 Meter. Dies spart einen Umweg von 33 Kilometern. Es klingt paradox: Viele Touristen fahren extra einen Umweg, um die einzige Fähre Thüringens nutzen zu können. So auch Mario Gödicke mit seinem Motorrad. Wenn der Leipziger einen Ausflug durch Thüringen macht, dann schließt er die Fähre in seine Routenplanung mit ein.

Den Fährmännern wird nie langweilig. Tino El-Gassab macht die Arbeit Spaß. Vor 19 Jahren hat er die Fähre mit zu Wasser gelassen und schippert seitdem zwischen den beiden Saaleufern hin und her. Mittlerweile kennt er viele der Camper – rechts und links der Saale liegen mehrere Campingplätze – persönlich. Neulingen, die erstmals für sich die Schönheit des Oberen Saaletals entdecken, steht er mit entsprechenden Tipps zur Seite. Für Radfahrer gibt es zudem noch einen besonderen Service: den Bikeshuttle. Diesmal ist es ein Pärchen, das keine Lust auf die fast 200 Meter Höhenunterschied Richtung Ziegenrück hat. El-Gassab fährt sie.

Bis er wieder an der Fähre eintrifft, ist Tino Riemschneider Fährmann, Kassierer und Auskunftsbüro in einer Person. Seit 2006 schiebt er auf der Fähre Zwölf-Stunden-Schichten. Eine offizielle Pause gibt es nicht. Wartet am anderen Ufer ein potentieller Fahrgast, wird abgelegt. Und das Jahr für Jahr etwa ab Ostern bis Ende Oktober. Nein, von einer größeren Fähre auf hoher See träumt er nicht. Er fühlt sich wohl auf der einzigen Autofähre Thüringens. Und deren Bedienung ist auch nicht weniger anspruchsvoll. Allein mit der Drehzahl und Drehrichtung der beiden Deutz-Diesel-Motoren wird gelenkt und gebremst. Das erfordert – vor allem bei Wind – Feingefühl.

Abkürzende Handwerker, Wanderer, Radfahrer, Camper, Touristen mit Motorrad, Auto und Wohnmobil. Da ist für Abwechslung gesorgt. „Oder auch drei Kinder mit einem Pony. Sogar einen Karren mit davor gespannter Kuh haben wir schon übergesetzt“, schmunzelt El-Gassab, zurück von der Shuttle-Fahrt. Kaum hat er sich einen Kaffee aus der Thermoskanne eingegossen, legt die Fähre schon wieder Richtung Linkenmühle ab – drüben warten zwei einheimische Autofahrer, die das Angebot der KomBus GmbH mit Sitz in Bad Lobenstein ebenfalls zu schätzen wissen.

Fährzeiten 2014:

- vom 1. April bis 30. April von 9 bis 18 Uhr
- vom 1. Mai bis 30. September von 8 bis 20 Uhr
- vom 1. Oktober bis 2. November von 9 bis 18 Uhr
(witterungsabhängig)
Aktuelle Informationen zu den Fährzeiten finden Sie auf der Homepage.
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3 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 17.09.2014 | 13:08  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 18.09.2014 | 19:18  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 21.09.2014 | 05:00  
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