Einzigartige Kirchengestaltung. Was hat Henry van de Velde mit der St. Salvatorkirche Gera zu tun?

Blick gen Westen hinauf zur Röver-Orgel.
 
Getreu Luthers Motto „ Das Wort steht im Mittelpunkt“ befindet sich in der St. Salvatorkirche Gera die Kanzel genau hinter dem Altar.
Gera: St. Salvatorkirche | Thüringen und Sachsen nimmt den 150. Geburtstag Henry van de Veldes zum Anlass, seine Leistungen in Mitteldeutschland näher zu beleuchten. Der belgisch-flämische Architekt gilt als einer der vielfältigsten Künstler des Jugendstils. Begleitet wird das Henry-van-de-Velde-Jahr von zahlreichen Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen an seinen Wirkungsorten. In Gera wird es unter anderem Ende September eine Ausstellung in der Orangerie eröffnet, in der die barocke St. Salvatorkirche die wesentliche Rolle spielt.

Was hat Henry van de Velde mit der St. Salvatorkirche zu tun? Im direkten Sinn nichts. Er hat bei der Gestaltung der Kirche nicht mit Hand angelegt. Und doch ist das Gotteshaus ein Zeugnis des wesentlich von van de Velde mitbestimmten Jugendstils. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte die angebotenen Kirchenführungen nutzen. Einer der ehrenamtlichen Kirchenführer ist Nico Boje. Er erklärt Ihnen, dass die Kirche 1717 bis 1720 als Barockkirche mit dementsprechend typischer Inneneinrichtung errichtet wurde.

Die heutige Einzigartigkeit des Sakralbaus gründet sich auf das Jahr 1903. Der damalige Stadtbaurat wollte der Bewegung der Zeit folgen und den Kirchenraum komplett im Jugendstil umgestalten. „Das dürfte selbst zur damaligen Zeit selten gewesen sein“, merkt Boje an. Das gesamte Raumkonzept wurde geändert. Säulen sucht man in der Kirche vergebens. Wände wurden dem Jugendstil gemäß geöffnet, vorhandene Fenster vergrößert. Licht von allen Seiten zu jeder Tageszeit. Man kann atmen. Stehen gelassen hat der Stadtbaurat nur die Grundmauern. Und die einzigartige Anordnung der Kanzel hinter dem Altar ist gleich geblieben – getreu Luthers Aussage, dass das Wort im Vordergrund steht. Die Inneneinrichtung wurde komplett neu angeschafft. Darunter auch die Röver-Orgel im Jugendstil.

Nico Boje weiß zu jedem Detail Geschichten zu erzählen, egal ob es um den Altar mit seinen typisch fließenden, organischen Formen geht, den Taufstein, das Rankwerk der Fenster, den ins Auge stechenden Orgelprospekt. Jede einzelne Bank ist ein Kunstwerk für sich. Keine gleicht der anderen. Eine wie vom Tonband abgespulte Führung gibt es bei ihm nicht. Wenn Sie interessiert den Kopf zur außergewöhnlichen Deckengestaltung neigen, dann erklärt er, dass Gott durch eine elektrische Lampe, selbstverständlich mit original Jugendstil-Lampenschirm, dargestellt wird. „Wir haben von keiner anderen Kirche gehört, die eine derartige Deckengestaltung hat“, erklärt er und fährt fort: „Die Sonne, das große Licht von oben“.

Boje ist einer von sieben Kirchenführern. Klar gehe damit Freizeit verloren. Und dennoch freut es ihn, mit interessierten Menschen ins Gespräch zu kommen. Manchmal wird’s auch seelsorgerisch und Fragen zum Glauben beantwortet er ebenso. Das gehöre zum Konzept der Offenen Kirche. Samstags und sonntags hat die St. Salvatorkirche für jedermann geöffnet. Wenn’s wieder wärmer wird auch in der Woche. Führungen für Gruppen sind jederzeit nach Voranmeldung übers Pfarramt, Telefon 0365/8001517, möglich. Die nächste Führung von Nico Boje findet am Sonntag, dem 3. Februar, 16.30 Uhr, statt.

Weitere Beiträge über die St. Salvatorkirche sind hier zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/st-salvator...
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2 Kommentare
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Martina Giese-Rothe aus Gotha | 28.01.2013 | 19:24  
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.01.2013 | 20:13  
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