Erkundungen im Elstertal – Otto Dix und Geraer Künstlerfreunde. Ausstellung in Geras Museum für Naturkunde gibt zum 120. Geburtstag des Künstlers Einblick in Themenwelt Natur

Wann? 28.05.2012 bis 15.11.2012

Wo? Museum für Naturkunde, Nicolaiberg 3, 07545 Gera DE
Otto Dix, Moschusbock. Der auffällige Käfer mit seinen metallisch grün schimmernden Flügeldecken wurde zum künstlerischen Studienobjekt für den jungen Otto Dix. Im Skizzenbuch III (um 1906) ist ein herausragendes Aquarell eines gefundenen toten Tieres zu sehen. Bei Sommer-Spaziergängen an der Weißen Elster konnte der naturinteressierte Dix diesen großen auffälligen Käfer beobachten, der in alten Weiden und Pappeln der Flussauen lebt.
  Gera: Museum für Naturkunde | Otto Dix und Geraer Künstlerfreunden ist die Ausstellung „Erkundungen im Elstertal“ gewidmet, die am Freitag (09. Dezember) im Museum für Naturkunde Gera eröffnet wurde. Die Schau, die bis 28. Mai 2012 zu sehen ist und durch Unterstützung der Sparkasse Gera-Greiz möglich wurde, reiht sich ein in die vielfältigen Vorhaben zum 120. Geburtstag von Otto Dix (1891-1969) in seiner Geburtsstadt Gera.

Mit der Ausstellung gewährt das Museum einen Einblick in die Themenwelt „Natur“ im Schaffen der Geraer Maler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen selten präsentierte Arbeiten von Otto Dix, etwa ein Skizzenbuch aus der Zeit um 1906, Landschaftsdarstellungen der Spätimpressionisten Paul Neidhardt (1873-1951) und Hermann Paschold (1879-1965) sowie Arbeiten der Dix`schen Künstlerfreunde Kurt Günther (1893-1955), Alexander Wolfgang (1894-1970), Paul Weiser (1877-1967), Hans Rudolph (1905–1993) und Rudolf Schäfer (1912-1973). Für die Geraer Maler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die vielgestaltige Ostthüringer Landschaft im Tal der Weißen Elster – mit ihren Nebenflüssen, Hügeln, Hochflächen und Steilhängen – kein unwesentliches Thema. Über die vom industriellen Wachstum geprägte Stadt hinaus, durchstreiften und erkundeten sie die heimatliche Natur, erlebten Elster- und Gessental sowie Zaufensgraben, kamen zur „Kalten Eiche“ bei Ernsee oder durch bunte Feldblumenwiesen.

Einige Geraer Künstler wuchsen mit ihrem Schaffen weit über den Status eines Heimatmalers hinaus. Sie erlangten überregionale Bedeutung und konnten sich – wie Otto Dix – in den damaligen deutschen Kunstzentren Dresden und München etablieren. Insbesondere die Spätimpressionisten Paul Neidhardt und Hermann Paschold lenkten die Blicke der nachfolgenden Generation auf die „Natur vor der Haustür“ und wurden so zu Lehrern für die Nachfolgenden wie den jungen Kurt Günther.

Von Otto Dix existieren vor allem Naturstudien aus seiner Jugendzeit, auch mit Tiermotiven wie dem Moschusbock, der als Käfer in alten Weiden und Pappeln der Flussauen anzutreffen ist. Dort, an den nahen Ufern der Elster und im angrenzenden Stadtwald, waren auch die Plätze seiner Kindheit. Dort betrieb Dix seine botanischen und zoologischen Studien, sammelte und bestimmte Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Pilze. Nochmals finden sich sehr sensible Naturdarstellungen im Schaffen der Geraer Maler aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Darstellungen der Realität waren als „entartete Kunst“ geächtet, in innerer Emigration wandten sich Maler wie Otto Dix und Kurt Günther einer annähernd „heilen Landschaft“ zu und erkundeten die sie umgebende Natur.

Vollständig wird die Ausstellung aber erst durch die gelungene Ergänzung mit den realen Naturobjekten. Zu Skizzenblättern und Landschaftsdarstellungen gesellen sich originale Tier-Präparate. Der Besucher erhält zum Beispiel Einblick in die Insektensammlung des Berthold Schnappauf (1907-1977) aus Gera-Langenberg mit den Moschusböcken aus dem Elstertal. Auch den auf Dix-Bildern – oft in allegorischer Verknüpfung – zu findenden Krähenvögeln steht der Besucher gegenüber. Schaufenster in die heimische Landschaft stellen ebenso die aufwendigen Kleindioramen des Geraer Tier-Präparators Richard Hönnicke (1891-1970) aus den 1930er Jahren dar. Und naturgetreu sind auch Sperber, Kolbenente, Mauersegler, Eisvogel und andere Bewohner heimischer Natur zu sehen.

Die neue Sonderausstellung präsentiert sich erstmalig im Erdgeschoss des Museums für Naturkunde, unmittelbar hinter der Eingangszone. Denn zugleich mit der Ausstellung wird auch der in den vergangenen Wochen neu geschaffene Sonderausstellungsbereich der Öffentlichkeit übergeben. Durch den Einbau einer neuen Ausstellungsbeleuchtung in zwei nebeneinander liegenden Räumen und einer malermäßigen Instandsetzung ist im Erdgeschoss eine Ausstellungsfläche von etwa 100 Quadratmetern entstanden, die umfangreichere Expositionen ermöglicht. Der bisherige Sonderausstellungsbereich im zweiten Obergeschoss des Museums dient auch künftig der Präsentation von Wechsel- und kleineren Kabinettausstellungen. Die Bauarbeiten wurden durchgeführt unter Verantwortung der „Elstertal“-Infraprojekt GmbH und gefördert durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Das Naturkundemuseum erwartet seine Besucher – wie alle Geraer Museen – dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr.

PS: Bitte bedenken Sie, dass es sich bei den Aufnahmen der Werke um keine Reproduktionen unter Studiobedingungen handelt. Die Fotos sind alle in der aktuellen Ausstellungen entstanden. Somit können die Fotos aufgrund der Ausstellungbeleuchtung geringfügige Abweichungen bezüglich des Farbtones, des Tonwertumfangs aufweisen.

PPS: Die Fotos zeigen nur einen Teil der ausgestellten Arbeiten und Objekte.
2
1
1
2
1
2
2
2
1
2
2
7
2
2
2
2
2
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
4 Kommentare
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 10.12.2011 | 17:55  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 11.12.2011 | 21:32  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 16.04.2012 | 09:19  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 22.05.2012 | 07:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige