Frauenselbsthilfe nach Krebs gibt Betroffenen Hoffnung und Hilfe

Zwei Kerzen von insgesamt 48 - Gruppenleiterin Uta Köhler (li.) Mitstreiterin Johanna Herrmann und andere Mitglieder entzündeten sie, um Licht auf die Situation von Brustkrebspatientinnen zu werfen und auf ihr Hilfsangebot an Betroffene.
Gera: Frauen nach Krebs | Gera. 48 Kerzen brennen – entzündet von den Mitgliedern der Frauenselbsthilfe nach Krebs Gera-Land bei der Action Lucia. 48 Kerzen in Gedenken für die Frauen, die täglich in Deutschland an Brustkrebs sterben.

Und mit dem Ziel, ein Licht auf die Defizite der Versorgungsleistungen unseres Gesundheitssystems zu werfen. Insbesondere den Mangel an psychologischer Betreuung nach der rein medizinischen Behandlung.
Die 65-jährige Uta Köhler, ehrenamtliche Gruppenleiterin der Selbsthilfe nach Krebs Gera-Land weiß, worüber sie spricht. Sie ist – wie auch die anderen rund 40 Mitglieder - selbst betroffen.
„Im Dezember 1987, kurz vor Weihnachten, habe ich an meiner Brust einen Knoten ertastet, der mich zutiefst beunruhigte. Es folgte die Diagnose Brustkrebs. Der Schock saß tief. Tag für Tag hämmert eine Frage im Kopf: Muss ich jetzt sterben? Zu DDR-Zeiten wurde nicht lange gefackelt, die Brust abgenommen. Keine Chemo, ‚nur’ Strahlentherapie. Die half zwar gegen den Krebs, verursachte aber enorme Schäden in meinem Körper. Ich war nur noch todmüde, wollte nur noch schlafen“, erzählt sie ihre Geschichte. „Hilfe danach gab es nicht. Auch keine Familie, die mir den Rücken stärkte. Man fühlte sich alleingelassen, hilflos. Doch irgendwie musste man mit der Situation fertig werden.“
Mittlerweile hat sie ihren Lebensmut längst wieder gefunden. Vielleicht auch Dank ihrer engagierten Arbeit in der Selbsthilfegruppe, wo auch Freundschaften entstanden. „Mit der Wende entstanden solche Gruppen, auch hier in Gera-Land. Anfangs habe ich mich gesträubt, hinzugehen. Doch die Neugier war schließlich stärker. Nun – seitdem ‚hänge’ ich mittendrin, im achten Jahr nun schon als Gruppenleiterin. Ich engagiere mich aus Dankbarkeit, dass ich überlebt habe – und möchte gern etwas zurückgeben.“

Uta Köhler ermutigt alle betroffenen Frauen, das Hilfsangebot anzunehmen. Denn die Erschütterung über die Diagnose Krebs erstreckt sich auf alle Lebensbereiche. Die Betroffenen sehen sich plötzlich mit elementaren Ängsten konfrontiert: der Angst vor dem Tod, vor Schmerzen, Leiden und - im Fall von Brustkrebs - dem Verlust der Weiblichkeit. Nichts ist mehr so, wie es war – und dass stürzt sie in eine Krise, die sie allein kaum bewältigen können. Die Familie ist damit oft ebenso überfordert. Sie brauchen psychosoziale Unterstützung von Psychoonkologen und Sozialarbeitern, an der es sowohl im stationären als auch im ambulanten Sektor leider mangelt. „Ein Therapieplatz in erreichbarer Nähe ist wie ein sechser im Lotto“, weiß Uta Köhler. „Generell müssen Patientinnen viele Monate auf einen Termin warten.“
Ohne lange Wartezeiten können betroffene Frauen und ihre Angehörigen in der Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs seelische und auch ganz praktische Unterstützung finden.
„Wir sind diesen Weg bereits gegangen, kennen die Ängste und Gefühle. Allein durch unser Dasein können wir Hoffnung vermitteln und die Zuversicht, dass die Erkrankung bewältigt werden kann und ein lebenswertes Dasein mit Krebs möglich ist.“
Daneben gibt es wichtige Tipps und Ratschläge für den sozialen Bereich, interessante Info- und Themenabende, Sport und Geselligkeit.

Infos:
Wer: Frauenselbsthilfe nach Krebs
Wann: Treff: 1. Mittwoch im Monat
Wo: Gera, Ebelingstraße, Rotes Kreuz
Kontakt: Uta Köhler, Tel. 036608/92650
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