Hundefutter für fünf Euro. Im Geraer Fundbüro wird mehr nachgefragt als abgegeben – Versteigerung am 6. Dezember

Heidrun Heinz ist im Fachdienst Ordnungsangelegenheiten der Stadt Gera verantwortlich für das Fundbüro.
  Gera: Fundbüro | „Es wird mehr nachgefragt als abgegeben“. Besonders nach Wochenenden mit Großveranstaltungen läuft bei Heidrun Heinz das Telefon heiß. Sie ist Herrin über vergessene Regenschirme, verlorene Schlüsselbunde und stehen gelassene Fahrräder – offiziell Fundbüro im Fachdienst Ordnungsangelegenheiten der Stadt Gera genannt.

Die Menge der liegen gelassenen, verlorenen und vergessenen Dinge, die sich im Handwerkerhof 13 in Gera anhäufen, ist geringer geworden. Das liegt allerdings weniger daran, dass die Besitzer besser auf ihr Hab und Gut aufpassen oder Finder unehrlicher geworden sind. Seit Anfang 2012 verwalten der GVB und der Regionalverkehr Gera als öffentliche Verkehrsanstalten ihre Fundsachen selbst. Auch die Staatsanwaltschaft geht bei der Versteigerung von sicher gestelltem Diebesgut mittlerweile eigene Wege.

Da es immer noch genügend ehrliche Menschen gibt, hat Heidrun Heinze nach wie vor alle Hände voll zu tun. Neben 30 Fahrrädern hat sie derzeit über 200 weitere Fundsachen zu verwalten, darunter Kleidung, Regenschirme, Handys, Schmuck und Uhren, aber auch sechs Gehhilfen und je einen 30-Euro-Gutschein von H&M und Tally Weill. Wenn die Fundsache einen Anhaltspunkt auf den Besitzer liefert, wird nachgeforscht. Zu den glücklichsten Verlierern dürfte wohl ein Radwanderer aus dem hessischen Eppstein gehören. Er hatte in der verlorenen Radtasche zwei 500-Euro-Scheine. „Wir konnten ihn anhand der Reiseunterlagen in der Tasche ausfindig machen“, erklärt die Fundbürochefin. Gelohnt hat sich dies auch für den ehrlichen Langenberger, der die Tasche abgegeben und einen entsprechenden Finderlohn dafür erhalten hat.

„Rechtlich gesehen müssen Fundsachen ab zehn Euro Wert bei den Behörden abgegeben werden“, erklärt Yvonne Schlag, Fachgebietsleiterin Allgemeine Ordnungsangelegenheiten/Gewerbe. Wenn es dem Fundbüro nicht gelingt, den Eigentümer zu ermitteln, wird die Fundsache ein halbes Jahr aufbewahrt. Nach dieser Zeit hat der Finder Anspruch auf die Fundsache gegen Zahlung der Aufbewahrungsgebühr. Hat der Finder kein Interesse daran, wird die Fundsache versteigert. Der eingenommene Betrag muss vom Fundbüro noch drei Jahre aufbewahrt werden. „Danach geht das Geld ins Stadtsäckel. Voriges Jahr waren das 2623,05 Euro.

Apropos Versteigerung. Die nächste findet am 6. Dezember, 14 Uhr, im Rathaussaal Gera statt. Ab 13 Uhr können die Dinge besichtigt werden. Die Versteigerung wird wie gewohnt ein Kollege des Fachdienstes übernehmen. Die Interessenten sind immer ein bunt gemischtes Völkchen. Dazu gehören Trödelhändler ebenso wie Stammgäste und Leute, die nicht viel Geld haben und auf der Suche nach einem preiswerten Weihnachtsgeschenk sind. Selbst Spaßvögel fehlen da nicht, die einfach Freude am Mitbieten haben und dann feststellen: Das hätte es im Laden preiswerter gegeben. Letztens war dies unter anderem eine Dose Hundefutter für fünf Euro.

Annahme von Fundsachen:

- Stadtservice H35, Gera, Heinrichstraße 35
- Fundbüro, Gera, Handwerkerhof 13
- Polizeidirektion, Gera, Amthorstraße 6
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.11.2013 | 11:56  
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