Selfie 2.0 in Weida. Fotopoint mit Blick auf Osterburg durch einen begehbaren Bilderrahmen ist Kinder- und Jugendparlament zu verdanken

Voller Stolz nehmen Victoria (von links), Paul, Franziska, Ella, Johann und vorn quer liegend Louis im Begehbaren Fotorahmen Platz. Das Kinder- und Jugendparlament Weida hatte vor zwei Jahren die Idee, einen Fotopoint mit der Osterburg im Hintergrund zu schaffen. Nach mühevoller Kleinarbeit und Beharrlichkeit konnte die Idee in die Tat umgesetzt werden.
Weida: Widenkirche | Was bedarf es für ein cooles Selfie? Natürlich erst mal mindestens einer Person, die Spaß daran empfindet, sich selbst zu fotografieren. Ein schöner Hintergrund wäre auch nicht schlecht. Was für Berlin der Fernsehturm oder das Brandenburger Tor ist, ist für Weida die Osterburg. Und wenn man dem Ganzen gleich noch einen tollen Rahmen verpassen kann, umso besser! Fertig ist ein tolles Selfie! Und man kann es noch weiter treiben: Den Rahmen einfach an diesem Ort stehen lassen und den Selfiepoint der Öffentlichkeit über das Internet bekannt machen.

Ob sich die Gedankengänge tatsächlich genauso abgespielt haben, weiß Paul Metzmacher auch nicht mehr. Der 14-Jährige ist Vorsitzender des Kinder- und Jugendparlaments der ostthüringischen Stadt Weida. Erste Ideen zu solch einem Selfiepoint wurden vor zwei Jahren geboren. Und die vier Mädchen und fünf Jungs des Parlaments haben noch weiter gedacht: Über Selfies hinaus sollte auch die Möglichkeit bestehen, dass sich Hochzeitspaare, Konfirmanden, Besucher der Stadt und, und, und so mit der Burg im Hintergrund fotografieren lassen können. Also sozusagen auch altmodische Fotografie, wo einer mit einem Fotoapparat steht.

Sven Müller, im Rathaus für die Betreuung des Kinder- und Jugendparlaments (KJP) verantwortlich, erinnert sich an viele Ideen, die das KJP gesponnen hat. „Und oft haben die Stadtväter gesagt: „Das wollen wir nicht. Das brauchen wir nicht!“. Aber die kleinen Nachwuchspolitiker sind beharrlich. So auch diesmal.

Da man sich im Parlament uneinig war, wo dieser Punkt innerhalb der Stadt liegen sollte, hat man die ortsansässige Fotografin Doreen Querengässer mit ins Boot geholt. Sie fotografiert auch viele Hochzeiten in der Widenkirche und das Brautpaar anschließend neben der Kirche mit dem Wahrzeichen der Stadt – der Osterburg - im Hintergrund. Es sollte zudem ein Ort sein, der bequem per Auto mitten in der Stadt erreichbar sein soll. Gute Aussichtspunkte auf die Burg hat Weida mehrere zu bieten – aber ein Brautpaar sollte eben nicht erst wandern gehen müssen für dieses besondere Foto.

Dass die Umsetzung der Idee zwei Jahre gedauert hat, liegt wohl auch daran, dass sich die Kinder und Jugendlichen selbst an der Finanzierung beteiligen wollten. Sage und schreibe 1000 Euro haben sie mit dem Verkauf von Kuchen zum Kuchenmarkt und Detscher auf dem Weihnachtsmarkt erwirtschaftet. Ein weiterer Tausender kommt von der Thüringer Energie und nochmals 1000 Euro von mehreren Weidaer Firmen.

Entstanden ist ein – eher altmodisch genannt – begehbarer Fotorahmen aus Stahl, verziert mit Weinranken, dem Namenszug Weida und Wappen auf dem Erkenbertplatz neben der Widenkirche. Genannt wird das Ganze offiziell Fotopoint. Wobei der Point – zu Deutsch: Punkt – im wahrsten Sinne des Wortes noch fehlt. „Der wird in den nächsten Tagen noch in das Erdreich eingelassen“, versichert Paul Metzmacher. Und es wird neben dem Punkt für den Fotografen noch einen zweiten geben, den Selfiepoint. Den jetzt erst mal auszutesten, ist seine Stellvertreterin Franziska Beier verantwortlich. Und dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Fotos altmodisch ausbelichtet in Fotoalben eingeklebt werden beziehungsweise trendy auf Instagramm, Facebook & Co. auftauchen.

Sven Müller ist stolz auf seine Stadtväter von morgen: „Das kleine Kunstwerk zeigt, dass auch Jugendliche in ihrer Stadt etwas bewegen können, wenn sie nur wollen und auch genügend Ausdauer mitbringen, um es in die Tat umzusetzen“

Kinder- und Jugendparlament Weida

Die Interessengemeinschaft Kinder- und Jugendparlament wurde 1995 gegründet. Sie hat derzeit neun Mitglieder, Vorsitzender ist Paul Metzmacher. Aller zwei Jahre wird gewählt. Letztes umgesetztes Projekt vor dem Begehbaren Bilderrahmen war der Graffititunnel – ein trostloser Tunnel wird zum Kunstwerk. Das KJP ist seit zwei Jahren verantwortlich für die Kuchennachwuchsbäcker zum Kuchenmarkt. Am Freibad wurde eine Skaterbahn geschaffen. Die Liste ist lang, was das KJP in den vergangen Jahren auf die Beine gestellt hat, unter anderem auch ein Beach-Volleyplatz am Schulclub, der Grillplatz am Jugendclub und Streetsoccer- und Streetballplatz.

www.kjp-weida.de
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