Suchtgefahr Spielzeug. Projekt „Spielzeugfreie Zeit“ an der Kindertagesstätte Arche Noah“ in Bernsgrün

Hendrik (links, drei Jahre) und Fynn (vier Jahre) machen angesichts der spielzeugfreien Zeit keinen traurigen Eindruck. Sie finden Gefallen am kreativen Gestalten.
Kein Bobbycar. Keine quietschbunten Bausteine. Keine Puppen. Keine… Was ist das für eine Kindertagesstätte, an der es kein Spielzeug gibt? Waren die Kinder böse, dass ihnen das Spielzeug weggenommen wurde? Nein. Sie sind artig. Und ihr Spielzeug haben sie freiwillig weggebracht.

„Spielzeugfreie Zeit“ nennt sich das vierteljährige Projekt an der Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Bernsgrün (Landkreis Greiz). Natürlich haben die Knirpse ihr Spielzeug nicht von einem auf den anderen Tag einfach weggeräumt. Die Vorbereitungszeit für das Projekt lief etwa ein Jahr. „Im Vorfeld haben wir mit den Eltern über die Reizüberflutung und das bestehende Überangebot diskutiert“, erklärt Heidi Schröter, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung. Einher gehen damit ein Konsumverhalten bis hin zur Sucht und eine durchrationalisierte Freizeitgestaltung. Dem wolle man mit dem Projekt begegnen. „Die Eltern zeigten sich begeistert“, erklärt Heidi Schröter. Natürlich wurde auch mit den Kindern gesprochen: „Sie reagierten überrascht, waren aufgeregt, aber gleichzeitig voller Neugierde“.

Der Startschuss für die aktive Phase fiel vor reichlichen zwei Wochen. Die Knirpse haben beim Wegräumen selbst mit angepackt. Seitdem kündet ein Tagebuch davon, wie sie sich mit der Natur und ihren Materialien befassen und welche Alternativen geschaffen wurden. Beispielsweise haben die Kinder voller Kreativität aus Papprollen und Kartons ein Orchester gebaut. Die Fantasie anregend dürfte auch das Aquarium mit seinen bunten Fischen sein. „Dabei drängeln wir den Kindern keine Aufgaben auf“, erklärt die stellvertretende Chefin. Je nach Stärken und handwerklichen Fähigkeiten findet der Nachwuchs eigene Lösungen. In sich neu zusammen findenden Gruppen wird geforscht und ausprobiert. Die Kinder gehen aufeinander zu und kommunizieren mehr. Es entstehen neue Spielideen. Das Erzieherteam ist sich sicher, dass bislang keines der Kinder das bunte Plastikzeugs vermisst.

„Es bleibt spannend. Rein theoretisch kann es passieren, dass die Kinder ihr Spielzeug nicht wieder haben möchten“, schaut Heidi Schröter optimistisch in die Zukunft.


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7 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 16.06.2013 | 09:39  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 16.06.2013 | 10:00  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 16.06.2013 | 12:47  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.06.2013 | 18:39  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.06.2013 | 23:49  
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