Wann kommt der neue Trabant nT?

Die Geschichte des Trabant nT begann bereits 2007, als Modell-Hersteller Herpa das von ihm in Auftrag gegebene Modell New Trabant auf der IAA Frankfurt/Main vorstellte. (Foto: Sabine Freudenberger)
 
IndiKar-Geschäftsführer Ronald Gerschewski am Tonmodell des Trabant nT.
 
IndiKar-Geschäftsführer Ronald Gerschewski am Tonmodell des Trabant nT.
 
IndiKar-Geschäftsführer Ronald Gerschewski am Tonmodell des Trabant nT.
Wilkau-Haßlau: IndiKar | Er könnte längst über unsere Straßen rollen: Der neue Trabi, offiziell Trabant nT genannt. Doch noch steht er als Concept Car im Eingangsbereich der sächsischen Firma IndiKar in Wilkau-Haßlau nahe Zwickau. Dort sorgt er für offene Münder und Staunen bei den Besuchern des Unternehmens. Das kann der Trabant nT gut. Als er auf der IAA in Frankfurt/Main vorgestellt wurde, haben ihm die Medienleute keine Ruhepause gegönnt – riesiges Interesse ohne Ende. Das war bereits im September 2009. Woran scheitert die Markteinführung?

Aber der Reihe nach. Die Geschichte der Neuauflage des berühmtesten DDR-Fahrzeuges beginnt nicht in Zwickau, sondern im bayrischen Dietenhofen. Dort hat die Firma Herpa ihren Sitz, bekannt für Fahrzeug-Modelle, hauptsächlich im Maßstab 1:87. Der Trabi darf im Portfolio natürlich nicht fehlen. Heute bietet das Unternehmen allein vom Trabant 33 verschiedene Modelle an.

Bei Herpa hat man die Erfahrung gemacht, dass sich die eigenen Verkaufszahlen verhältnismäßig an denen der Originale orientieren. Kommt ein neues Fahrzeug auf den Markt, lässt sich auch das entsprechende Modellfahrzeug gut verkaufen. Verschwindet das Original von den Straßen, werden auch kaum noch Modelle verkauft. Die Zulassungszahlen des Trabant sind stetig rückläufig. Auch bei Herpa wurden nach dem ersten Run immer weniger Trabant-Modelle verkauft.

Doch nach 2002 stiegen die Verkaufszahlen wieder an. Das gab es zuvor bei keinem anderen Modell-Auto. Das Phänomen muss mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte zusammenhängen. Der jahrzehntelang verteufelte und belächelte Trabant steht symbolisch für den Fall der Mauer. Jeder Souvenirshop in Berlin hat Trabimodelle, die durch das Brandenburger Tor oder die Mauer fahren, im Angebot. Der Trabant ist weltweit das Symbol für den Mauerfall und die Wiedervereinigung.

Der damalige Marketingchef und heutige Herpa-Geschäftsführer Klaus Schindler nutzte die Chance der gestiegenen Nachfrage und gab bei einem Designer einen neuen Trabant in Auftrag, besser gesagt, das Modell eines neuen Trabant im Maßstab 1:10. Das wurde 2007 mit einer gigantischen Resonanz auf der IAA präsentiert. Der New Trabi schaffte es bis in die Tageschau. Aber wie gesagt: Es handelte sich um ein Modell!

Wenn das Modell auf eine derart euphorische Resonanz stößt, müsste das nicht vorhandene Original es doch auch schaffen? Dazu gab es eine Befragung auf der IAA. 94 Prozent der 12.000 Befragten sprachen sich für eine Neuauflage aus. Davon beflügelt, tourte Schindler mit seiner Idee auch nach Zwickau, in die Heimat des Trabis. Dort begegneten sich Anfang 2008 Klaus Schindler und Ronald Gerschewski erstmals. Gerschewski ist Geschäftsführer der IndiKar Individuall Karosseriebau GmbH. Das Modell des New Trabi hat Gerschewski zwar nicht sonderlich gut gefallen, die Idee einen neuen Trabant aufzulegen aber schon: „Wir machen aus dem Modell ein richtiges Auto!“. Gesagt, getan.

Der IndiKar-Chef holte sich einen Diplom-Designer mit Erfahrung ins Boot: Nils Poschwatta. Der gab für das Trabant-nT-Projekt seinen gut bezahlten Job bei Volkswagen auf. Aus dem eigenen Haus steht ihm Sven Heubner zur Seite. Der gelernte Modellbauer ist bei IndiKar Projektkoordinator im Prototypenbau. Bevor es handwerklich zur Sache ging, wurden viele Kleinwagen studiert. Schließlich sollte sich der Trabant nT - so die offizielle Bezeichnung - am internationalen Standard orientieren. „Technisch auf hohem Niveau aber dennoch an der Designvorlage des Originals orientiert“, betont Gerschewski. Mit einem gewissen Funkeln in den Augen spricht Gerschewski von einem sympathischen Oldtimer mit Gesicht, dem die Besitzer meist sogar einen persönlichen Namen gegeben haben. „Das gibt es weltweit nur bei sehr wenigen Autos. Das möchten wir auch bei der Neuauflage unbedingt erhalten“, so der Chef.

Am Computer entstanden erste 3-D-Zeichnungen. Die zeigte Gerschewski damals seinem siebenjährigen Sohn Eric. „Ja, das ist ein Trabi“, erkannte er sofort und bestärkte somit seinen Vater, auf gutem Weg zu sein. „Das richtige Design zu finden, war nicht einfach. Einerseits sollte es sich an der Moderne orientieren und trotzdem noch nah genug am Original sein“, erinnert er sich.

Der Computerdarstellung folgte Anfang 2009 das so genannte Clay-Modell aus Ton im Maßstab 1:5. Anhand dieses Modells wurde ein 1:1-Modell aus Schaum gefräst und mit Folie beklebt. Für den Bau des Concept Cars holte sich Gerschewski fast zwei Dutzend Firmen aus Sachsen, Bayern und natürlich Thüringen ins Boot. Es ist ein Fahrzeug ohne Stinkerimage mit Elektroantrieb entstanden. Zielgruppen hierfür wären beispielsweise Unternehmen wie Pizzadienste, Energieversorger, Altenpflege. Natürlich sollen mit dem Trabant nT auch Privatpersonen angesprochen werden, die auf der Suche nach einem Zweit- oder sogar Drittfahrzeug für den innerstädtischen Bereich sind.

Es gibt nicht wirklich Fahrzeuge, die tatsächlich erst auf der IAA Frankfurt/Main enthüllt werden. Der Trabant nT ist die Ausnahme. Gerschewski erinnert sich, wie im September 2009 tagelang die Fernsehsender und Fachmedien Schlange standen: „Egal ob aus Deutschland, ganz Europa, Amerika oder aus Japan – alle wollten vom Trabant nT berichten. Wir hatten den kleinsten Messestand und der war bis zur letzten Minute der IAA überlaufen. Die ganze Welt zeigte sich begeistert, dass es einen neuen Trabant geben wird!“. Die Begeisterung reichte bis in das höchste Amt Deutschlands. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh Indikar innerhalb der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ die Auszeichnung „Ausgewählter Ort 2010“ und zusätzlich den Sonderpreis „Gelebte Einheit“.

An dieser Stelle atmet der IndiKar-Geschäftsführer tief durch: „Hier endet der positive Teil der Story. Wir waren auf der IAA, um einen Investor zu finden. Wir als kleines Unternehmen können den Trabant nT nicht selbst produzieren“. Seit dem euphorischen Messeauftritt führt er Verhandlungen mit potentiellen Herstellern. Für ihn erstaunlicherweise sind Unternehmen außerhalb Deutschlands eher an einer Zusammenarbeit interessiert. Namen möchte er allerdings nicht nennen. Gerschewski hat seit der IAA 2009 viele negative Erfahrungen sammeln müssen: „Von den etwa 200 bisherigen Finanzierungsangeboten haben sich 98 Prozent als Luft erwiesen“. Es gibt also doch noch einen Funken Hoffnung.

„Zu sagen, dass alles schief gelaufen ist, wäre falsch. Wir haben ein eigenes Produkt geschaffen, auf das wir stolz sein können. Es ist eine Referenz für die Leistungsfähigkeit unserer Firma“, resümiert er. Gleichzeitig sinniert er darüber, zu wenig in das Projekt Trabant nT investiert zu haben. Womöglich hätte man bereits zum Messeauftritt einen starken Partner haben müssen. Die Hoffnung, dass der Trabant nT jemals über die Straßen rollt, hat er noch nicht aufgegeben. Allerdings ist er nicht mehr als „Klinkenputzer“ bei den großen Herstellern unterwegs, sondern reagiert eher auf Anfragen: „Es vergeht kein Tag, an dem der nT nicht Thema ist“.


PS: Pressemitteilung von IndiKar vom 9. November 2009:

Trabant nT findet in Umfrage große Zustimmung
Elektro-Trabi bereits fahrfähig

Für großes Interesse hat die Vorstellung des neuen Trabant nT mit Elektroantrieb auf der diesjährigen IAA gesorgt. Der Prototypenbauer IndiKar hatte das ConceptCar mit modernem Design und zukunftsweisendem Elektroantrieb präsentiert. Nach Auswertung einer Besucherbefragung mit rund 7000 umfangreichen Fragebögen zeigt sich eine positive Bilanz: 98% der befragten Besucher wünschen sich, dass der Trabant in der modernen Form wieder auf den Markt kommt. Das Design wurde als trendige Neuinterpretation der klassischen Vorlage im Durchschnitt mit „gut“ bewertet. Über zwei Drittel aller Befragten befürworten die Elektroversion des newTrabi und stehen dem Kauf des Elektroautos positiv gegenüber.

Direkt nach der IAA wurde das Trabant nT ConceptCar für Präsentationen, potentielle Partner und Investoren, fahrfähig gemacht. Da Elektroautos normalerweise fast lautlos dahinrollen, soll der Trabant nT im Stadtverkehrmodus, auch aus Sicherheitsgründen, ein vom Fahrer wählbares, künstliches Motorengeräusch erzeugen.

Das bisherige Projektteam bestehend aus dem Prototypenbauer IndiKar, dem Designer Nils Poschwatta, und dem Miniaturmodellhersteller Herpa, formiert sich derzeit zu einer Projekt-GmbH, diese wird die Aktivitäten bündeln und den Geschäftsplan konkretisieren. Ronald Gerschewski, Sprecher des Trabantprojektes, berichtet von Verhandlungen mit Interessenten insbesondere aus dem Ausland, Schwerpunkt Nordeuropa, Osteuropa und Asien. "Für die Wunschlösung der Initiatoren, einer Serienproduktion in Deutschland, hat sich bisher noch kein substanzieller Ansatzpunkt ergeben“, so Gerschewski. Dies sollte „vor dem Hintergrund der nicht ausgelasteten deutschen Wirtschaft aber noch offen bleiben“, meint Klaus Schindler, Geschäftsführer von Herpa und Ideengeber für den newTrabi. Seine Ursprungsidee besteht darin, den neuen Trabant - made in Germany - zum Trendsetter für elektrische Mobilität werden zu lassen. “Der nT soll ein Elektroauto werden das Spaß macht, praktisch ist und noch dazu geschichtlichen Hintergrund hat“, so Designer Nils Poschwatta, der für den Ausbau der Trabant Produktfamilie bereits weitere Pläne hat.
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Steffen Weiß aus Gera | 11.12.2013 | 08:16  
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