Wieder Gersches Bier. Zehn Jahre braucht Günter Stemmler, seine Idee von der eigenen Brauerei im Sächsischen Bahnhof Gera umzusetzen

Zehn Jahre hat Günter Stemmler gebraucht, seine Idee von einer eigenen Biermanufaktur im Sächsischen Bahnhof umzusetzen. In diesen Tagen setzt er das erste Bier an. Die offizielle Einweihung wurde vorab begangen.
 
Da wird der Gersche Bierbrauer Manfred Lemke der nächsten Auflage seines Büchleins wohl ein neues kapitel widmen müssen.
Gera: Sächsischer Bahnhof | Eigentlich bedarf es nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. Und schon könnte es mit einem Kochtopf losgehen, Bier nach Deutschem Reinheitsgebot zu brauen. Und dann noch ein paar Flaschen, in denen es gärt.

Dass es in der Praxis dann doch etwas komplizierter ist, zeigt der Fall von Günter Stemmler. Vor zehn Jahren hat er von der Deutschen Bahn den Sächsischen Bahnhof in Gera erworben. „Das Grundstück hat sich die Bahn wegen der exponierten Lage gut bezahlen lassen“, so Stemmler. Über den Preis des Gebäudes reden beide Seiten nicht. Von Gebäude zu reden, ist wohl auch etwas übertreiben. Das Wort Ruine trifft es besser.

Stemmler hatte damals große Pläne. Eine Kleinkunstbühne wollte der Amateurkabarettist dort installieren. Der Sächsische Bahnhof sollte zu einem Veranstaltungszentrum wachsen. Und zur Verköstigung selbst gebrautes Bier. Die Banken zeigten sich allerdings alles andere als begeistert. Wo Stemmler seine Ideen auch vorstellte, keiner wollte ihm das dafür notwendige Geld geben.

Und so konnte die Ruine mit den eigenen Mitteln nur notdürftig hergerichtet werden. „Kabarett ohne Heizungsanlage? Nein, das funktioniert nicht!“, bedauert Stemmler. Was hingegen funktioniert, den großen Veranstaltungsraum mit dem „Bullerjan“ aufheizen und inmitten des nicht auf Hochglanz polierten Ambientes Livekonzerte stattfinden lassen. Punk, Hip Hop, Metal, Gothic. Stemmler bedient Nischen. Gera selbst hat nicht wirklich eine Szene. „Sicher gibt es ein paar Punker und ein paar Gothics. Aber die suchen alle das Weite, bleiben nicht in Gera. Unsere Konzertgäste kommen meist von weit angereist“, resümiert Stemmler. So hält er sich nur notdürftig über Wasser.

Mit Erreichen des Rentenalters vor drei Jahren wollte der Geraer die sprichwörtliche Flinte ins Korn werfen. Letztlich war es seine aus der Baubranche stammende Ex-Frau, die mit eingestiegen ist, sich um das bauliche kümmert, damit er sein ursprüngliches Vorhaben der Brauereimanufaktur doch noch umsetzen kann.

Wenn Manfred Lemke - besser bekannt unter dem Namen „Der Gersche Bierbrauer“ - zur nächsten Stadtführung durchs „Fress- und Saufgere“ einlädt, dann wird er seine Erzählungen wohl ändern müssen. Über Geraer Braukunst berichtend, hat er bislang in der Vergangenheit gesprochen. Jetzt kann er sich endlich wieder auf die Gegenwart beziehen: In Gera wird wieder Bier gebraut!

Bier für den Eigenbedarf brauen darf in Deutschland jeder nach entsprechender Anmeldung beim Zoll. Wer die Freimenge von 200 Litern pro Jahr allerdings überschreiten und das Bier in der eigenen Gaststätte ausschenken will, wird schon genauer unter die Lupe genommen. Die Hygiene, das Ordnungsamt und die Berufsgenossenschaft Nahrungs- und Genussmittel haben ein Wörtchen mitzureden und die Biersteuer wird ebenfalls fällig.

Günter Stemmler hat die Hürden genommen. Mit aller Kraft setzt er sich dafür ein, dass die Biergeschichte in Gera nicht nur wachgehalten, sondern wieder gelebt wird. In diesen Tagen setzt er sein erstes Bier an „Handgemachtes Bier mit Charakter“, verspricht er. Mit einem Sud kann er 200 Liter brauen. Pilsner plant er ebenso wie Schwarzbier und Weizen. „Und dann werde ich experimentieren“, verspricht er und meint damit, Bier entsprechend der Art künftiger Veranstaltungen zu brauen. Ein paar Wochen bis Mitte/Ende Juli wird es noch dauern, bis sein erstes selbst gebrautes Bier fertig sein wird.
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