BAJA300: Jede Menge braune Autos im Wald. Doch die Geraer kommen durch und landen auf dem 2. Platz!

Der erste Renntag der beiden Geraer Marian Menzel und Christian Becker bei der BAJA300 verlief alles andere als optimal.
 
Noch ist der Lada Niva von Marian Menzel und Christian Becker blitzsauber.
 
Noch ein bissel Sprit auffüllen.
Ein paar Stündchen geschlafen, ist Marian Menzel gleich nach den Torturen bei der BAJA300 in den Urlaub gefahren. Auch wenn die Ostsee für das Badevergnügen wohl etwas zu kalt war, tat die Erholung bei ausgedehnten Strandspaziergängen gut und war auch mehr als notwendig. Beifahrer Christian Becker musste auf diesen Luxus verzichten und saß stattdessen bei einem Lehrgang mehr oder weniger unaufmerksam auf der Schulbank.

Freitagabend sieht Marian seinen Lada Niva erstmals nach dem Rennen wieder und freut sich: "Der ist ja wieder weiß!" Drei Stunden hatte Christian geschrubbt. Der braune Tagebauschlamm zeigte sich mehr als hartnäckig. Zum Schluss lag unter dem Auto neben dem Dreck, den das Wasser bereits mitgenommen hat, immer noch eine Schubkarre voll. Die wieder gewonnene Sauberkeit bringt aber auch das zutage, was Marian die Tränen in die Augen treibt: "Viele, viele böse Beulen. Ich hoffe, dass er ansonsten keinen großen Schaden genommen hat", sagt's und kriecht schon wieder unters Auto. Technisch hat der Niva die BAJA300 gut überstanden. Äußerlich hat er stark gelitten. Und während Marian jede neue Delle entdeckt und über deren Herkunft sinniert, schmiedet er schon wieder Umbaupläne: "Wir werden die Vorderachse für mehr Federweg komplett umbauen müssen. Der Umlenkhebel für die Lenkung muss verstärkt werden. Fürs nächste Rennen - das ist eine neue Auflage - muss der Tank verkleidet werden". Und schon legt er die Stelle fest, wo der Tankstutzen hinkommt. Und, und, und. "1000 kleine und größere Dinge", fügt Christian an.

Aber sollte nicht die BAJA300 2013 erst mal ausgewertet werden, bevor wir an 2014 denken?

"Matsch. Viel Matsch. Viel zu viel Matsch", fasst Christian Becker den ersten Renntag der BAJA300 zusammen. "In der ersten Runde dachte ich, wir sollten das lieber lassen. Das ist doch albern. Da kommen wir nicht durch!", so Marian.

Und genauso gestaltete sich das Rennen dann auch. Ein Mitsubishi stand in einem Schlammloch mitten auf der Ideallinie. Marian und Christian haben gepokert: Rechts oder links vorbei? Im Zweifelsfall immer rechts. Somit steckte der Niva selbst im Schlamm fest. Eine freundliche Defender-Fahrerin hat sie wieder herausgezogen. Das kostete natürlich Zeit. Kaum wieder in Fahrt gekommen, musste eine Steigung gemeistert werden. Nur zu dumm, dass die riesigen Lkws an dieser Stelle so tiefe Spurrillen gezogen haben, dass der Niva in der Mitte aufsaß und wie ein bockiger Junge mit den Beinen in der Luft strampelte. Für kleine Fahrzeuge unmachbar! Hier half schließlich ein holländischer Toyota-Fahrer. Beim anschließenden Umfahren dieser Passage freuten sich beide über eine saubere Pfütze, deren Wasser für den notwendigen Durchblick durch die Frontscheibe sorgte. Für das Umfahren haben die beiden Geraer glücklicherweise keine Strafzeit kassiert.

Apropos Strafzeit. Die hat sich das Niva-Team dann doch noch eingefangen, weil zwei Checkpoints nicht angefahren wurden. Christian mit etwas lästerndem Blick: "Ja. Marian mit seinem üblichen Satz: Ich weiß, wo's langgeht." Im Nachhinein bereut Marian, nicht auf seinen Navigator gehört zu haben: "Das kann uns den ersten Platz gekostet haben".

Im letzten Drittel haben sich beiden Geraer dann noch einen Nagel eingefahren. Und nicht nur das. Beim Ausstieg stauchte sich Marian den Knöchel. Nach dem Radwechsel schien das Aus gekommen zu sein. Der Niva sprang nicht mehr an. Sie mussten sich anschleppen lassen. Weil sie jetzt kein Ersatzrad mehr dabei hatten, sind sie eher sachte "nach Hause" gefahren.

Die Orientierung anhand des Roadbooks, wofür Christian als Beifahrer verantwortlich ist, funktionierte bestens. 243 Kilometer standen am ersten Renntag auf dem Plan. Fünf Stunden, 31 Minuten und 48 Sekunden haben die beiden Geraer dafür benötigt.

Viele andere Teams sind auf der Strecke liegen geblieben. Überall in den Wäldern standen braune Autos. Der lehmhaltige Schlamm machte vor allem den Kühlern Probleme.

Auch der Geraer Niva sah nicht nur dreckig aus, sondern etwas lädiert. Beim zweiten Kompasskurs sind sie dem Dakarsieger Gerard de Rooy mit seinem riesigen IVECO hinterher gefahren. Vor einer Steigung fuhr der Dakarsieger auf einmal rückwärts, um noch mal Schwung zu holen. Dabei hat er den kleinen Niva hinter sich einfach übersehen und ihm dabei die Motorhaube eingedrückt. Gleichzeitig kam von hinten noch ein Buggy und hat dem Niva das Rücklicht abgefahren.

"Der erste Tag lief nicht perfekt. Ich strebe immer nach einem perfekten Rennen", resümiert Marian und betont gleichzeitig, dass Christian seine Arbeit perfekt gemacht hat. Der beherrschte seine Navigation so gut, dass er sogar die Meter bis zur nächsten Kurve herunterzählen konnte.

Nachts halb Zwölf hat sich Marian dann noch anderthalb Stunden an der Waschanlage angestellt, um den Niva halbwegs wieder als Niva erkennen zu können.

Der zweite Renntag verlief weitaus weniger dramatisch. Allerdings hätte es fast ein großes Drama gegeben. Abgelenkt von der persönlichen Pressebetreuung sind die Beiden ohne GPS-Gerät zum Vorstart gerollt. Also nochmals umdrehen, und das für die Navigation notwendige Gerät holen. Und dann fehlte auch noch der Transponder für die Checkpoints. Endlich alles beisammen, sind sie gerade noch in letzter Sekunde an den Start gekommen. Und dann: "Feuer! Und so lief es die ganze Zeit. Der zweite Tag war nicht verkehrt", erinnert sich Marian mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Christian weiß warum. Nach seiner Auswertung der GPS-Aufzeichnungen entdeckte er Spitzengeschwindigkeiten von über 130 Stundenkilometern - und das im Tagebau. "Es war ein Gedicht! Wir sind eben nur partiell schnell auf halbwegs eben Strecken", fügt Marian an.

Natürlich gab's auch am zweiten Renntag, an dem 199 Kilometer (die BAJA300-Strecke wurde aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen verkürzt) bewältigt wurden, kleinere Pannen. Verhängnisvollste war die, dass Christian durch das Umblättern des Roadbooks eine Links-Spitzkehre nicht rechtzeitig angesagt hat. Das ist eine Kurve, die normalerweise im ersten Gang genommen wird. Das Geraer Team kam im vierten Gang an. Marian konnte diese prekäre Situation gerade noch retten.

Mit den kassierten Strafzeiten ist das Geraer Team auf dem zweiten Platz seiner Klasse gelandet. Marian Menzel und Christian Becker sind nicht unzufrieden. "Der Kleene hat's gut gemacht", meint Marian aufs Blech des Nivas klopfend. "Es standen viele braune Autos in den Wäldern. Und wir sind durchgekommen", ist Marian begeistert, während sich Christian schon wieder über seinen Fußschalter für den Tripmaster freut: "Der hat sich bewährt. Die 29 Euro haben sich gelohnt".

Ach ja, ganz so preiswert werden die jetzt geplanten Umbauarbeiten nicht werden. Das wird wohl eher eine reichliche vierstellige Summe. Und so werden sich die beiden Hobbyfahrer in der nächsten Zeit wohl wieder auf Sponsorensuche begeben. Dafür den richtigen Weg zu finden ist weitaus schwieriger, als anhand des Roadbooks und GPS im Tagebau bei der BAJA300!


Mehr über die beiden Rennfahrer, ihr Auto und die BAJA300 ist hier zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/baja300.htm...
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.05.2013 | 13:04  
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Karin Jordanland aus Artern | 27.05.2013 | 13:00  
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