Bogensport: Paralympics-Sieger Mario Oehme muss(te) von fern auf Olympia-London schauen

Paralympics-Sieger Mario Oehme mit seinen Medaillen von 1996 und 2004 bei einem Fotoshooting seines Weimarer Sponsors Sanitätshaus Hochheim. (Foto: Endrik Schubert /Kallinich Media)
 
Schon seit mehreren Jahren pflegte Mario Oehme (Mitte) als Teilnehmer an internationalen Turnieren wie zum Grand Prix in Stoke Mandeville (England) den Kontakt in eine spezielle Heimat paralympischer Sportspiele. (Foto: privat)
 
Mario Oehme nimmt neue Ziele ins Visier.
Gera: Bogensportplatz Gera-Langenberg | Überspannt ? - Die Wirren einer Olympia-Saison im Bogensport des Deutschen Behindertensportverbandes / Rang 3 zur Deutschen Meisterschaft gab nicht den Ausschlag / Nun WM 2013, EM 2014 und Olympia in Rio 2016 im Visier /

Zwischen den Olympischen Spielen und den Paralympics 2012 von London liegen für Geras erfolgreichsten Bogensportler Mario Oehme nun wohl recht qualvolle, erinnnerungsschwangere Wochen: Praktisch hat er dieses Wettkampfjahr für sich abgehakt. Leider ohne seinen ersehnten vierten Olympia-Start. Durchaus im Groll zieht er Bilanz: „Das habe ich alles schon einmal durch. Sydney verfehlte ich unter gleichen Vorzeichen.“

Gemeint ist seine Nichtnominierung nach kurzfristiger Änderung der Kriterien durch einen beim Deutschen Behindertensportverband frisch eingesetzten, neuen Bundestrainer. Trotz eines im Herbst 2011 in Stoke Mandeville von ihm eroberten Quotenplatzes wurde der Thüringer Rollstuhlfahrer jetzt nicht berücksichtigt. Der Coach des Nationalteams legte den Zeitraum zur Qualifikation eng beschränkt auf Mai 2012 fest; d.h. ohne Berücksichtigung von Vorleistungen und Worte anderer. Mario Oehme besuchte also in dieser Zeit rund zehn Turniere. Quer durch ganz Deutschland sei er herumgekutscht und habe offenbar dabei überdreht, statt eben konzentriert wie sonst die ihm durchaus möglichen Ergebnisse zu schießen. Diese Wochen brachten also nicht das gewünschte Ergebnis. Und nun fliegt der "Rolli" Maik Szarszewski, der 2011 international nicht lizenziert war, nach England. Da half auch ein Vordringen ins Viertelfinale beim Weltcup von Nove Mesto Mitte Juli nichts mehr, weil der DBV per 21. Juni die London-Fahrer festlegte.

Besonders ärgert sich Mario Oehme dabei, wie leichtfertig mitten im Jahr 2012 der „Neue“ die zuvor individuell zu machenden Saisonpläne über den Haufen warf: Der Geraer hatte seinen Wettkampfkalender auf Bewährungsproben wie etwa bei den Weltranglistenturnieren in Sofia und auf Zypern ausgerichtet. Ein sicherer Aufbau sollte ihn genau auf den Punkt führen. Der Trainer setzte aber zu diesen Zeiten Lehrgänge in Magstadt und Bad Blankenburg an. Noch dazu sagte er die dann kurzfristig ab: "Den von Bad Blankenburg erst am Vortag. Aber, wer eine Athletenvereinbarung für London unterschrieben hat, muss eben tun, was der Bundestrainer verlang.t“, resümierte Oehme lakonisch jetzt, sprich: zu der Zeit, in der er sonst zu letzten Tests nach England abgereist wäre. Dort wollte er befristet Vereinsmitglied werden, um in der heißen Vorbereitungsphase vor Ort trainieren zu können. Auch dafür hatte er vor zwei Jahren schon die Geschichte Stoke Mandevilles als Heimat der Paralympics ausgekramt und Turniere wie den Weltcup 2011 mitgeschossen. (s. vormaliger Bericht bei meinAnzeiger.de unter dem Link: http://www.meinanzeiger.de/gera/sport/paralympics-...) Aber: Passé...

Angesichts seiner Beobachtungen zum Coaching am Rande der 2012er Deutschen Meisterschaft aller Schadensklassen in Könitz entschied er am vergangenen Samstag (11.8.) mittendrin für sich, lieber mit einigen Tipps seinem Sportfreund, dem Goldkandidaten Matthias Alpers (Tarmstedt), zu helfen, als selbst ein nutzlos gutes Ergebnis erzielen zu wollen. Alpers, ein stehender Schütze, gewann in dem gemischten Feld mit 603 Ringen vor Szarszewski (Vöhringen) mit 585 und Oehme mit 568 Ringen.

Mario (48 Jahre alt) will sich nun sagen: „Jetzt erst recht.“ Und so gut, dass man ab 2013 nicht an ihm vorbei kann! Allerdings muss er nun voraussichtlich auf die Weltmeisterschaft im späteren Herbst 2013 bzw. die Europameisterschaft 2014 warten, um wieder im A- bzw. B-Kader geführt (und gefördert) zu werden. Daher kann er nur besonders froh sein über die Hilfe von Sponsoren und Freunden, die weiter zu ihm halten. Kürzlich besuchte er dazu z.B. wieder das Sanitätshaus Hochheim in Weimar, wo man ihn schon seit Jahren unterstützt. Da stecken quasi noch Ideen zum erweiterten Sport mit Handycaps im Köcher. Für die könnte man die Mithilfe einer Metall-Präzissionsbaufirma gut brauchen.

Außerdem: Neuerdings deutet der zweifache Paralympics-Sieger mit dem Recurve-Bogen (1996 in Atlanta im Team und 2004 in Athen im Einzel) sogar ernsthafter einen möglichen Ausflug in den inzwischen paralympischen Compound-Bogen-Bereich neben seiner Spezialdisziplin an. Erfahrungen mit weiteren Disziplinen hat er durch die Vereinsarbeit damit natürlich schon... Vor 2016 jedenfalls wolle er als Aktiver keinen Schlussstrich ziehen.

Von der "Sportstadt" Gera erhofft er sich immer noch z.B. die Anerkennung des Vereinsdomizils im ehemaligen Langenberger Freibad als Sportstätte. Nur dann etwa wäre ein Investitionsantrag an den Verband und andere Partner möglich, um z.B. eine behindertengerechte Toilettenanlage zu bauen. Für das Winterhalbjahr sucht der SV Integra Gera nach der Variante einer verstellbaren Aufhängung eines Fangnetzes in der zugewiesenen Sporthalle Vollersdorfer Straße. Die drekt an der Wand befestigte Scheiben seien leider ungeeignet für die Durchschlagskraft der Pfeile, die man für das Training richtiger Wettkampfserien auf unterschiedliche Entfernungen möglichst ins Gold versenden muss.

Ziele sieht Mario Oehme in seinem Sport noch viele. Beim SV Integra Gera e.V. (65 Mitglieder) trainiert er neben Erwachsenen auch mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Bogensportdisziplinen. Aktuell widmet er sich u.a. der DM-Vorbereitung von Johannes Fuhrmeister. Der Vizelandesmeister über die FITA-Runde qualifizierte sich in der U14 zu den Deutschen Titelkämpfen, die am 15./16. September stattfinden. Und dem traut er als Hoffnungsträger für Gera noch eine Menge zu. Für die noch jüngeren Bogensportler gibt es am 2. September ein Turnier in Erfurt. Da sollten die Geraer dabei sein.

Zum Training trifft man sich im Gelände des ehemals Langenberger Sommerbads über das Sommerhalbjahr (noch bis Oktober) jeweils dienstags und freitags von 15 bis 18 Uhr; auch in den Sommerferien. Dann wieder in der Geraer Sporthalle an der Vollersdorfer Straße.
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