Gera unter Wasser. Erstmals Schwimmunterricht im Hofwiesenbad nach dem Hochwasser

Ein fantastischer Köpfer und ab geht's auf die 50-Meter-Bahn.
      Gera: Hofwiesenbad | Wer von euch kann denn schwimmen? Viele Arme gehen nach oben. Und wer kann schon richtig gut schwimmen? Ein paar Arme weniger. So werden die Schüler in Gruppen eingeteilt. Schließlich soll keiner überfordert werden. Heute steht erst mal Wassergewöhnung auf dem Plan. Zuerst nur mit den Beinen strampeln. Dann geht’s komplett ins Wasser. Und wer sich traut, steckt auch mal die Nase unter Wasser. Mit mehr oder weniger Hilfe werden erste Bahnen per Brustschwimmen gezogen. Köpfer mischen sich mit Kerzen bei zugehaltener Nase.

Gera unter Wasser. Bei diesem Stichwort denken viele an nichts Gutes. Aber heute ist das ein positives Schlagwort. Lang genug hat es gedauert, bis das beim Hochwasser im Juni überflutete Hofwiesenbad nach Beseitigung der Schäden am Heiligabend wieder eröffnet wurde.

Mit dem Schwimmunterricht hat man sich nach der Wiedereröffnung noch Zeit gelassen. Pünktlich zum Start des Schulhalbjahres ziehen jetzt die Drittklässler wieder ihre Bahnen beziehungsweise lernen es erst mal. „Mit dem Start des Schulschwimmens zieht ein weiteres Stück Normalität wieder ein“, erklärte Geras Sozialdezernentin Sandra Schöneich beim Pressegespräch im Hofwiesenbad. Lehrplanziel sei es, dass die Schülerinnen und Schüler die grundlegende und gegebenenfalls lebensrettende Fähigkeit für sicheres und ausdauerndes Schwimmen in einer Schwimmart erwerben.

Christina Köhler, Referentin für Grundschulen im Schulamt Ostthüringen, freut sich, dass der Lehrplan flexibel genug ist. So stellt es kein Problem dar, dass erst jetzt mit dem Schwimmunterricht begonnen werden kann. 616 Drittklässler aus Gera, 284 Grundschüler aus den Schulen in Rückersdorf, Kraftsdorf, Wünschendorf, Bad Köstritz, Frießnitz, Münchenbernsdorf, Brahmenau und Weida, achtzig Förderschüler, einhundert Schüler der Gymnasien und der Integrierten Gesamtschule sowie rund zweihundert Siebtklässler nutzen jetzt wieder das Hofwiesenbad für den Schwimmunterricht.

Oberstes Ziel des Schwimmunterrichts sei das Erlernen der Schwimmfähigkeit, erklärt Jana Förster, die damit 15 Minuten Brustschwimmen meint. Im thüringenweiten Vergleich liegt Gera beim Erreichen dieses Ziels auf Platz zwei. „Und dennoch schafft das nicht jeder Schüler“, weiß die Schwimmlehrerin. „Für die Schüler, bei denen absehbar ist, dass sie das Lernziel innerhalb der regulären Schwimmstunden nicht erreichen, empfehlen wir kostenlosen Schwimmförderunterricht als zusätzliches Lernmittel in Anspruch zu nehmen“, so die Sozialdezernentin. Die Kinder werden gezielt dazu eingeladen und die Eltern können entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. Dies geschieht freiwillig und kostenlos, meistens am Nachmittag in Verantwortung der Eltern. Bei manchen Kindern reichen sechs bis acht Wochen zusätzlicher Unterricht, andere nehmen dieses Angebot das ganze Schuljahr über in Anspruch.

Rückblick

4. Juni 2013:

Hofwiesenbad auf unbestimmte Zeit geschlossen

Im Keller des Hofwiesenbades stehen derzeit noch zwei Meter Wasser. Somit bleibt das Bad geschlossen und es kann im Moment weder der Schaden noch der Zeitpunkt abgeschätzt werden, wann das Bad wieder geöffnet wird.

30. August 2013:

Arbeiten in Geras Hofwiesenbad laufen auf Hochtouren

Fertigstellung bis Jahresende geplant – Firmen arbeiten schon während der Trocknungsphase

Wann öffnet das Hofwiesenbad endlich wieder? Diese Frage begleitet Bad-Leiter Michael Kohl, wo immer er sich aufhält. Er selbst würde natürlich auch viel lieber das Bad leiten als auf einer Baustelle zu arbeiten. „Wir haben vom ersten Tag an alles Mögliche unternommen, um Folge-Schäden zu verhindern und eingetretene zu beseitigen“, versichert Ralf Schwab vom technischen Betriebsführer OTWA Ostthüringer Wasser und Abwasser GmbH. Das bestätigen auch „Elstertal“-Infraprojekt-Geschäftsführerin Martina Schramm und OTWA-Geschäftsführer Gerald Fiß, die das Hofwiesenbad zur Chefsache erklärt haben. Sie treffen sich wöchentlich mit dem Fachdienstleiter Liegenschaften der Stadt, Michael Max, zuständig für Auftragserteilung und Abrechnung.
Martina Schramm und die verantwortlichen Mitarbeiter der „Elstertal“-Infraprojekt unterstützen die OTWA und die Stadt so gut es geht. „Wir wissen, wie gefragt das Bad bei Groß und Klein und wie wichtig es insbesondere für die Schulen und den Schwimmverein Gera e.V. ist. Deshalb tun wir alles Mögliche, um es schnellstmöglich wieder nutzbar zu machen“, so Martina Schramm. Ein Lob gibt es von den beiden Geschäftsführern für die Helvetia-Versicherung, die den Hauptanteil der vier Versicherer trägt. „Die hervorragende Zusammenarbeit mit der Versicherung ist für uns ein Glücksfall“, so Gerald Fiß. „Von Beginn an erfolgte die Abwicklung schnell und unbürokratisch.“

Dass es überhaupt zu derart hohen Schäden kommen konnte, lag an der Überflutung der Trafostation vor dem Bad und dem damit verbundenen Stromausfall. Das Wasser konnte ohne Strom nicht mehr abgepumpt werden, überflutete die technischen Anlagen und machte die gesamte Badtechnik in den Kellerräumen funktionsunfähig. Nach dem Rückgang des Wassers mussten zuerst Notstromaggregate herbeigeschafft werden, um das Wasser abzupumpen und danach Schritt für Schritt eine Notstromversorgung mit Unterverteilern für verschiedene Bereiche des Bades aufzubauen. Danach kamen mehr als 50 Trockner zum Einsatz, die seitdem durchgehend arbeiten, denn die Versicherung fordert eine 100-prozentige Trocknung der Mauern. Doch auch während der Trocknungsphase wird schon fleißig gearbeitet. Es werden ca. 30 Firmen im Einsatz sein.

Die gesamten Kellerräume waren überschwemmt. Gegenwärtig wird dort der Putz entfernt, bereits trockene Räume werden neu geputzt und anschließend gemalert. Wenn alle Räume getrocknet und mit neuem Putz versehen sind, können die Elektroleitungen verlegt werden. Dabei handelt es sich nicht um 50 oder 100 m Leitung, sondern um mehrere Kilometer. Ein entscheidender Schritt wird die nachfolgende Inbetriebnahme der Niederspannungsanlage sein, denn erst dann kann die Lüftungsanlage für die Schwimmhalle in Betrieb gehen. Außerdem können dann weitere Schäden, etwa am Kassensystem, ermittelt werden.

Allein die fehlende Lüftung der Halle beispielsweise ist ein Problem, das Fachleuten wie Ralf Schwab von der OTWA und Badleiter Michael Kohl große Sorgen bereitet. Für den Laien nicht sofort überschaubar, hat die fehlende Lüftung große Auswirkungen bis hin zu Gebäudeschäden. Das 50-m-Becken fasst 2000 Kubikmeter Wasser und hat eine riesige Verdunstungsoberfläche. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, das Wasser einfach abzulassen. Das würde aber mit Sicherheit dazu führen, dass die Fliesen im Becken, die ständig einem hohem Wasserdruck ausgesetzt sind, von den Wänden fallen würden. Das Wasser muss also bleiben und in einem Zustand gehalten werden, in dem Fäulnisbakterien keine Chance haben. Auch das ist ohne die entsprechende Technik nur mit viel Erfahrung und Improvisation möglich. Deshalb ist die Inbetriebnahme der Niederspannungsanlage mit dem Einbau und der Inbetriebnahme der Lüftungsanlage das wichtigste Nahziel.

Nicht zuletzt sind auch die Pflanzen mit der Situation im Bad unzufrieden. Sie frieren, denn sie sind durchgängig 28° C gewöhnt. Alle Versuche, sie zur Überbrückung unterzubringen, sind fehlgeschlagen. Jetzt hoffen die Badmitarbeiter, dass sich die Pflanzen an die neue Situation gewöhnen und später daran, dass es wieder warm ist. Doch das wird wohl noch einige Monate dauern. Alle arbeiten ambitioniert an einer Fertigstellung zum Jahresende. Die „Elstertal“-Infraprojekt und die OTWA werden die Leser über den Arbeitsfortschritt auf dem Laufenden halten.

21. Oktober 2013:

Sauna im Hofwiesenbad eröffnet voraussichtlich am 31. Oktober

Die Sauna im Hofwiesenbad wird voraussichtlich am 31. Oktober 2013 wiedereröffnet. Das erläuterte am 18. Oktober 2013 Gerald Fiß, Geschäftsführer der Ostthüringer Wasser und Abwasser GmbH (OTWA), bei der freitäglichen Bauberatung im Bad, in der die Wiederaufbauarbeiten nach dem Hochwasser vom Juni koordiniert werden. Die OTWA ist technischer Betriebsführer des Bades. Gerald Fiß bekräftigte im Gespräch mit Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn den Zeitplan, wonach die Sanierungs- und Reparaturarbeiten im Hofwiesenbad bis zum Jahresende abgeschlossen sein werden.

Bisher seien Aufträge im Volumen von 1,9 Millionen Euro ausgelöst worden. Für den Einsatz der Baugewerke ist ein detaillierter Ablaufplan erstellt worden. Im Keller musste bis auf 1,6 Meter Höhe der Putz abgehackt werden. „Die Trocknung der Räume ist das größte Problem. Das kostet uns mehr Aufwand und Zeit als erwartet“, erklärte der OTWA-Geschäftsführer. Allein für die Trockner betrage der Kostenaufwand 180.000 Euro. Hinzu kommen in gleicher Größenordnung Stromkosten. Für Reinigungsarbeiten im Dezember hat der Schwimmverein seine Unterstützung angeboten.

„Mit der Eröffnung der Sauna Ende Oktober zum verlängerten Wochenende wollen wir ein Zeichen setzen, dass es mit der Wiedereröffnung des Hofwiesenbades vorangeht“, betont Gerald Fiß. Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn bedankte sich bei der Bauberatung für das Engagement bei der Beseitigung der Hochwasserschäden.

17. Dezember 2013:

„Badespaß am Heiligabend“ im Hofwiesenbad Gera

Als besondere Weihnachtsüberraschung für Geras Kinder lädt das Hofwiesenbad Gera, das nach der Beseitigung der Hochwasserschäden ab dem 24. Dezember 2013 wieder allen Gästen zur Verfügung steht, zur traditionellen Veranstaltung „Badespaß am Heiligabend“ ein. Am Dienstag, 24. Dezember, erwartet die Besucher von 9 bis 13 Uhr ein vorweihnachtlicher Badespaß mit vielen Spielen, kleinen Wettkämpfen und lustigen Mitmachangeboten. Natürlich hält das Hofwiesenbad-Team für alle kleinen und großen „Wasserratten“ auch wieder tolle Überraschungen bereit. Wer Lust hat, kann sogar mit den Kanuten des TSV 1880 Gera - Zwötzen einige Runden mit einem Kanu im Schwimmbecken des Sportbades „drehen“. Als besonderes Geschenk des Hofwiesenbades erhalten die ersten 50 Kinder freien Eintritt. Auch der Weihnachtsmann hat sich wieder angekündigt. Er verteilt an die jüngsten Gäste kleine Geschenke und jeder 24. Badegast erhält eine kleine Überraschung.

Mehr zum Thema Hochwasser, den Folgen und wie die Schäden behoben wurden:

http://www.meinanzeiger.de/gruppen/hochwasser-155....
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8 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 26.02.2014 | 06:35  
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Antje Hellmann aus Jena | 26.02.2014 | 10:03  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.02.2014 | 13:35  
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Renate Jung aus Erfurt | 26.02.2014 | 18:15  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 26.02.2014 | 19:01  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.02.2014 | 00:32  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 27.02.2014 | 21:53  
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