Geraer Kanuten leiden immer noch unter den Hochwasserfolgen und fahren trotzdem zur Deutschen Meisterschaft

Noch ein letztes Training auf der Weißen Elster und dann geht’s auch für Börge Mehlhorn zur Deutschen Meisterschaft.
 
Eric Sörensen (von links), Pauline Jacobshagen, Stella Mehlhorn, Axel Präßler und Börge Mehlhorn starten bei der Deutschen Meisterschaft.
Gera: TSV 1880 Gera-Zwötzen |

Wer wird es aufs Treppchen schaffen? Ab morgen ist Gera mit fünf Kanuten bei der Deutschen Meisterschaft im Kanuslalom Jugend/Junioren und Leistungsklasse vertreten. Eric Sörensen, Axel Präßler, Börge und Stella Mehlhorn und Pauline Jacobshagen gehen auf dem ehemaligen Olympiakanal in Augsburg an den Start. Als Favorit für das Finale handelt Trainer Ingo Franke Stella und Axel. Stella Mehlhorn holte sich vor zwei Jahren den Schülermeistertitel. Axel Präßler ist ebenfalls im Finale der Schüler gefahren.

Neben der Einzelwertung starten die beiden Mädels gemeinsam mit einer Jenaerin als Renngemeinschaft Thüringen. „Da ist Teamgeist gefragt“, so der Trainer. Obwohl das Ergebnis schwer vorhersagbar sei, setzt er dennoch auf einen Medaillenplatz. Davon geht der zweite Trainer, Manfred Richter, auch bei der Renngemeinschaft der Jungs aus.

Dass die Geraer so erfolgreich sein können, mutet bei den aktuellen Trainingsbedingungen wie ein Wunder an. Montags, mittwochs und freitags trainieren die Kanuten auf der Weißen Elster. Die Kanuten sind wohl die Einzigen, die sich über den starken Regen der vergangenen Tage freuen. Beim Hochwasser im vergangenen Jahr wurde das Wehr in Zwötzen einfach weggespült. Das bedeutet einen geringeren Wasserstand auf der Trainingsstrecke. „Die Weiße Elster ist seitdem nur noch ein Plätscherwasser“, so Franke, der sich freut, dass es in den letzten Tagen wie aus Kannen geschüttet hat.

Abhilfe schaffen da nur kosten- und zeitaufwändige Fahrten zum Wildwasserkanal Markleeberg. „Vor der Meisterschaft haben wir jede Woche dort trainiert. Oder wir fahren gleich fürs gesamte Wochenende ins Trainingslager nach Prag“, so Ingo Franke.

Die schlechten Voraussetzungen bezüglich des vorhandenen Wassers sind nur die eine Seite der Medaille. Die Bedingungen an Land gestalten sich nicht viel besser. „Beim Hochwasser im vergangenen Jahr konnten wir unsere Boote retten. Das war’s!“, blickt Franke zurück. Seitdem haben die Kanuten - organisiert als Abteilung innerhalb des TSV 1880 Gera-Zwötzen - keine Umkleideräume, keine Sanitärräume, keinen Kraftraum, keinen Aufenthaltsraum, kein Büro mehr. Das Bootshaus unterhalb der Turnhalle am Karl-Harnisch-Stadion stand damals komplett unter Wasser und wurde daraufhin gesperrt. Es ist immer noch gesperrt. Ob es jemals wieder genutzt werden kann, steht in den Sternen.

Die Kanuten hausen seit über einem Jahr wie die Vagabunden an der Weißen Elster. Ein kleiner selbst besorgter Bauwagen wird von den Mädels als Umkleide genutzt, die Jungs haben nebenan einen Container. Duschen? Fehlanzeige! Als Büro und Aufenthaltsraum muss eine sogenannte Raufe herhalten. Strom gibt es nicht. An eine Heizung ist nicht zu denken. Nur mal so nebenbei bemerkt: Die Kanuten trainieren auch im Winter auf dem Wasser! Und dann machen sich auch noch Vandalen daran, die Stahlseile für die Stangen im Wasser zu kappen.

Es grenzt an ein Wunder, dass die beiden Trainer gemeinsam mit ihren Schützlingen noch nicht aufgegeben haben und dass die Kanuten immer noch Leistung bringen. Sollten sich die Voraussetzungen perspektivisch nicht verbessern, sieht Ingo Franke schwarz, dass Gera im nationalen und internationalen Kanusport künftig noch eine Rolle spielen wird.
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