Im Porträt: Jana Maisel - Was sie mit Steffi Graf, Dirk Nowitzi und Co. gemeinsam hat

Jana Maisel als amtierende Weltmeisterin von 2011 (Foto: privat (2011))
 
Jana Maisel in Berlin kurz nach der Auszeichnung mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“. (Foto: privat (2012))
 
Diese 8 Sportler der deutschen Nationalmannschaft im Castingsport (Turnierangeln), wurden in Berlin jeweils mit dem "Silbernen Lorbeerblatt" ausgezeichnet. Jana Maisel steht als Dritte von links neben ihrer WM-Wunschpartnerin Sabrina Dürrwald, mit der sie Ende August in Tallin erneut Weltmeisterin werden möchte. (Foto: privat (2012))
Die Rekordweltmeisterin im Casting "angelte" nach der höchsten staatlichen Auszeichnung für Sportler: Sie erhielt das „Silberne Lorbeerblatt“. /

Am Dienstag, den 12. Juni 2012 gab es für die Geraer Grundschullehrerin Jana Maisel ausnahmsweise einen Tag schulfrei. Ihre Reise sollte sie auf Einladung des Bundespräsidenten Joachim Gauck nach Berlin führen. Denn bereits 67 Mal hat die Castingsportlerin (sprich: Turnieranglerin) seit rund 40 Jahren ihre „Missionen Gold“ auf den Punkt genau erfolgreich zu Welt- und 42 Mal zu Europameister-Titeln geführt. Damit wurde sie weltweit zu einer Legende, über die sogar schon das "Guinessbuch der Rekorde" berichtete.

Nun also Treffpunkt Hotel Kempinski am Kurfürstendamm: Kurz vor 13 Uhr war es gewiss. Die Geraerin hielt in Anerkennung ihrer einmaligen sportlichen Laufbahn und anhaltender aktueller Erfolge das „Silberne Lorbeerblatt“ mit Schleife und als Pin in den Händen. Das ist nach dem Artikel 58 des Grundgesetzes die höchste staatliche Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen in Deutschland. In Vertretung des Bundespräsidenten, der die Urkunde dazu unterschrieben hat, überreichte der Bundesminister des Inneren Dr. Hans-Peter Friedrich ihr und weiteren herausragenden Sportlern die Trophäen.

„Er erkundigte sich nach den Ergebnissen von 2011. Dazu gehörten noch ’mal sechs Weltmeistertitel. Dafür wollte der Innenminister dann gern ein spezielles Foto haben.“, erklärte eine überglückliche Jana Maisel am Abend ihrer Rückkehr zur Zeremonie. Dabei ist sie wohl fast schon erfolgsverwöhnt; aber in einer erstaunlichen Balance mit Erfolgshunger.

Es war statistisch ihr "Silbernes Lorbeerblatt" Nummer 2 nach dem von 1996. Damals schloss sie zum Empfang bei Bundespräsident Roman Herzog erstmals Bekanntschaft mit dieser Anerkennung von Staats wegen für Athleten auch aus nichtolympischen Sportarten und für Sieger Paralympischer bzw. Deaflympischer Spiele (Handycap-Sportler), die sonst nicht so sehr im Rampenlicht stehen.
Nun beobachtete sie noch mehr die Aufzählung anderer Athleten und deren Disziplinen: 128 wurden nach Berlin gerufen; darunter waren Tänzer, Moderne Fünfkämpfer, Eisstockschützen, Kunstradfahrer, Drachenflieger, Voltigierer... und eben auch 3 Damen und 5 Herren von ihrem seit Kinderzeiten geliebten Turnierangeln.

Die Weltrekordlerin der Weltmeisterinnen wirft seit 1969 ihre Sportangeln aus. Noch immer kann kaum eine Konkurrentin an ihr vorbei. Damals war sie sechs Jahre alt. Ihre viel beschäftigten Eltern - Mutter Hanna 13fache Weltmeisterin im Casting, Vater Auswahltrainer - ließen ihr Küken gewähren. Und Jana ließ trotz Spartakiade-Erfolgen das Rollschnell-Laufen (heute Speedskating) und Turnen sausen. Damals gab es noch ganze Trainingsgruppen im Turnierangeln Geras.
Für Jung-Janas Talent wurden extra Ausnahmen geregelt. Denn mit elf Jahren startete sie bereits in der Eliteklasse. Mit 13 eroberte sie ihren ersten von gut 150 nationalen Meistertiteln. Wer weiß, wo ihre Bestmarken lägen, wenn die DDR-Regierung von 1975 bis 1988 sportpolitisch Starts der DAV-Sportler bei Europa- und Welttitelkämpfen nicht untersagt hätte?
Die Maisels als Sportfamilie sind eine Macht. Zumal Jana sich Casting-Mann Wolfgang als Gatten „angelte“, und der immer noch ihr kritischer Trainer ist. Sie kann sehr gelassen von ihrer Laufbahn als quasi Fünf- und Siebenkämpferin oder vom aktuellen Saisonaufbau reden: 2001 in Akita /Japan und 2005 in Duisburg krönte sie ihre Karriere vorläufig mit Goldmedaillen bei den World Games (praktisch einer Olympiade der nichtolympischen Sportarten). Und es gibt sogar eine Angelruten-Serie, die ganz dekorativ Janas Namen trägt.

Die Castingsportler stehen derzeit in der heißesten Phase ihres Wettstreits um die WM-Tickets. Jana Maisel konnte 2012 bisher alle drei Qualifikationsturniere in Halle, Bad Kreuznach und zuletzt in Iffezheim im Mehrkampf für sich entscheiden. Sie triumphierte im Mai beim ersten Weltcup des Jahres in Lenzing (Österreich); wenn auch ziemlich knapp vor Verena Opitz (Deutschland) und der Tschechin Tereza Havelkova. Routine hilft ihr freilich. Doch im Selbstlauf gelingen solche Siege nicht! Und Jana wird nun so fair sein, trotz Streichwertregel (die sie mit ihren optimalen Ergebnissen nicht in Anspruch nimmt) in Köln nochmals zur Quali anzutreten: „Um das Gesamtresultat für die anderen Mitbewerberinnen nicht zu verzerren.“ Jene Verena Opitz oder vielleicht doch Sabrina Dürrwald werden sie Ende August 2012 nach Tallin /Estland zur Weltmeisterschaft begleiten. Die Nummer 2 der deutschen Rangliste wird ihre Partnerin im Mannschaftswettkampf, sein und das soll möglichst gut harmonieren. WM-Gold Nummer 70 wäre durchaus drin, erklärt Jana Maisel mit aufgefrischtem alten Ehrgeiz.

Gleich am Mittwoch wollte sie nun ihren neuen Orden mit in die Bieblacher Schule nehmen. „Die Kinder möchten das ‚Silberne Lorbeerblatt’ doch sehen, weshalb ich (entschuldigt) gefehlt habe.“ Jana hat schon sehr viele Auszeichnungen erhalten. In ihrer Heimatstadt zum Beispiel 2010 einen der ersten "Geraer Sportpreise" für die sportliche Spitzenleistung. Aber in einer Liste genannt zu werden mit Stars, die in aller Welt berühmt sind, das ist nun doch noch einmal eine besondere Ehre, über die man voller Stolz reden kann. In den Annalen zum "Silbernen Lorbeerblatt" stehen zum Beispiel: Franz Beckenbauer, Dirk Nowitzki, Sebastian Vettel, Stefanie Graf, Fabian Hambüchen, Jens Weißflog und die WM-Fußballnationalmannschaft von 2010...

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aus offiziellen Bekanntmachungen des Bundespräsidialamtes zur Auszeichnungsordnung:

Die Stiftung des Silbernen Lorbeerblattes

Am 23. Juni 1950 stiftete Bundespräsident Theodor Heuss das Silberne Lorbeerblatt. Seither verleiht der jeweils amtierende Bundespräsident die Auszeichnung an verdiente Sportlerinnen und Sportler.
Als erster Sportler bekam der Springreiter Fritz Thiedemann und als erste Sportlerin die Tennisspielerin Inge Pohmann das Silberne Lorbeerblatt im Juni bzw. Juli 1950 von Theodor Heuss überreicht.
Im Jahr 1964 wurde das Silberne Lorbeerblatt durch einen Erlass des Bundespräsidenten auf eine rechtliche Grundlage gestellt und ist seither auch als Ehrenzeichen im Sinne des Gesetzes über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 geschützt.

Gleichstellung von behinderten und nicht behinderten Sportlern

Am 23. Juni 1993 zeichnete Bundespräsident Richard von Weizsäcker erstmals in einer gemeinsamen Verleihungsveranstaltung behinderte und nichtbehinderte Sportlerinnen und Sportler, und zwar die Medaillengewinner der Olympischen Spiele und der Paralympics 1992 von Barcelona, mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus. Er betonte, dass ihnen „als Spitzensportlern die Gleichstellung mit den anderen gebührt.“ In Fortführung dieses Gedankens werden seit 2002 neben den Medaillengewinnern der Olympischen und Paralympischen Spiele auch die Medaillengewinner der Weltspiele der Gehörlosen mit dem "Silbernen Lorbeerblatt" ausgezeichnet.
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4 Kommentare
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Jana Maisel aus Gera | 03.07.2012 | 14:17  
1.705
Thomas Triemner aus Gera | 05.07.2012 | 01:32  
7
Jana Maisel aus Gera | 12.07.2012 | 17:06  
1.705
Thomas Triemner aus Gera | 12.07.2012 | 17:14  
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