Kein Mittelaltermarktgetöse. Fechtschule der Klopffechter auf der Ordensburg Liebstedt soll Tradition werden

 
Einer der beiden Lehrmeister: Konrad Kessler (links)
Weiter geht es im Unterricht mit dem Meisterhau. Die meisten der im Kreisrund stehenden Teilnehmer wissen, wovon Martin Wessel spricht. Geradlinige und kurze Bewegungen sind notwendig. Geradlinig nach vorn gehen. Und erst dann wird entschieden, welcher Hau gemacht wird. Wessel führt vor, wie das Ziehen am Knauf des Schwertes dessen Vorwärtsbewegung beschleunigt. Mit dem zur Seite versetzten Schritt entzieht er sich der Klinge des Gegners. Die Gruppe um ihn probiert’s. Anschließend folgen die unterschiedlichen Varianten. Der Zornhau beispielsweise ist ein Standardangriff, den man am häufigsten sieht. Was folgt nach dem Angriff? Der Abzug. „Besonders bei der Rückwärtsbewegung ist die Gefahr groß, nochmals vom Gegner getroffenen zu werden“, erklärt Wessel und zeigt verschiedene Möglichkeiten. Die Fechtschule der Klopffechter inmitten der historischen Mauern der Ordensburg Liebstedt ist in vollem Gang. Über drei Tage geben Workshops, freies Training und Diskussionen die Möglichkeit, das Verständnis des historischen Fechtens mit Schwert und Dolch weiterzuentwickeln und mit Gleichgesinnten und erfahrenen Trainern in Kontakt zu treten. Das Turnier simuliert das Fechten mit dem historischen Langschwert in einem brüderlichen Duell-Wettkampf des 15. Jahrhunderts.

„Der Ansatz für das Sportfechten gemeinsam mit Martin Wessel entstand in den späten 1990er Jahren. Das war die Zeit, als die Mittelaltermärkte wie Pilze aus dem Boden schossen. Wir haben uns auch an den Schaukämpfen beteiligt. Aber es dauerte nicht lang, bis wir feststellen mussten, dass dies nicht unserem Anspruch gerecht wird“, erläutert Konrad Kessler, der zweite Lehrmeister an diesem Wochenende auf der Ordensburg. Erst auf Bornholm in Dänemark haben die beiden um die Jahrtausendwende Veranstaltungen gefunden, die auch einem Bildungsanspruch gerecht wurden.

Wessel und Kessler vermitteln die Kampfkunst gepaart mit dem Schaukampfaspekt als fakultativen Hochschulsport in Jena und Leipzig. Weitere Gruppen gibt es unter anderem in Rostock und Berlin. Dabei legen sie nicht nur großen Wert auf die Wiederbelebung der historischen Kampfkunst, sondern erheben auch Anspruch auf das historische Ambiente für den Zeitraum zwischen 1380 bis 1450. Gekämpft wird in Kleidung, die dieser Epoche entspricht.

Die erstmals auf der Ordensburg Liebstedt stattgefundene Fechtschule ist in dem Sinn keine öffentliche Veranstaltung, dass sich jedermann zur Teilnahme anmelden konnte. Sämtliche Teilnehmer sind den beiden Lehrmeistern bekannt. Aber sie war öffentlich in dem Sinn, dass jeder Interessent zuschauen konnte. Und wie eher zufällige Beobachter bestätigten, hat diese Fechtschule nichts mit dem Getöse auf Mittelaltermärkten zu tun. „Wir treffen uns, um unsere Kräfte zu messen und führen dabei die Aspekte der historischen Kampfkunst mit dem der bewussten Schaukämpfe zusammen. Und ganz nebenbei führen wir die an unterschiedlichen Orten trainierenden Gruppen zusammen“, fügt Kessler an, der an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena fakultativ 25 Studenten Klopffechten lehrt. „Die Teilnehmer zeigen sich begeistert von der Verbindung des sportlichen mit dem historischen Aspekt“, resümiert Martin Wessel, der auch die Meinung vertritt, dass die Fechtschule auf der Ordensburg zur Tradition werden sollte.

Mehr Informationen sind auf www.kunst-des-fechtens.de zu finden.

Mehr über eine der Teilnehmerinnen ist hier zu erfahren:

http://www.meinanzeiger.de/gera/sport/josie-hase-l...
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Renate Jung aus Erfurt | 18.06.2013 | 23:16  
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Antje Hellmann aus Jena | 19.06.2013 | 08:49  
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Steffen Weiß aus Gera | 19.06.2013 | 08:54  
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D D aus Jena | 01.07.2013 | 12:11  
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