Paralympics 2012 & Thüringer Kandidaten: Mario Oehme, Bogensport

Bogensportler und Trainer Mario Oehme: Volle Konzentration beim Training im Langenberger Vereinsgelände des SV Integra.
 
Zur gezielten Olympia-Vorbereitung gehören technische Erneuerungen. Mario Oehme erhält dabei Sponsorenhilfe u.a. von einem Weimarer Sanitätshaus.
Die Paralympics von London 2012 könnten schon seine vierten werden. Und als zweifacher Sieger bleibt laut olympischer Sprachregelung der Ruhm beständig. Bogensportler Mario Oehme hat sich das mit seinen Goldplaketten von 1996 und 2004 verdient. Aber weiter geht's für den Chef des SV Integra, der inzwischen in Posterstein, einem Dorf zwischen Gera und Schmölln, wohnt. Auch von ihm und über ihn erfährt man mehr auf seiner persönlichen Homepage: www.meisteryi.de.

Aktuell: 2012 wurde er mit dem Recurvebogen Deutscher Vizemeister in der Halle.
Aber die Ergebnisse auf den kürzeren Distanzen unterm Dach zählen für ihn noch nicht entscheidend mit zur namentlichen Nominierung für London. Aktuelleres folgt in Kürze. Denn die Handycap-Sportler müssen bereits im Frühjahr für diese Vorentscheidung sorgen.

In 2011 konnte ich für AA nach einer längeren Recherche zu seinem allgemeinen Interesse an Wettkämpfen im Bogenschießen auf der Insel folgendes als Artikel aufbereiten:

*** Präzise Pfeile ins Gold für London 2012 versendet ***
Bogensportler Mario Oehme eroberte in Stoke Mandeville einen Quotenplatz ***

Bogenschütze Mario Oehme ist doch noch versöhnt mit dieser Freiluftsaison. Er zielte übers Jahr auf die Qualifikation zu den Paralympischen Spielen 2012 in London. Und praktisch mit dem letzten seiner Ranglistenturniere eroberte er nach ungewissen Monaten doch noch den Quotenplatz. Obendrein an historischer Stätte im englischen Stoke Mandeville. Dort startete er zuletzt fast jährlich und konnte sich bei aller Anspannung mit der Geschichte des dortigen Hospitals (Krankenhauses) bekannt machen.

Doch erst die Fakten: Für 180 Starter aus 20 Nationen wurden diesmal Scheiben aufgebaut. Statistisch standen die Chancen in Oehmes Wettkampfklasse der Rollstuhlfahrer gut. Kräftiger Wind machte aber vieles unberechenbarer
und einige Pfeile zu Spielgeräten des Wettergotts. Außerdem hatte der zweifache Sieger bei Paralympics (1996/2004) nach einer heftigen Panne mit seinem eigentlich erneuerten Bogen nach dem vielleicht letzten Ausweg gesucht: Kauf und eilige Anpassung eines Neuen mit Holz-Karbon-Wurfarmen. Das amerikanische Fabrikat hatte er 2010 schon zur Deutschen Meisterschaft gesehen. Zum Weltranglistenturnier in Antalya schossen auch Nichtbehinderte damit. Eine bessere Beschleunigungskraft und die zum ihm passende Geometrie bestärkten ihn im dringenden Wunsch aufzurüsten. In über Jahre bewährter Weise kam ihm nochmals das Weimarer Sanitätshaus Hochheim als Sponsor zu Hilfe.

Der Ostthüringer wickelte seine Sehne goldfarben selbst; einer seiner kleinen Psychotricks zum Wohlfühlen; wie auch der Anbau seiner alten gelb-schwarzen Griffschale. Es hat offenbar gewirkt und gepasst. Denn mit großer Genugtuung registrierte er Platz 2 nach dem Finalschießen; auch wenn die Ringzahl witterungsbedingt nicht seinen Ansprüchen genügte. In den Platzierungsduellen drang er bis ins Viertelfinale vor und bezwang u.a. einen Italiener, an dem er sich als Dauerrivalen orientierte. Das, nur das, war für Mario Oehme maßgebend. Die olympische 70-Meter-Distanz hat er wieder im Griff. Wie genau aber die Organisatoren die Auswertung nahmen, bewies sich im Ausschießen der gesamten Rangfolge. Es könnte ja ein Qualifizierter 2012 ausfallen und die Frage nach Nachrückern aufkommen.

Wenn nun für den Geraer gesundheitlich nichts dazwischen kommt, sieht er in London erneut die Spiele. Das gelang (leider) nur vier Deutschen in diesem Sport überhaupt. Dabei weiß Oehme auch die Aufnahme in die Thüringer Sporthilfe zu schätzen, plaudert er jetzt deutlich gelöster weiter.

Stoke Mandeville hat für den ehemaligen Bergmann als Behindertensportler eine besondere Anziehungskraft. Im Hinterkopf schwingt Historie mit. Dort nahm der aus Breslau emigrierte deutsche Neurochirurg Dr. Ludwig Guttmann 1944 von der britischen Regierung den Auftrag an, ein nationales Zentrum für die Behandlung von Querschnittsgelähmten aufzubauen. Zu seinen Therapien gehörte gerade das Fördern sportlicher Betätigung. Ab 1948 initiierte der Arzt die „Stoke Mandeville Wheelchair Games“ für Rollis. Aus dieser Idee gingen ab Rom 1960 eben die Paralympics hervor, und Bogenschießen war immer dabei. Dieser Sport war auch für Mario Oehme nach seinem schicksalhaften Unfall 1989 zuerst eine motivierende und stärkende Therapie für die Rückkehr in ein erfüllteres Leben.

Alltag heißt nun wieder pro Tag rund 200, 300 Pfeile zum Training sauberer Abläufe zu versenden, auf dem Vereinsplatz in Langenberg oder auf seinem Hof. Die Weltranglisten-Turniere von 2012 liegen wohl alle etwas früher im Terminkalender. Denn dann ruft London.
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