Persönliche Entwicklung garantiert: Tapfar lehrt historische, europäische Kampf- und Fechtkunst in Jena und Erfurt

Andreas Jacob zeigt einen sogenannten Twerhau. Der wird in den Fechtbüchern als einer der fünf Meisterhaue beschrieben. Mit ihm kann man einen Angriff abwehren (in der Fachsprache versetzen genannt) und im selben Moment den Gegner treffen.
 
Neben dem Fechten mit dem Langen Schwert wird bei Tapfar auch der Umgang mit dem Langen Messer, Dolch, dem Rapier und Stangenwaffen gelehrt.
Kaum mit dem Schwert den Raum betreten, werden sie inmitten zum Kreis abgelegt. Die Gruppe läuft drum herum. Vorwärts. Rückwärts. Die Arme kreisend. Die Knie anhebend. Im Stand wird in der Hocke gekreist. Schulterlockern. Alles eher unspektakulär. Minuten später endlich eine Aufwärmungsübung, die eine Vorahnung erlaubt, um was es geht: Mit dem Schwert in der Hand wird ein Ausfallschritt nach vorne gemacht – so, als ob es gleich zum Angriff übergeht um den Gegner zu bezwingen.

Aber es geht ohne Gegner weiter, auch nach der Aufwärmung. „Aus dem Oberhau nach vorne. Eins. Zwei. Drei“, weist Trainer Andreas Jacob an. Den Hauübungen ohne Partner folgen Hutübungen. Letzteres hat nichts mit einem Hut auf dem Kopf zu tun. Vielmehr ist gemeint, vor dem Angriff des Gegners auf der Hut zu sein. Jacob achtet bei seinen Schülern penibel auf Körperhaltung und Bewegungsausführung und greift korrigierend ein.

Im weiteren Verlauf des Trainings wird deutlich, dass das alles hier überhaupt nichts mit dem Geschwarte, wie wir es vom Mittelaltermarkt oder aus Kampfszenen in historischen Filmen kennen, zu tun hat. Hier rasseln keine Schwerter aufeinander. Warum sollten sie auch? Eine ganz einfache Logik verbietet das. Wie sollte ein Schwert wohl aussehen, wenn auf dessen Klinge mehrmals eingeschlagen wird?!

Andreas Jacob trainiert in Erfurt und Jena 85 Fechtschüler einmal wöchentlich, leistungsorientierte Schüler, die ihre Kampfkunst perfektionieren möchten, öfter. Ja, es geht um Kampf- und Fechtkunst. Nicht um das Mittelaltermarktgetöse. Eigentlich ist Jacob Sozialpädagoge und übt diesen Beruf mit der Spezialisierung Antiaggressionstrainer und Therapeut aus. Allein das macht schon seinen Anspruch an die Kampf- und Fechtkunst deutlich: Sein Unterricht mit dem Schwert in der Hand ist auf Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet.

Für den 51-Jährigen war es ein langer Weg bis zur Gründung der eigenen Kampf- und Fechtschule namens Tapfar. Kampfkunst interessiert ihn seit der Jugend. Mehrere hat er autodidaktisch erlernt, hat es bis zum Karatetrainer geschafft. Eine besondere Schule auf dem Weg bis zu Tapfar war das Erlernen von Kendo. Auf den Techniken und Taktiken des japanischen Schwertkampfes der Samurai aufbauend, steht vor allem die geistige Ausbildung des Schülers im Vordergrund. Gekämpft wird mit einem Bambusschwert.

Mit dem Beherrschen der geschmeidigen asiatischen Bewegungen beim Kendo sieht Jacob das Mittelaltergeschlachte nur noch als groben Mist, für das er nur Verachtung empfinden kann. Wie allerdings mit den historischen europäischen Waffen richtig gekämpft wird, weiß er immer noch nicht. Tschechische und slowakische Freunde helfen ihm auf die Sprünge. „Die Tschechen haben immer etwas von einer Deutschen Schule erzählt. Ich habe mich dann intensiv damit beschäftigt“, blickt Jacob zurück. Letztlich überzeugt haben ihn die Seminare des slowakischen Fechtmeisters Peter Koza. Der von ihm in der ehemaligen Tschechoslowakei gegründete internationale Fechtschulverband „Magisterium“ ist mittlerweile auch in Deutschland ansässig und lehrt die Fechtkunst des 14. - 17. Jahrhunderts.

In mehreren Jahren perfektioniert, gründet Andreas Jacob 2004 in Jena eine erste Übungsgruppe und 2011 die eigene Schule in Erfurt und Jena. „Die von mir gelehrte Bewegungskunst, die auf die persönliche Entwicklung ausgerichtet ist, ist mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander“, klärt er auf. Ästhetik und Präzision sind gleichermaßen gefordert, schließlich soll die Verletzungsgefahr minimal gehalten werden. Hauptsächlich lehrt Jacob den richtigen Umgang mit dem Langschwert. Ebenso kommt der Dussack, eine einhändig geführte Hieb- und Stichwaffe mit gekrümmter Schneide zum Einsatz – für das Training aus Holz. Ferner werden der korrekte Umgang mit dem langen Messer, dem Dolch, Stangenwaffen, Hellebarde, der Mordaxt, Schwert gemeinsam mit Schild und das Rapierfechten gelehrt.

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