Robert Wagner: „Ist ja krass!“ - Sich mit fremden Federn schmückt und anderer Leute Lorbeeren ernten oder wie man einen Deutscher Meister im Straßenradsport für sich vereinnahmt?

Robert Wagner, ehemals beim Team Wiesenhof-Felt, heute im Team Leopard-Trek und Deutscher Rad-Straßenmeister 2011
Gera. (27. Juni 2011). Die Vorhersage für das heutige Wetter von Ben Wettervogel im ZDF-Morgenmagazin klang viel versprechend. Es hätte ein wunderschöner Tag werden können, wäre da nicht die eine Überschrift in der „Ostthüringer Zeitung“ gewesen:

„Magdeburger Außenseiter, der einst in Erfurt ausgebildet wurde, sprintet zum deutschen Rad-Meistertitel“

Noch am späten Sonntagnachmittag klingelte bei mir das Handy. „Wagi ist Deutscher Meister“, so war es vom anderen Ende zu hören. Zwar knallte, nach der Info von Christian Magiera, nicht der Sektkorken, ich verspürte dennoch eine große Freude. Ich dachte: „Endlich hat er es geschafft. Einer, der es wirklich verdient hat.“ Höhen und Tiefen begleiteten seine Radsportkarriere. Immer wieder hat er sich durchgebissen, nicht aufgesteckt. Als man ihm im Thüringer Energie Team nicht wollte, war es Sylvia Haueisen, die ihn in ihr Team Milram holte. Was wäre wohl aus dem sympathischen Jungen geworden, der in Gera eine neue Heimat fand, hätte es Menschen wie sein Trainer Gerald Mortag oder Teammanagerin Sylvia Haueisen nicht gegeben. Auch Jens Heppner sah in ihm eine Hoffnung, nahm ihn in sein Team Wiesenhof Felt. Es folgten drei Jahre im Team Skil Shimano und im neuen Team Leopard - Trek nun der Durchbruch – deutscher Straßenmeister.

Und dann das: Robert Wagner in Siegerpose und dann etwas ungeheuerliches: in Erfurt ausgebildet von Jens Lang trainiert. Mit der Überschrift konfrontiert, platzte es bei Robert Wagner heraus: „Ist ja krass!“

Beim SSV Gera 1990 e.V. wird mit viel Aufmerksamkeit die Berichterstattung über die Differenzen zwischen dem Präsidium des Thüringer Radsport-Verbandes e.V. und Jens Lang verfolgt. Bisher haben wir diese Berichterstattung nur zur Kenntnis genommen, sind allerdings darüber verwundert, dass diese so einseitig ausfällt. So werden Artikel übernommen, die nur auf Erfurt fixiert sind.

Um es klar zu sagen, hätte sich Jens Lang mit seinen Auffassungen durchgesetzt, dann würde es wahrscheinlich den Radsport in Gera nicht mehr geben. Einer der erfolgreichsten Radsportvereine würde danach nur noch als Zulieferer für Erfurt gelten, heißt Ausbildung bis zum Schülerbereich.

Doch die heutige Berichterstattung über die Deutschen Straßenmeisterschaften haben das Fass zum überlaufen gebracht. Den Erfolg des neuen Deutschen Straßenmeisters Robert Wagner Erfurt und damit Jens Lang zuzusprechen, ist für uns ein Skandal. Robert Wagner sah einst sein sportliches Weiterkommen beim SSV Gera 1990, war selbst noch als Milram-Fahrer Vereinsmitglied, wechselte dann zum Förderkreis Radsport Gera e.V., dem er heute noch als Mitglied angehört. Sportlich betreut wurde Robert Wagner am Stützpunkt Gera, wo er auch wohnte, von Gerald Mortag. Robert Wagner war nie ein Erfurter ebenso wenig von Jens Lang „als aufstrebender Junior“ trainiert, noch jubelte er 2005 für das Thüringer Energie Team, was es damals noch nicht einmal gab – es war das TEAG Team Köstritzer mit Sitz in Gera und dem Trainer Gerald Mortag - über seinen Sieg auf der 9. und Abschlussetappe der 30. Internationalen Thüringen Rundfahrt der U23.

Ich selbst bedauere diese Art der Öffentlichkeitsarbeit, aber hier geht es ums „Eingemachte“, schlicht um Vereinsinteressen. Der SSV Gera 1990 hat, wie einst auch die SG Wismut, fast 40 Jahre DDR- und BRD-Radsportgeschichte geschrieben – eine Erfolgsbilanz, die wir uns so nicht kaputt schreiben lassen wollen und dürfen.

Dies gilt auch für die Erfolge des Team Köstritzer, des TEAG Team Köstritzer wie auch für das Thüringer Energie Team. Wir haben die sportliche Kompetenz eines Jens Lang nie in Frage gestellt, geben aber zu bedenken, dass ohne eine qualitativ hohe sportliche Ausbildung bis zum Juniorenbereich, eine erfolgreiche Weiterentwicklung im U23-Bereich nicht möglich war, ist und auch künftig sein wird.

Auch wir wissen, dass bei uns nicht der Radsport erfunden wurde, dennoch sind wir davon überzeugt, dass wir mit unserem sportlichen Know How wie auch unserer Kompetenz seitens der Trainerinnen und Trainer wesentlich mit dazu beigetragen haben, dass solche Sportler wie eben Robert Wagner, André Greipel, Eric Baumann, John Degenkolb, Robert Förstemann, René Enders, Marcel Barth und viele andere mehr heute national und international erfolgreich sind. Dabei vergessen wir nicht, dass auch viele von ihnen das Radsport-ABC in ihren Heimatvereinen erlernt haben, der SSV Gera für sie nur eine weitere Station auf dem Weg zur Spitze war.

Dies seien vorerst nur einige Gedanken zum heutigen Artikel in der „Ostthüringer Zeitung“, der leider auch mit all den Ungereimtheiten in anderen Presseorganen erschienen ist. Doch so etwas in der Überschrift und das noch in unserer Regionalzeitung zu lesen, schmerzt schon sehr.

Vielleicht sollte man doch auf Bewährtes und damit wieder auf die Berichterstattung durch eigene Redakteuren zurückgreifen und das Feld nicht denen überlassen, die mit ihrer Berichterstattung, warum auch immer, nur auf Erfurt fixiert sind.

Das es auch anders geht, kann man bei www.radsport-news.com/sportnews nachlesen.

Reinhard Schulze
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