Rollhockey: Geraer Lady-Cracks müssen jetzt nachjustieren

Wenn Natalie Sudin (Gera) ausholt, wackelt die Bude ...
 
Die Spielgemeinschaft des RSC Gera mit dem VfL Hüls spielte trat zum Heimturnier am 13. Mai 2012 in Gera an mit: den Torhüterinnen Swetlana Schabanow und Meike Queren; sowie im Feld mit Kapitän Sabrina Adam, Rika Bohmann, Carina Pawlaczyk, Natalie Sudin, Anna Behrendt und Christina Gehlen.
 
Kapitän Sabrina Adam (Gera)
 
Natalie Sudin (Gera)
Am letzten Spieltag nochmals wechselhaft mit 5:1-Sieg und 3:5-Niederlage / Nach Achtungserfolgen und wechselvoller Serie bleibt nur hinterer Tabellenrang /

Geras Rollhockey-Damen sehen vermutlich aus ganz anderen Augen auf die im Juni beendete Bundesligasaison 2011/12 als die Außenstehenden, wie etwa das Heimpublikum oder die Statistiker: Denn die letzte Serie war eine besondere. Eben schon organisatorisch so anders mit zwei Vorrundenstaffeln einer gemeinsamen Frauen-Liga. Für Thüringens Lady-Cracks kam noch hinzu, dass kein Weg mehr an einer Spielgemeinschaft vorbeiführte, um noch sportlich weiter mitzureden. Ein Zwischenjahr für Experimente?

Aus dem vormaligen Zweitligateam RSC Gera wurde im Premierenjahr einer neuen gemeinsamen Bundesliga nach der 1. Hälfte des Spieljahrs als SG VfL Hüls /RSC Gera eine unberechenbare Größe im Kreis der doch nicht in der nationalen Spitze mitmischenden Truppen. Während FRAU z.B. einerseits beim Geraer Heimturnier am 13. Mai den Spitzenreiter der "Platzierungsrunde" RHC Recklinghausen bis in die Schlussminute an den Rand einer Niederlage brachte (und unglücklich 2:3 verlor) oder zuvor in der Staffelphase z.B. den späteren Meisterschaftsfünften SC Bison Calenberg 2:0 bezwang, vergab man bei anderen Gegnern (zuletzt nach 3:0-Führung gegen IG Remscheid/ Moskitos Wuppertal noch mit 3:5) zu viele Punkte etwa wegen taktischer Unordnung. Die ließe sich u.a. mit zu oft wechselnden Besetzungen erklären, was für Fans eher schwer akzeptabel sein könnte.

Der vorletzte Rang unter zwölf Bundesligisten sagt jedenfalls zu wenig über das Potential und die Zukunft dieses Teams. Gera/Hüls gehörte zu den fünf fairsten Teams der Liga, ohne blaue und rote Karten; nur belastet mit sogenannten „Teamfouls“. Was nützt das? Es spricht für technisches Bemühen. Die Damen und Betreuer beider Partner machen sich schon ihre Gedanken, ob zur Abstimmung mehr getan werden kann; beginnend mit gemeinsamem Vorbereitungstraining. Das klingt so einfach, ist aber eine knifflige Sache. Da sind immer noch Durchreißer wie Allrounderin Natalie Sudin. Sie stieg aber verletzungsbedingt erst spät ein; erreichte immerhin mit 20 Toren noch Rang 13/14 der Torjägerliste und wurde die viertbeste Torschützin aus Mannschaften der Platzierungsrunde. Die junge Mutti und Kapitänsfrau Sabrina Adam trug mit 9 Treffern die zweitmeisten für die Spielgemeinschaft bei.
Aber: Swetlana Schabanow kehrte erst zuletzt wieder richtig ins spezielle Training zurück. (Ihr Sohn übt jetzt in der RSC-Laufgruppe mit.) Die physisch starke Olga Savelev kann nach ihrem Umzug nur selten mit der Truppe auflaufen. Man braucht sich also gegenseitig. Die Hülser brachten z.B. durch Maike Queren eine starke Keeperin und eine weitere Torschützin in Christina Gehlen mit.

Dann sind da noch die recht jungen Mädels. Die Geraer setzen große Hoffnungen in ihre U15-Nationalspielerin Anna Behrendt, die nun ganz gewiss zunehmend Einsatzzeit bekommen wird. Es soll, so die Trainer Torsten Scholz (Gera) und Hans Bohmann (Hüls), bei der Spielgemeinschaft Hüls /Gera bleiben: „Um den Frauen die wohlverdiente, sportliche Plattform zu geben.“ Gehlen geht wohl zu einem Praktikum ins Ausland. Doch der Stamm bliebe im Wesentlichen erhalten. Man könne also weiter mit zwei Torhüterinnen arbeiten und mit einem effektiven Achter-Aufgebot auf Wettkampfreisen sein.

Wohin zeigt also dann der leistungsmäßige Trend? Passt der Rahmen?
Wollte FRAU sich im Winterhalbjahr (abgesehen von größeren Fahrstrecken) zum Training unter spielpraktischen Bedingungen treffen, so fehlt in Gera leider immer noch das passende Umfeld, musste RSC-Präsident und Coach Torsten Scholz nun sachlich feststellen. Sein Verein erhielt z.B. zwar in der Tinzer Sporthalle (Vorrang-)Trainingszeiten. Nach der Parkett-Instandsetzung reparierten die RSCer dafür die Fangnetze und schafften eine Spielbande an. Allerdings lässt die sich leider bisher kaum aufbauen. Die nun etwas stärkeren Aufkleber mit strukturierter Oberfläche, auf der die Saugnäpfe für die Bandenstützen Halt finden sollen, will die Stadtverwaltung aber ohne ein Zertifikat auf dem strapazierten Parkett nicht dauerhaft aufbringen lassen. Nicht ’mal außerhalb des markierten Hand- und Basketballfeldes. Die Sicherheitsverantwortliche der Stadt forderte dazu kaum erhältliche Zertifikate. So ein technisches Datenblatt scheint nicht üblich und für den Verein folglich nicht beizubringen sein. Aber ein Auf und Ab, also Kleben und Abreißen, würde dem RSC über Gebühr Aufwand und Materialverschleiß kosten. Die Verwaltung lässt sich recht viel Zeit mit der Behandlung dieses Problems. Geht es aber mit der Nutzbarkeit einer Halle zu Turnierzwecken nicht weiter, riskiert man wohl in absehbarer Zeit den einzigen Heimspieltag. Denn witterungsabhängige Open Airs sind in der Bundesliga nicht mehr erwünscht.

Auch der RSC-Nachwuchs sollte in Tinz unter spielpraktischen Bedingungen trainieren und die Halle möglichst für Turniere nutzen können, weil Rollhockey immer mehr zu einer Hallen-Sportart geworden ist. Das Jahr verrinnt. Der Verein möchte nochmals nachdrängen. Denn für September 2013 konnte zum zweiten Mal nach 2011 die Durchführung einer Deutschen Meisterschaft, diesmal der U13, nach Gera geholt werden. In dieser Altersklasse spielen für Gera hoffnungsvolle Talente.

Außerdem muss man einen gewissen Stillstand in der Popularität des Geraer Damen-Teams registrieren. Mehr Interesse spezieller Sponsoren konnte es 2012 noch nicht auf sich ziehen. Die Präsentation des Turniers im Heimstadion neben der Panndorfhalle ließ gewohnte Standards und äußeren Unterhaltungswert für Zuschauer vermissen. In den Schaukästen usw. könnte die Öffentlichkeitsarbeit deutlich informativer sein; erst recht, weil die Frauenmannschaft hier ja selten spielend zu erleben sind. Dennoch: Sie sollen natürlich ein „Aushängeschild“ für den aufrückenden Nachwuchs bleiben. Immerhin gehört derzeit ein Kleeblatt zum bundesdeutschen U15-Nationalkader. Das braucht allerdings auch erkenn- und erlebbare Vorbilder und freilich noch etwas Zeit zur Entwicklung und Reife.

Deutscher Damen-Meister 2011/2012 wurde ERG Iserlohn, mit dem die Gera-Hülser Spielkombination nicht die Schläger zu kreuzen hatte; und zwar souverän und ohne Verlustpunkt vor TuS Düsseldorf-Nord und RSC Cronenberg. Das neue Meisterteam eroberte Ende Mai auch schon den Pokalsieg.

Für die Saison 2012/2013 steht der genaue Bundesliga-Modus noch nicht fest; auch wenn der aus Gera stammende Staffelleiter Torsten Flössel bereits einen Rahmenplan entworfen hat. Unwägbar sei zum Beispiel noch, ob Herten II in der Liga verbleibt oder vielleicht auch Springe eine Spielgemeinschaft eingeht. Bei weniger gemeldeten Teams böte sich alternativ eine große Runde nach dem Prinzip „Jeder gegen Jeden“ und dann daran anschließenden Play-Offs an.

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Trainer Hans Bohmann berichtete vom letzten Spieltag der Platzierungsrunde zur Damenbundesliga am 4. Juni in Darmstadt:

SG VfL Hüls/RSC Gera : SG IGR/Moskitos = 3 : 5 (Hz 3:1)
SG VfL Hüls/RSC Gera : RSpvgg HertenII = 5 : 1 (Hz 3:1)

"Das erste Spiel gegen die Spielgemeinschaft IG Remscheid /Moskitos Wuppertal begann vielversprechend. Bereits in der ersten Minute schlug der erste Schuss von Natalie Sudin zum 1:0 ein, und in der 5. Minuten traf Christina Gehlen nach schnellem Antritt zum 2:0. Wieder Sudin ließ in der 9. Minute der gegnerischen Torwartin keine Chance: 3:0. Danach wachten die Remscheiderinnen auf und schon im Gegenzug verkürzten sie auf 1:3. Der Rest bis zur Halbzeit zeigte ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten, aber der Spielstand veränderte sich nicht.
Die zweite Hälfte brachte ein völlig anderes Spiel: Die Spielgemeinschaft aus Gera /Hüls ließ das Zusammenspiel der ersten Hälfte völlig vermissen und versuchte nur Einzelaktionen, die vom Gegner locker aufgefangen wurden. Im Gegenzug wurde die mannschaftliche Geschlossenheit des Gegners immer deutlicher und das Ergebnis änderte sich merklich. Nach einem 2:3 bereits in der 21. Minute folgte der Ausgleich und dann in der 36. Minute der Führungstreffer für den Gegner. Es waren keine Kräfte mehr zu mobilisieren und so zog die Bergische Spielgemeinschaft dann noch auf 3:5 davon. Um noch eine Tabellenverbesserung zu erzielen, hätte hier wenigstens ein Punkt erlangt werden müssen.

Im zweiten Spiel gegen RSpvgg Herten II spielten sich die Damen der SG Hüls/Gera den Frust von der Seele. Mit einer komplett geänderten Taktik ließen sie den Spielerinnen aus Herten kaum Luft zum Atmen und kaum eine Erholungspause. Die Torejagd war endlich auch wieder erfolgreicher. So konnten Sudin und Gehlen in den ersten zehn Minuten mit gutem Zusammenspiel die 2:0-Führung erzielen. Der gegnerische Anschlusstreffer in der 17. Minute wurde postwendend von Adam mit dem 3:1 beantwortet.
In der zweiten Hälfte ging das überlegene Spiel weiter. Kurz nach Anpfiff traf Carina Pawlaczyk nach Gewühl im Torraum zum 4:1 und wiederum Adam traf nach Zuspiel in der 24. Minute zum 5:1. Eine weitere Ergebnisverbesserung vergab Adam mit einem nichtverwandelten Penalty. Ein Treffer durch Rika Bohmann wurde vom Schiedsrichter nicht gegeben, da er den Ball aus seinem Blickwinkel nicht hinter der Torlinie sah. Da diese Situationen nicht spielentscheidend waren, konnten die Spielerinnen der Spielgemeinschaft das Spiel locker zu Ende fahren und die Saison mit einem deutlichen Sieg beenden."

Es spielten:
Torfrau Swetlana Schabanow, Natalie Sudin (3 Tore), Sabrina Adam (2), Olga Savelev, Christina Gehlen (2), Carina Pawlaczyk (1), Rika Bohmann, Anna Olbinski.
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