Tanzen: Neue Pläne bei Geras Turniertänzern

Wann? 24.03.2012

Wo? Kulturhaus "Heinrichsbrücke", Heinrichstraße 49, 07548 Gera DE
Tanzsportzentrum Gera und Tanzschule Schulze versuchen den Neubeginn mit Kindern im Paartanz.
 
Erste Grundschritte bei der Trainingspremiere mit dem ehemaligen Turniertänzer Martin Werner.
Gera: Kulturhaus "Heinrichsbrücke" | Sieben von neun Landesmeistertiteln im Nachwuchs und doch Nachdenklichkeit /

Auf den ersten Blick scheint alles fein: Die Geraer Turniertanzsportvereine holten sich in Summe bei der Latein-Landesmeisterschaft des Nachwuchses bis Jugend A in den Winterferien 7 der 9 Titel. Dennoch scheint es wohl an der Zeit, auch in der „Tanzsporthochburg“ die Situation genauer zu analysieren, um sportliche Zukunft zu sichern.

Die Kinderklasse blieb von Tanzkreis Brillant und Tanzsportzentrum Gera erstmals unbesetzt. Starterfelder werden schmaler. Nicht nur, weil leider Verletzungen einerseits oder Paartrennungen andererseits dazu beitrugen. Man mochte den Meisterschaftstermin im Landessüden am Sonntag zu Ferienbeginn nicht. Also: Welche Bedeutung hat noch längerfristiges Mühen und echtes Interesse am Aufbau sportlicher Leistungen neben dem heutigen Spaßfaktor? Was wird getan, um die Alterspyramiden in den Vereinen mit Hilfe der Popularität dieser Sportart zu wahren? Klares Wort: Hilfe vom Thüringischen Landesverband ist derzeit kaum zu erwarten, weil der selbst deutlich kriselt und in sich offensichtlich grummelt.

Nach Kritiken zum Nikolausturnier vom Dezember 2011 des Fördervereins TANZEN e.V. Gera kam allerlei Bewegung in die Szene. Ausgangspunkt: Warum sollte wohl so ein Förderverein mühevoll Wettkämpfe organisieren, wenn gerade die jungen, einheimischen Paare die besondere Chance zum Heimauftritt nicht annehmen (Brillant) oder selbst kaum noch jüngere Kinder mit Startbuch haben (TSZ)?

Eine erste Reaktion folgte von der Tanzschule Schulze, die dem Tanzsportzentrum e.V. aus der Vorgeschichte heraus immer noch sehr nahe steht: Mit Martin Werner kehrte ein ehemals mit Partnerin Katja Stetzkowski erfolgreicher, junger Mann Ende des Jahres als ausgebildeter Tanzlehrer in seine Heimatstadt Gera zurück. Er möchte sich hier wieder für den Turniersport engagieren. Also warb man kurz vor den Ferien für ein Casting. Und siehe an: 16 Mädchen und ein (!) Junge kamen in die Walhalla. Mit Spaß verpackte Martin erste lockere Übungen. Er weiß, dass z.B. Gymnastik für Körpergefühl und Isolation, Dehnungsübungen und Balance zu den Grundbegriffen gehören. Mit dem jungen S-Klasse-Paar Benny Becker und Josi Dinger stellten sich Geras beste „Lateiner“ als Vortänzer zeitweise in die Reihen der Neugierigen bei deren ersten ChaCha-Grundschritten. Für weitere Stunde - nach wie vor auch zum Schnuppern - folgen ist die Zeit dienstags ab 16 Uhr reserviert. Man hofft, dass Mädchen und Eltern demnächst noch mehr Jungs für den Paartanz begeistern. Auch Martin Werner begann einst mit knapp fünf Jahren beim TK Brillant in Formationen mit Schautanzauftritten. Ab 1993 waren für ihn Turniere angesagt. Jetzt möchte er seine Erfahrungen dazu gern teilen.

Bei den "Brillanten" legt der Tanzkreis-Chef Ingo Ronneberger weiter Wert auf die Formationen für das eventuelle Heranführen über den Spaß an Bewegung hinaus zum Turniersport. In dieser Gruppenphase orientieren sich die Kinder aneinander. Gemeinschaftssinn tue gut. Im Wettkampf setze dann mehr Konkurrenzdenken ein. Er habe kaum darüber gesprochen, doch Leistung zu verlangen, fällt heute oft schwerer. Und: Zuletzt hatte er es eben leider nicht ganz geschafft, einige seiner Kinderpaare bis zur Turnierreife für die Latein-Premiere zu führen. Dazu fehlte z.B. noch die Rumba neben dem Jive und ChaCha. Aber es kämen sieben Pärchen nach. Einige ältere Tänzer(innen) haben zum Teil neue Partner oder gewechselt. Auf deren mögliche Rückkehr zum Turniersport darf man gespannt sein. Ingo Ronneberger glaubt weiterhin vor allem an die Werbeeffekte größerer, öffentlicher Auftritte wie zu den Festen in Gera oder zum Neujahrskonzert im Theater neben der Mund-zu-Mund-Propaganda für den Tanzsport.

Schließlich noch der Förderverein TANZEN eV.: Er will, so Vorsitzender Uwe Schindler, an den Geraer Traditionsturnieren festhalten. Das heißt: Für das erste Mai-Wochenende 2012 wurde es sogar zweitägig ausgeschrieben. Außerdem holte man für den 24. März 2012 die Gebietsmeisterschaften Ost (über zehn Tänze) der Kombination von Standard und Latein in drei für Gera starken Startklassen in das Kulturhaus Heinrichsbrücke. Man rechnet mit drei, vier Paaren als Lokalmatadoren in der Jugend A und bei den Junioren II B. Auch Workshops prominenter Trainer wie mit Kerstin und Fred Jörgens würden neben dem Fördertraining u.a. im Herbst zur unmittelbaren Vorbereitung auf die Standard-Landesmeisterschaft angeboten, bestätigte Vizepräsident Matthias Wolff.

Doch - wie immer wieder 'mal diskutiert - die Zweitägigkeit der Events etwa für ein "Ballturnier" mit Publikumswertung oder für eine abendliche Veranstaltung mit Publikumstanz als Szenetreff zu nutzen, schob man zuletzt erneut von sich. Zu groß sei der organisatorische Aufwand. Oder wird in Sachen fraglicher Hilfe unter den Geraer Tanzvereinen derzeit doch zu wenig miteinander gesprochen? TSZ und TK sehen durchaus Interesse für ein gehobenes Ereignis. Würden sie mit anpacken... Es wäre sicher attraktive Werbung für den Tanzsport wie einst am Rande der hier bisher einzigartigen Welt- und Europameisterschaften der Profis von 2006 und 2007.
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