Der Herr des Rosts. Farbe als Thema des Denkmaltags – genau die könnte das Oschütztal-Viadukt gebrauchen

Zeigt sich drei Jahre nach der Vereinsgründung zufrieden: Martin Titscher, Vorsitzender des Vereins Interessengemeinschaft Öschütztal-Viadukt.
 
Dass über das Oschütztal-Viadukt ein Zug fuhr, ist bereits knapp 32 Jahre her.
Weida: Oschütztal-Viadukt |

Rund 400 Tonnen vor sich hin rostendes Eisen. Aber einfach mal den Pinsel schwingen geht nicht. Ist das nicht entmutigend, für etwas verantwortlich zu sein, an dem man nicht mal Hand anlegen darf? Die Rede ist vom Oschütztal-Viadukt in Weida. Die Erhaltung dessen hat sich der Verein Interessengemeinschaft Oschütztal Viadukt auf die Fahnen geschrieben. Noch steht der Vertrag mit der Bahn, der Rechten und Pflichten regelt, nicht. So beschränkt sich die Handlungsfähigkeit der Vereinsmitglieder derzeit auf Reinigungs- und Säuberungsarbeiten um das Viadukt. Das sei bei derartigen denkmalgeschützten Objekten nicht unüblich, meint Vorsitzender Martin Titscher.

Unzufrieden ist er drei Jahre nach Vereinsgründung nicht, im Gegenteil. Derzeit hält eine Aktion nach der anderen die Vereinsmitglieder in Atem. Vergangenen Freitag wurde im Weidaer Rathaus eine gemeinsam mit der Bürgerinitiative Zeulenroda und dem Modelleisenbahnclub Weida gestaltete Ausstellung eröffnet. Auch der Weidsche Kuchenmarkt am vergangenen Wochenende verlangte vollen Einsatz.

Kommenden Sonntag steht der Denkmaltag an. Und wenn man schon das größte Denkmal weit und breit – das Viadukt hat eine Länge von 185 Metern – hat, ist eine Beteiligung an diesem Tag selbstverständlich. Thema des diesjährigen Denkmaltags ist „Farbe“. „Das passt hervorragend“, ist sich Martin Titscher sicher, „denn das Viadukt könnte welche gebrauchen“. So soll der Tag genutzt werden, um das Viadukt wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Vereinsmitglieder werden vor Ort sein und über ihre Arbeit berichten.

Am 1. Oktober ist es genau 130 Jahre her, dass das Oschütztal-Viadukt eingeweiht wurde. Das Jubiläum soll am 3. Oktober gefeiert werden. Aufmerksame Beobachter haben bereits bemerkt, dass an dem der Straße nächst gelegenem Pendelpfeiler die große blaue Tafel seit einiger Zeit fehlt. „Die wird derzeit dank Sponsoren saniert“, freut sich der Vereinschef. Die gusseiserne Tafel soll zur Jubiläumsveranstaltung feierlich eingeweiht werden. Stolz ist Titscher auch darauf, dass die Urenkelin des damaligen Bauingenieurs Claus Köpcke, Dr. Claudia Ebert, die Festveranstaltung begleiten wird. Dann ist fachsimpeln angesagt, schließlich hat sie über ihren Urgroßvater das Buch „Netzwerke. Claus Köpcke 1831-1911. Biographie eines Ingenieurs“ verfasst. Sogar ein Feuerwerk will der kleine Verein, der gerade mal neun Mitglieder zählt, dank Sponsoring zur Festveranstaltung auf die Beine stellen. Begleitet wird das Jubiläum zudem von einer einmaligen von einer Sonderpostbeförderung in Zusammenarbeit mit dem Citykurier Gera am 8. Oktober.

Apropos Sponsoren. Die Vereinsmitglieder würden gern Licht ins Dunkel bringen. Gemeint ist damit eine zu installierende Beleuchtungsanlage für die Brücke oder wenigstens einen Teil davon. Was machbar wäre – vielleicht eins, zwei Pfeifer zu besonderen Anlässen anleuchten – hängt natürlich von der Unterstützung durch Sponsoren ab, noch ist Titscher auf der Suche.

Und die ganz großen Ziele? Da gerät der Vereinschef ins Schwärmen und spricht nur noch in der Möglichkeitsform: Generalsanierung der Pendelpfeilerbrücke, ein statisches Gutachten und dann ein sinnvolles Nutzungskonzept. Vielleicht könnte die Bahnstrecke für Draisinenfahrten oder eine kleine Lok wiederbelebt werden. Titscher fasst es so zusammen: „Ich werde oft als Idealist beschimpft. Aber für mich ist das ein Kompliment!“.

Technische Daten:

Gesamtlänge: 185 Meter
Höhe: 28 Meter
Eingleisiger Pendelpfeiler-Viadukt in Gitterkonstruktion mit gemauerten Brückenköpfen und Mittelpfeiler
Gesamtmasse der Eisenkonstruktion: ca. 400 Tonnen, gefertigt in der Königin Marienhütte in Cainsdorf bei Zwickau
Gesamtkosten zur damaligen Zeit: 201.851 Mark
Verwendete Baumaterialien:
Eisenkonstruktion: Schmiedeeisen
Brückenköpfe und Pfeiler: Einheimischer Bruchstein
Lagerquader: Pulsnitzer Granit bzw. Beton
Sichtflächen zum Teil aus Postaer Sandstein

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3 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 10.09.2014 | 17:32  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 10.09.2014 | 19:12  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.09.2014 | 06:42  
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