Die Zeit wird knapp! Die Interessengemeinschaft Oschütztal Viadukt e.V. möchte die größte Pendelpfeilerbrücke Deutschlands erhalten

185 Meter lang und trotzdem von den Meisten kaum noch wahrgenommen: Oschütztal-Viadukt in Weida.
 
400 Tonnen verrostetes Schmiedeeisen und eine blanke Mutter. Sie ist sozusagen nicht die Gründungsurkunde, sondern die "Gründungsmutter" der Interessengemeinschaft Oschütztal-Viadukt e.V.
Durchfahren und gesehen wird es tagtäglich von hunderten Kraftfahrern. Die Wahrnehmung beschränkt sich eher darauf, dass es groß ist und vor sich hin rostet. Die Rede ist vom Oschütztal-Viadukt in Weida. Über den schmiedeeisernen Koloss rollt schon lange kein Zug mehr. Wie auch? Gleise liegen nur noch auf der Brücke. Die beidseits zur Brücke führende Strecke gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Doch die Ruhe trügt. Seit der Stilllegung 1983 gab es immer wieder Überlegungen, einen Verein zur Erhaltung des Viadukts zu gründen. Vor einem Jahr hat Martin Titscher aus Weida das Zepter in die Hand genommen und die Interessengemeinschaft Oschütztal-Viadukt e.V. gegründet. Mit sieben Gleichgesinnten aus Weida, Frießnitz, Kahla, Gera und Dresden und weiteren Freunden des Vereins widmet er sich der schwierigen Aufgabe des Erhalts des Viadukts.

Seit 1983 verschlechtert sich der Zustand der in DB-Besitz befindlichen Brücke zunehmend. „Allmählich wird die Zeit knapp“, mahnt der Vereinsvorsitzende und ist sich dennoch der Schwierigkeit seines Vorhabens bewusst. An dem Viadukt selbst kann der Verein nicht Hand anlegen, schließlich gehört es der DB-Bahn. Mal ganz davon abgesehen, dass die dafür notwendigen erheblichen finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stehen. Selbst wenn die DB-Bahn ihr Eigentum dem Verein schenken würde, könnte die Interessengemeinschaft dieses Geschenk nicht annehmen. Kosten für Brückenprüfungen, Versicherungen, erteilte Auflagen und weitere Folgekosten sind vom Verein nicht zu stemmen.

Und so machen sich die Mitglieder im ersten Jahr des Bestehens daran, erst Mal Ordnung unterhalb der Brücke zu schaffen. In mehreren Arbeitseinsätzen auf der Nelkenquetschenseite wurde das Fundament der 16-Meter-Pendelstütze vom Bewuchs freigelegt. Mit einigen Anwohnern gibt es eine gute Zusammenarbeit, bestätigte Titscher. Er musste allerdings auch feststellen, dass andere ihren Besitz im Laufe der Jahrzehnte bis auf DB-Bahn-Gelände ausgebreitet haben.

Eine der wichtigsten Aufgaben sieht der Verein derzeit darin, das Viadukt ins Bewusstsein der Bevölkerung und von Verantwortungsträgern in der Stadt und im ganzen Land zu rufen. Dabei macht sich Titscher die Einzigartigkeit des Viadukts zunutze. Die 1884 erbaute Brücke ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung aus den Anfängen des Stahlbrückenbaus. Sie wurde nach dem seltenen System der Pendelnden Pfeiler erbaut. Entschieden hatte sich für dieses Konstruktionsprinzip der bekannte sächsische Bauingenieur Claus Köpcke. Heute ist das Ortsbild prägende Bauwerk die größte erhaltene Pendelpfeilerbrücke Deutschlands.

Schon jetzt können sich Interessenten dieser Meisterleistung auf den 1. September freuen. Dem Verein ist es gelungen, die Urenkelin des Bauingenieurs, Dr- Ing. Claudia Elbert, nach Weida einzuladen. Sie hat über ihren Urgroßvater das Buch „Netzwerke. Claus Köpcke 1831-1911. Biographie eines Ingenieurs“ verfasst. Im Kreuzgewölbe des Rathauses Weida wird sie ab 10 Uhr bei freiem Eintritt aus dem Buch lesen. Natürlich wird der Verein auch am Tag des Denkmals, am 9. September, vor Ort von 13 bis 17 Uhr präsent sein und über seine Vorhaben berichten.

Die bestehen letztlich darin, das Viadukt zu erhalten und möglichst zu sanieren. Auf dem schweren Weg dahin soll ein Nutzungskonzept erstellt werden. Die Ideen reichen vom angelegten Radweg über die Brücke, Draisinenfahrten, bis hin zu einer verkehrenden Museumsbahn auf der früheren Bahnstrecke. Dass das ziemlich utopisch klingt, ist sich der Vereinschef bewusst. Aber er zeigt sich dennoch stolz, was seit der Vereinsgründung am 18. Juni 2011 erreicht wurde.

Technische Daten:

Gesamtlänge: 185 Meter
Höhe: 28 Meter
Eingleisiger Pendelpfeiler-Viadukt in Gitterkonstruktion mit gemauerten Brückenköpfen und Mittelpfeiler
Gesamtmasse der Eisenkonstruktion: ca. 400 Tonnen, gefertigt in der Königin Marienhütte in Cainsdorf bei Zwickau
Gesamtkosten zur damaligen Zeit: 201.851 Mark
Verwendete Baumaterialien:
Eisenkonstruktion: Schmiedeeisen
Brückenköpfe und Pfeiler: Einheimischer Bruchstein
Lagerquader: Pulsnitzer Granit bzw. beton
Sichtflächen zum Teil aus Postaer Sandstein

Mehr Informationen zur Interessengemeinschaft und zum Viadukt auf www.viadukt-weida.de.
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7 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 20.06.2012 | 10:44  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 20.06.2012 | 11:01  
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