Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Sebastian Richter ist vom Virus der DDR-Zweiräder befallen – Herbstabfahrt "Auf den Straßen der Bergbaukultur im Ronneburger Revier" der IG Historische Mobile

Hier steht er gut: Sebastian Richter hat seinen aufpolierten SR2 im Wohnzimmer geparkt.
 
Mit dieser ETZ 250 war der Geraer bereits auf Baltikum-Tour bis nach Estland unterwegs.
Blitz blank gewienert steht der SR2 in der Ecke des Wohnzimmers. Nein, ein Verherrlicher der DDR ist Sebastian Richter nicht. Wie auch? Seine eigenen Erfahrungen mit diesem Staat beschränken sich auf die ersten sieben Lebensjahre. Und doch kann er eine gewisse Begeisterung nicht leugnen - zumindest, was den DDR-Fahrzeugbau, vor allem die Zweiräder, betrifft.

Als Sebastian 19-jährig von einem Kumpel eine ungenutzt herum stehende Schwalbe abluchste, ahnte er noch nicht, dass ihn das Thema DDR-Zweiräder nie mehr los lassen würde. Zwei Jahre lang wieder aufgebaut, wird die Schwalbe fortan ein treuer Begleiter durch die warme Jahreszeit. „Ich düse damit auf Arbeit. Sie ist praktisch in der Stadt, man hat keine Parkplatzprobleme. Nicht zu vergessen der Kultstatus“, freut sich der Geraer.

Bei der Schwalbe sollte es nicht bleiben. Ein Studienkollege erzählte ihm 2006 von einem SR2, der von seinem Opa nur für Fahrten in die Pilze genutzt wurde. „Die Verhandlung war nicht einfach“, erinnert sich Richter. Schließlich hat er den SR2 doch zum Schnäppchenpreis bekommen. Stumpfer Lack, ohne Gepäckträger, mit eingerissenem Sattel, und, und, und. Aber alles keine Aufgaben, die nicht lösbar sind.

Vor fünf Jahren kam eine ETZ 250 hinzu, voriges Jahr ein Tatran, dieses Jahr eine Jawa 125 Typ 355 und eine RT 125/2. Zwischenzeitlich wurde noch ein KR 50 und ein Sperber wieder aufgebaut. Allein diese Aufzählung macht deutlich, dass Sebastian Richter längst von einem Virus befallen ist. Die Wintermonate über verbringt er seine Freizeit in der Garage. Da wird geschraubt, gewerkelt und poliert. Die Belohnung dafür gibt es in der warmen Jahreszeit. Auch wenn es der SR2 auf den ersten Blick vermuten lässt, baut Richter die Zweiräder nicht auf, um sie museal herumstehend zu präsentieren. Sie werden alle gefahren.

Anfang voriges Jahr war der mittlerweile 32-Jährige an die in Gera existierende Interessengruppe Historische Mobile herangetreten, ob sie nicht Interesse an einem Reisevortrag „Mit der ETZ ins Baltikum“ hätten. Den Vortrag als solchen gab es bis heute nicht. Dafür ist Sebastian Richter aufgrund vieler gemeinsamer Interessen inzwischen Mitglied der IG.

Apropos mit der ETZ ins Baltikum. Dieses Abenteuer hat er sich vor drei Jahren gemeinsam mit einem Kumpel gegönnt. Innerhalb von drei Wochen haben sie 4500 Kilometer quer durch Polen, Litauen, Lettland bis nach Estland, dann mit der Fähre nach Helsinki und zurück nach Deutschland zurückgelegt. „Wir haben viel gesehen. Die Menschen waren alle freundlich und aufgeschlossen. Und die Maschinen – mein Kumpel war mit einer TS 250 unterwegs – haben durchgehalten. Nur eine Kette mussten wir nachspannen und einen Kerzenstecker wechseln“, zeigt er sich noch heute begeistert.

Das ist für Sebastian Richter „Kultur erfahren“ beziehungsweise „Historisches erfahren“ im wahrsten Sinne des Wortes. Genauso hält es der 2012 gegründete Verein „Interessengemeinschaft Historische Mobile“. „Bei der gemeinsamen Frühjahrsanfahrt und der Herbstabfahrt fahren wir nicht einfach nur im Kreis“, erklärt Vorstandsmitglied Gerd Hehlmann. Die am 11. Oktober anstehende Herbstabfahrt steht unter dem Motto „Auf den Straßen der Bergbaukultur im Ronneburger Revier“. Die Strecke führt mit großem Programm 95 Kilometer durch das Wismut-Gebiet bis nach Sorge-Settendorf. Los geht es 10 Uhr am Waldhaus Gera, Treffpunkt ist bereits 8 Uhr. Bestaunt werden können die Oldtimer auch an den vielen Haltepunkten auf der Strecke und wenn sie ab 14.30 Uhr wieder im Lusaner Motorsportpark an der Zoitzbergstraße ankommen.

Dass die Veranstaltung Sebastian Richter mit organisiert, freut Hehlmann: „Er ist sozusagen der Anführer unserer Jugendbrigade“. Als die IG gegründet wurde, waren doch eher nur ältere Herren mit von der Partie. Mittlerweile gehören vier Jugendliche dazu. „Die haben neue Ideen, an die wir überhaupt nicht denken. So wollen sie beispielsweise wieder einen Oldtimerteilemarkt ins Leben rufen, wie es ihn früher schon an der Radrennbahn in Gera gab“, bringt Hehlmann seine Begeisterung zum Ausdruck.
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