Eiskaltes Vergnügen

Die geraer Elsterrobben haben Spaß im eiskalten Nass
 
Bitte einsteigen: Erika Becker - Spitzname Frau Fisch - tut's innerhalb weniger Sekunden. Brrr...
Gera: elsterrobben | Erika Becker ist seit 37 Jahren leidenschaftliche Winterschwimmerin bei den Elsterrobben

Gera-Aga. Der irrwitzige Gedanke eines Selbstversuches währte nur eine hundertstel Sekunde… Brrr. Minus sechs Grad Lufttemperatur, vielleicht 3 Grad im Wasser. Schnee und eine zirka 7 cm dicke Eisdecke auf dem See des Strandbades in Aga, in die sich eine Kettensäge hineinfraß, um ein größeres Badeloch zu schaffen. Allein der Anblick verursacht Gänsehaut. Dann doch lieber die anderen machen lassen und - schön warm eingemummelt – Zaungast bleiben und zuschauen. Den mutigen Elsterrobben, die ihrer Leidenschaft nachgehen: dem Eisbaden. Zu den derzeit 14 Frauen und Männern der Gruppe gehört auch Erika Becker, liebevoll „Frau Fisch“ genannt. Den Spitznamen angelte sie sich, weil sie nicht nur leidenschaftliche Schwimmerin ist, sondern es ungemein lange im Eiswasser aushält. „Wir gehen flugs hinein, drehen eine Runde und dann geht’s wieder raus. Nur unsere Erika bleibt und hält es eine gefühlte Ewigkeit aus. Sie schlägt alle Rekorde“, schmunzelt ihre Mitstreiterin Renate (75) und staunt immer wieder darüber. Selbst die extremsten Temperaturen schrecken Erika Becker nicht ab: das waren knapp - 20 Grad Luft- und 0,6 Grad Wassertemperatur im Ostseebodden.

Das eisige Abenteuer begann für die 74-Jährige vor 37 Jahren an einem Haushaltstag im September. Damals begleitete sie ihren siebenjährigen Sohn Mike in seiner Arbeitsgemeinschaft „Junge Seehunde Gera“ zum Baden. Probierte es aus und fing Feuer fürs kalte Vergnügen. Seit Gründung der Elsterrobben 1983 gehört sie zum harten Kern der Gruppe. Die wenigen Male, bei denen sie samstags zum Eisbaden fehlt, kann sie an einer Hand abzählen. „Im März waren wir mal eine Woche in Familie im Winterurlaub zum Skilaufen. Aber sonst lasse ich kein Training ausfallen“, erzählt Erika. Und sie erinnert sich weiß Gott nicht mehr daran, wann sie mal krank war. „Es macht einfach Spaß und dieses euphorische Gefühl hinterher, wenn man seinen Körper auf diese Art spürt, möchte ich nicht missen. Ebenso wenig die Geselligkeit in unserer Gruppe.“

In Sachen Abhärtung macht ihr niemand was vor: „Jeden morgen wird bei offenem Fenster kalt geduscht, das Bad bleibt unbeheizt. Als Dauercamper am Hohenwartestausee sind wir bei jedem Wetter aktiv, schwimmen viel.“

Die Gruppe freut sich übrigens über jeden neuen Mitstreiter. Wer also Lust hat, kann ja mal gucken gehen:
Saison: Oktober bis April, jeden Samstag 13 Uhr ist Treff im Strandbad Aga.
Kontakt: Dieter Portius
elsterrobben@aol.com
Tel. 0365/55 24 71 22

Mehr zum Verein und dem Winterschwimmen:


- Geraer Gruppe gegründet 1976 vom Biologielehrer Hans-Georg Bräunlich als „Junge Seehunde“
- sie vereinte viele Kinder aller Altersstufen im Geraer Pionierhaus
- jährliches Treffen aller Winterschwimmgruppen aus verschiedensten Städten der DDR, das sogenannte „Trommeltreffen“, initiiert von der Pionierzeitung „Die Trommel“
- seit 1983 Neugründung unter dem Namen „Geraer Elsterrobben“, da die Jungen Seehunde immer weniger wurden
- heute rund 14 aktive Mitglieder

Das Winterschwimmen stellt eine Extremform der Abhärtung dar. Voraussetzung für das Winterschwimmen ist die ständige Konditionierung durch tägliches kaltes Duschen am Morgen, aktive Bewegung und Aufenthalt im Freien, Sauna und Sport für einen widerstandsfähigen Organismus unter winterlichen Bedingungen. Ein gesundheitsstabilisierender Effekt kann als erwiesen angesehen werden.
Motivation: gesundheitliche Stabilisierung, Abhärtung, Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung, gemeinsames Erleben und Spaß an der ungewöhnlichen, harten Sportart.
Gesundheitliche Effekte:
- allgemeine vegetative Stabilisierung
- verminderte Infektanfälligkeit
- geringere Erkrankungshäufigkeit der oberen Luftwege
- leichterer und kürzerer Krankheitsverlauf
- Belastung des Herz-Kreislaufsystems hält sich in Grenzen – bei gesunden Personen besteht keine Gefährdung
- bei hohem Blutdruck, arteriellen Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Kälteallergien und chronischen Organerkrankungen wie Nierenerkrankungen, gynäkologischen Erkrankungen sollte vom Eisbaden abgesehen werden. Nicht aber bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

Nachweislich erhöht Eisbaden das allgemeine gesundheitliche Wohlbefinden und der Kreislauf ist deutlich stabiler. Stress- und Krisensituationen lassen sich besser bewältigen. In der Gruppe werden Selbstbeherrschung, Selbstüberwindung sowie Gemeinschaftssinn und Verantwortung gefördert.

Die Aufenthaltsdauer im kalten Wasser, wobei Temperaturen bis minus 0,5 Grad erreicht werden können, richtet sich nach der subjektiven Verträglichkeit des Einzelnen, die also individuell verschieden ist.
Sie schwankt zwischen einigen Sekunden bis zu ca. 5 Minuten oder mehr. Bei einzelnen Schwimmern jedoch deutlich darüber – wie bei Sportkameradin Erika Becker, die bei 0 Grad beispielsweise schon 20 Minuten im Wasser blieb.

Vor Übertreibung soll jedoch gewarnt sein, auch sollte jeder Leistungsdruck vermieden werden, daher verzichten die Elsterrobben bei verschiedenen Treffen auf das Abschwimmen vorgegebener Strecken im Zeitlimit.
Vor dem kalten Bad kann man sich durch einen Lauf oder Gymnastik erwärmen, im Anschluss sollte kein den Kreislauf belastender Lauf durchgeführt werden.

Die Elsterrobben pflegen gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit, unter anderem gesellige Zusammenkünfte – auch mit anderen Winterschwimmgruppen in Ostdeutschland - und Wanderungen – insbesondere in der Sommerpause.
Fast alle Mitglieder sind zudem in anderen Sportgruppen aktiv – das reicht von Gymnastik über Aerobic, Volleyball bis zu Walking, Langstreckenlauf und Langstreckenschwimmen.
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