Fußball: Plädoyers für Stunde Null, Waffenstillstand und gebündelte Kräfte - Und nun?

Wann? 30.05.2012

Wo? Karl-Harnisch-Sportpark, Liebschwitzer Straße 116, 07551 Gera DE
Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Dirk Herzig (Foto: Pressefoto der Kanzlei Schultze & Braun)
 
Norbert Kietzmann, der Geschäftsführer des Stadtsportbundes Gera und Vereinsberater leitete die Informationsveranstaltung zur sachlichen Aussprache.
Gera: Karl-Harnisch-Sportpark | Leitung des 1. FC Gera 03 soll eine Vereinsneugründung vorbereiten und Partner suchen / Am 30. Mai endet die Meldefrist zur kommenden Saison /

Eine Mehrheit der fast achtzig versammelten Vereinsmitglieder des 1. FC Gera 03 beauftragte den derzeit amtierenden Arbeitsvorstand am heutigen Freitagabend bei einer Abstimmung mit weiteren Vorbereitungen zur Gründung eines neuen, größeren Fußballvereins. Dabei soll das Gremium zur Fortsetzung von Vorgesprächen auf die BSG Wismut Gera und die Eurotrink Kickers FCL zugehen. Das gilt als Konsequenz aus der erwarteten Abwicklung des Clubs infolge des bereits am 20. März 2012 am Amtsgericht Gera eröffneten Insolvenzverfahrens.

In einer "Informationsveranstaltung mit sachlicher Aussprache" unter Moderation des Vereinsberaters Norbert Kietzmann wollte das Gremium über die aktuelle Lage informieren und sich zur Richtung seiner Arbeit orientieren lassen. Dabei soll vor allem möglichst der leistungsfähige Nachwuchsbereich erhalten werden. Die Zeit dränge bereits. Bis Ende April müsse man Klarheit zur Perspektive schaffen. Denn die eventuelle Gründung eines neuen Vereins solle rechtzeitig abgeschlossen sein, um die Meldefristen des TFV für die kommende Spielzeit einzuhalten. Zur allseitigen Information ließ Kietzmann für diesen Abend über Rederecht auch aller Gäste abstimmen.

Insolvenzverwalter Dr. Dirk Herzig argumentierte, mit dem Insolvenzverfahren sei der Ansatz zu Entschuldung bzw. Neubeginn gegeben. Der 1. FC Gera 03 habe nicht in ausreichendem Maße und verhältnismäßig gewirtschaftet. Neben der fehlenden Liquidität und ausstehenden Spielergehältern der ehemaligen ersten Mannschaft habe er bei der Übernahme ab November 2011 aber viel Bereitschaft und Interesse gespürt, dass der Verein oder dessen Nachwuchsbereich erhalten werden solle. Der Abzug der Oberliga-Mannschaft war folgerichtig, zumal auch 2010 bereits unter kaum ausreichenden Finanzen eine Insolvenz zurückgezogen wurde. Er sähe in den Gesprächen mit benachbarten Vereinen und dem Thüringer Fußballverband ausreichend Übereinstimmung, um den Geraer Nachwuchsteams über die Saison hinaus die Ligen zu erhalten. Dazu könne der Verein auf seine Unterstützung zählen. Herzig sagte, es sei fragwürdig für eine Planinsolvenz noch einmal Geld in die Hand zu nehmen. Er warnte aber vor immer noch denkbaren Nachforderungen an den FC 03. Man stehe nun bei Verhandlungen zur Aufnahme von Gläubigerforderungen in die Insolvenz-Tabelle. Auch die Leitungsdefizite sprächen nicht für die Weiterführung des Vereins.

Der erneute Neubeginn im Geraer Fußball soll möglichst im Rahmen eines größeren Vereins gemacht werden. Für eine Saison mit komplettem Nachwuchs im Spielbetrieb würden etwa 40.000 Euro veranschlagt, informierte FC03-Vorständler Matthias Müller. Da hätten manche anfragenden Vereine die Luft angehalten. Bis zum Ende der aktuellen Serie sei der Spielbetrieb dank des Überschusses aus dem diesjährigen Oldie-Turnier des Fördervereins und der Beiträge noch gesichert. So kann man wohl auf Partnersuche gehen.

Matthias Müller sieht im Wesentlichen zwei mögliche Alternativen: Beide beginnen mit der Neugründung eines Vereins, der dann formal-juristisch schuldenfrei sei. Variante eins wäre ein Zusammengehen unter neuem Dach und Namen mit einem Verein wie der BSG Wismut Gera oder Eurotrink FCL. Wismuts Männermannschaft und die Nachwuchsbereiche würden sich ergänzen. Die Stadt habe Unterstützung für den Fall zugesagt, dass mit der Neugründung ein Verein entstünde, der sich zum Ziel setzt überregional einzugreifen. Das Engagement würde für den Fall über städtische Tochterunternehmen realisiert, ergänzte dazu Dieter Müller (1. SV Gera), der als Vermittler durch die Erstgespräche zwischen den Vereinen führte. Drei Kandidaten auf das Oberbürgermeisteramt hätten sich in einer Wahl-Talkrunde über den Geraer Sport positiv dazu erklärt.
Die andere Alternative wäre die Neugründung eines Vereins in alleiniger Regie. Der stünde vermutlich zunächst ohne Sponsoren da, bekräftigten in der Aussprache auch mehrere Mitglieder des FC03-Aufsichtsrats. Derzeit habe der Verein keine Sponsoren mehr. Manche stellten aber Engagement in Aussicht. Im Hintergrund geht es dabei auch um die Beendigung der schweren Grabenkämpfe zwischen den bisher dominierenden Vereinen in Gera, die dem Fußball schaden und den Sport behindern. "Die Sponsoren gehen nur in die Offensive, wenn die Bekämpfung aufhört.", sprach Müller das unverblümt aus, ohne dabei mögliche Probleme mit Fangruppen usw. verkennen zu wollen.

Auf Nachfragen aus dem Auditorium wurde konkretisiert: Eine Fusion solle es nicht geben, weil damit Schulden übernommen würden. Daher die Neugründung. Vorstände müssten im Fall von einer ersten Mitgliederversammlung bestimmt werden. Dafür sei man eher auf der Suche nach neutralen Persönlichkeiten. Die Mannschaften könnten in Absprache mit dem Thüringer Fußballverband in ihren derzeitigen Spielklassen verbleiben, wenn fünfzig Prozent der Spieler plus einer mitgehen. Allerdings erwartet der TFV dazu ein Konzept. Nachwuchstrainer Steffen Hadlich brachte mehrfach die Verhandlung mit Eurotrink ins Gespräch. Dagegen spräche Interesse möglicher Sponsoren an den höheren Spielklassen. Der Nachwuchs brauche Perspektiven, betonte Dr. Klaus-Peter Wattenbach. im Sinne der einmaligen Chance einer Großgründung. Wismut-Vorstand Hermann Just signalisierte als Gast der Veranstaltung Verhandlungsinteresse. Er habe bereits im Februar den Vorschlag zur Gründung eines großen Vereins ins Gespräch gebracht.
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