Gemütlich in der Diesellok. Verein Geraer Eisenbahnwelten hat im wahrsten Sinne des Wortes Großes vor

Noch sitzt Lars Naumann mit seiner Kaffeetasse vor der Diesellok. Das wird sich ändern.
 
Schnaps im Silbersee geben das erste Konzert im Geraer Lokschuppen.
Gera: Geraer Eisenbahnwelten | Können Sie eine alte Diesellok gebrauchen? Eine der Baureihe mit dem Spitznamen U-Boot? Für den Vorgarten wird sie wohl zu groß. Gut aufgehoben ist die Mitteldeutsche Eisenbahngesellschaft (MEG) mit einer derartigen Frage bei den Eisenbahntraditionsvereinen, beispielsweise dem Verein Geraer Eisenbahnwelten. So geschehen vor zwei Jahren. „Wir sind gefragt worden, ob wir die Lok fürs Museum haben möchten“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Lars Naumann.

Die Lok allerdings aus eigener Kraft wieder zum Rollen zu bringen, ist ein Ding der Unmöglichkeit: 1983 in Rumänien gebaut, 30 Jahre auf Thüringens Schienen rund um Gera unterwegs gewesen, wurde sie 2004 außer Dienst gestellt und musste als Ersatzteilspender herhalten. Geblieben sind sozusagen nur noch das Fahrgestell und die äußere Hülle. „Was sollen wir mit so einer Lok? Die beiden Motoren fehlen. Der Großteil der Führerstände war ausgeschlachtet. Nein, die können wir nicht gebrauchen!“, so Naumann.

Das war die anfängliche Meinung im Verein. Von außen betrachtet ist die 229-184 mit ihren bullaugenartigen Fenstern an der Seite ja tiptop in Ordnung. Wie wär’s, die Lok mal ganz anders zu nutzen? Könnte man nicht ein Café darin einrichten? Die Idee stieß auf Gefallen. „Das sind etwa drei mal 15 Meter. Auf denen kann man schon etwas machen“, sinniert Naumann und sieht das Café bereits vor Augen, „Ja, wir nehmen die Lok“.

Wir dachten ursprünglich, dass wir das Café in einem Jahr fertig bekommen. Aber es gestaltet sich aufwändiger“, muss sich der Vereinsvorsitzende in Geduld üben. Seit etwa einem dreiviertel Jahr werkeln die Vereinsmitglieder an der Lok, haben erst mal den Raum geschaffen, dass man sich frei bewegen kann. Durch die kleinen Bullaugen würde zu wenig Tageslicht ins Innere gelangen. So soll das Dach teilweise durch Plexiglas ersetzt werden – schon allein aus finanziellem Aspekt keine einfach zu stemmende Aufgabe für den Verein. Die nächste zu bestehende Herausforderung ist der durch die Stahlträger unebene Fußboden. Hier soll Flüssigbeton zum Einsatz kommen. Einfach per Trockenbau auf eine Schüttung Spanplatten und ein paar Dielen aufbringen ist nicht. „Der Lok fehlt es durch die beiden ausgebauten Motoren an Gewicht, rund 50 Tonnen. Wir wollen sie nach dem Ausbau noch rangieren können. Wenn sie zu leicht ist, könnte sie entgleisen“, befürchtet Naumann. So ist der Verein derzeit auf der Suche nach einem Bauunternehmen, dass etwa sieben Kubikmeter Flüssigbeton sponsern würde. Und erst, wenn der drin ist, kann der Innenausbau erfolgen. Nicht zu vergessen, dass auch einer der beiden Führerstände wieder hergerichtet werden soll.

Wenn alles gut läuft, könnte es beim kommenden Eisenbahnfrühling am ersten Maiwochenende nächsten Jahres Kaffee und Kuchen in der Lok geben. Und zwischen den beiden jährlichen Großveranstaltungen des Vereins - die verkehrshistorischen Tage immer am zweiten Septemberwochenende zählen auch dazu - könnte das Lok-Café für Geburtstagsfeiern oder ähnliches gebucht werden.

Das Café ist nicht das einzige Projekt, das derzeit vorangetrieben wird. Auf dem 105-jährigen Gelände fallen ständig Arbeiten an. Dem markanten Wasserturm fehlt seit Oktober die Haube. Rost und jede Menge Löcher im Blech, wo man hinschaut. Das Gerüst für die Haube konnte größtenteils gerettet und bereits gesandstrahlt werden. „Dank Förderer konnten wir auch einige Streben ersetzen“, freut sich Naumann. Die Bleche werden derzeit nachgefertigt. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Haube mit Fahne und Geraer Wappen wieder an ihrem angestammten Platz kommt.

Nächstes Projekt ist die Kleinlokomotive Typ Köf. Die bekommt gerade ihre Hauptuntersuchung und soll im November fertig sein. Dann wird sie zur „Fahrschul-Lok“. „Wir möchten auf ihr Ehrenlokführer ausbilden, erklärt Naumann. Zu den großen Vereinsfesten sind für Interessenten durchaus Mitfahrten in den Führerständen der Lokomotiven möglich. Selbst fahren ist tabu. Das Thema weckt immer wieder Interesse. So soll es künftig ein Tagesseminar geben, wo theoretisches Eisenbahngrundwissen und die Praxis auf der Köf vermittelt werden sollen. Da dürfte das Herz der Eisenbahnfans höher schlagen: Mit der Köf auf dem ehemaligen Geraer Bahnbetriebsgelände selbst rangieren!

Natürlich mangelt es für die Vereinsmitglieder auch ansonsten nicht an Beschäftigung. Der Zahn der Zeit nagt auch am Lokschuppen, da gibt es ständig etwas in Ordnung zu bringen. Nicht zu vergessen die Verkehrshistorischen Tage, die vorbereitet werden wollen.

5. Verkehrshistorische Tage am 12./13. September

Bahnbetriebswerk Gera, Theaterstraße 50
Jeweils ab 10 Uhr
Führerstandmitfahrten auf einer Dampflok
Spielzeug- und Modellbahnausstellung
Pendelfahrten mit einem historischen Bus zum Straßenbahnmuseum sowie vieles mehr
Konzert am Samstag, 19 Uhr, mit der Berliner Band "Schnaps im Silbersee" im Lokschuppen
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