Konstruktive Gespräche bei Podiumsdiskussion "Wir für das KuK Gera"

1. Podiumsrunde (von links): Stephan Papperitz (Berater im Genossenschaftsverband, Geschäftsstelle Dresden), Dr. Frank Rühling (Fachdienstleiter Kultur der Stadt Gera), Moderator Maik Fabisch, Ronny Häberer (Vorsitzender des Vereins "Wir für das KuK Gera), Uwe Rüdiger (Vorsitzender der Piraten Gera).
 
Über 200 Interessenten folgten der Einladung zur Podiumsdiskussion ins Kultur- und Kongresszentrum Gera.
 
Über 200 Interessenten folgten der Einladung zur Podiumsdiskussion ins Kultur- und Kongresszentrum Gera.
Gera: Kultur- und Kongresszentrum Gera | Über 200 Gäste folgten am Freitagabend dem Aufruf des Vereins „Wir für das KuK Gera e.V.“ zur Podiumsdiskussion in das Haus, das der Verein erhalten möchte. Vorsitzender Ronny Häberer stellte anfangs den 26-köpfigen Verein und dessen Entstehung vor und betonte gleich von den ersten Worten an, dass man nicht bestrebt sei, als Verein die Leitung des KuK zu übernehmen, sondern vielmehr das Haus zu erhalten. „Das KuK darf als größtes Veranstaltungshaus in Ostthüringen nicht von der Bildfläche verschwinden“, mahnte Häberer. In welcher eigenen Organisationsform man dies künftig bewerkstelligen möchte, ließ der Vorsitzende noch offen. Denkbar wäre dies als Verein. Aber immer öfter spricht man im Verein über eine zu gründende Genossenschaft.

Mit auf der Podiumsbühne saß Dr. Frank Rühling, Fachdienstleiter Kultur der Stadt Gera. Er stellte nochmals klar, dass zum 1. Januar 2015 nicht das Haus geschlossen, sondern nur der Veranstaltungsbetrieb eingestellt wird. Er äußerte sich lobend über das privat initiierte Engagement für das KuK und dass es die Initiatoren in so kurzer Zeit geschafft haben, einen Verein zu gründen. Rühling hat die Zwangslage der Stadt Gera erklärt: Sie sei aufgrund der Haushaltslage verpflichtet, Geld bei den freiwilligen Leistungen einzusparen.

Kurzfristig als Moderator an diesem Abend eingesprungen, wollte Maik Fabisch von Rühling den Investitionsstau näher erläutert haben. Man spreche von 2,1 Millionen Euro. Rein äußerlich - wenn auch nicht modern aussehend - sei das Haus noch in Ordnung. Der Investitionsstau betrifft laut Rühling vor allem die Haustechnik, die größtenteils noch aus den ersten Tagen des Hauses stammt. Das Vorhandensein einer szenischen Beleuchtungsanlage sei heute Standard. Derzeit müssen Veranstalter ihre Beleuchtungsanlage selbst mitbringen oder sie wird kostenpflichtig angemietet. Zweites großes Thema ist der Brandschutz. Klar könne man dies auch mit einem größeren Personalaufwand ausgleichen. Was wiederum zu höheren Personalkosten führt. Zudem sprach Rühling die Kälteversorgung an. Derzeit beziehe das Haus noch Fernkälte, die man für die Klimatisierung der Veranstaltungsräume im Sommer benötigt. „Die wird es ab 2015 definitiv nicht mehr geben. Mit der Investition von 2,1 Millionen Euro wäre das Nötigste getan“, erklärt Rühling und fährt im gleichen Atemzug fort, dass der Eigenbetrieb Kultur aber noch 1,24 Millionen Euro jährlich an Betriebskosten von der Stadt erhält. „Die Stadt ist in einer Situation, in der sie nicht aus dem Vollen schöpfen kann. Und dennoch wollen wir das KuK nicht missen. Der Veranstaltungsbetrieb soll weiter gehen“, so Rühling.

Der Verein „Wir für das KuK Gera“ tendiert zunehmend zur Gründung einer Genossenschaft. Als Fachmann auf diesem Gebiet hat man für diesen Abend Stephan Papperitz vom Genossenschaftsverband ins Podium geholt. Er erklärte eindrucksvoll, wie durch die Gründung einer Genossenschaft die Festhalle Annaberg mittlerweile erfolgreich betrieben wird. Im Gegensatz zu Gera befand sich dort sogar das Haus selbst in einem desolaten Zustand. Ähnlich wie in Gera waren es Privatpersonen, die die Initiative zum Erhalt und der Fortführung ergriffen haben. Heute habe die Genossenschaft 50 Mitglieder und sie können laut Papperitz stolz auf das Erreichte sein. Und das sei kein Einzelbeispiel in Deutschland.

Vereinsvorsitzender Ronny Häberer griff das Thema Genossenschaft auf und versicherte: „Wir bleiben am Ball!“. Nächsten Monat wolle man einen Runden Tisch gründen. Bei dessen Zusammenkünften soll die Gründung einer Genossenschaft besprochen werden. Auf die Frage des Moderators, ob man sich am soeben eröffneten Interessenbekundungsverfahren der Stadt Gera für das KuK beteilige, kam von Häberer ein eindeutiges „Ja!“ Gleichwohl versicherte Häberer, dass das Konzept für den Weiterbetrieb steht. Mit den Worten: „Uns fehlen nur noch ein paar Zahlen“, wandte er sich an Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. Wie der Allgemeine Anzeiger berichtete, wurden dem Verein die notwendigen Bilanzen noch nicht vorgelegt.

Ob der folgende Stuhlwechsel im Podium ein Glücksgriff war, wurde bereits vor der Veranstaltung infrage gestellt. Kommunalpolitiker hatten im Podium Platz genommen. Die vorab geäußerte Befürchtung, dass man sich derzeit im Wahlkampf befinde, stellte sich nicht als grundlos dar. Unabhängig der politischen Gesinnung kamen die Vertreter der Piraten, Die Linken, der Grünen, der SPD, der Wählervereinigung AFG und der Bürgerschaft Gera zu dem Schluss, dass das KuK erhalten werden müsse – wenn auch mit unterschiedlicher Wortwahl. Ebenso wurde die Gründung des Vereins positiv bewertet. Unter anderem meinten SPD-Fraktionsvorsitzender Armin Allgäuer und Regina Pfeiler von den Geraer Grünen, dass sich die Stadt keinesfalls aus der Verantwortung ziehen dürfe.

Auf die konkrete Frage von Fabisch, woher das dringend notwendige Geld kommen soll, gab es weitschweifende Wortgefechte innerhalb des Podiums, die insbesondere dem Verein eher keine neuen Erkenntnisse brachten.

In der anschließenden Bürgerfragestunde wollte ein Bürger von Dr. Viola Hahn wissen, welches Konzept sie zur Erhaltung des KuK habe. „Natürlich wollen wir das KuK erhalten“, betonte sie und sprach von einer großartigen Idee, dass der Verein jetzt eine Genossenschaft gründen möchte. Wie man allerdings konkret als Stadt helfen könne, gab sie eher nicht preis. Das sorgte dann auch für großen Beifall, als der nächste Bürger zum Mikrofon griff und seine Worte an die Oberbürgermeisterin richtete: „Da haben Sie wieder schön um den heißen Brei herum geredet!“.

Auch in der anschließenden Diskussion kam es zu Schuldzuweisungen, wie die Stadt Gera überhaupt in diese prekäre Lage gekommen ist. Vereinsvorsitzender Ronny Häberer stellte eindeutig klar, dass es nicht Gegenstand der Veranstaltung ist, diesbezügliche Dinge zu klären: „Wir wollen nach vorne schauen, nicht nach hinten!“. Von ein paar Ausrutschern abgesehen, bezeichnet er die Gespräche an diesem Abend als konstruktiv. „Wir haben die Chance genutzt, uns als Verein vorzustellen“. In die Zukunft blickend ist er sich sicher: „Wir werden definitiv eng mit der Stadt zusammenarbeiten!“.

Mehr zum Thema Kultur- und Kongresszentrum und dem Verein "Wir für das KuK Gera":

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/kultur-und-...
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13 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 15.02.2014 | 13:07  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 15.02.2014 | 13:30  
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Steffen Weiß aus Gera | 15.02.2014 | 13:35  
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Steffen Weiß aus Gera | 15.02.2014 | 13:36  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.02.2014 | 18:31  
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Steffen Weiß aus Gera | 15.02.2014 | 19:43  
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Maritta Byhan aus Hermsdorf | 16.02.2014 | 12:04  
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Maritta Byhan aus Hermsdorf | 16.02.2014 | 14:28  
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