Max ist kein Einzelfall. Verein Autismus Ostthüringen gibt Hilfe und Unterstützung

Susan Kirchner ist Vorsitzende des Vereins Autismus Ostthüringen.
Max (Name von der Redaktion geändert) ist gerade mal ein Jahr. Irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Irgendetwas ist nicht so, wie es sein sollte. Die Reise zu den verschiedensten Ärzten beginnt. Immer wieder wird den Eltern bestätigt, dass er ganz normal ist. Bei Jungs könne es vorkommen, dass sie sich später entwickeln.

Mit anderthalb Jahren kommt Max in den Kindergarten. Hier werden die Befürchtungen der Eltern erstmals bestätigt. Max gibt sich sehr unruhig. Mit anderen Kindern kommt er nur schwer zurecht. Er benötige erhöhten Förderbedarf, wurde den Eltern mitgeteilt. Wechsel an eine Integrative Einrichtung. Hier stellt sich heraus, dass er mit seiner sprachlichen Entwicklung mit Gleichaltrigen nicht mithält. Die Ärzte-Odyssee geht weiter: Ohrenarzt, genetische Untersuchungen. Alles okay.

Das Verhalten von Max entwickelt sich negativ. Er ist aggressiv. Überweisung zur Kinder- und Jugendpsychiatrie Stadtroda. Diagnose: Atypischer Autismus. Max ist mittlerweile fünf Jahre! Vier Jahre vergingen, bis Ärzte seine Behinderung erkennen! Vier Jahre vergingen, wo die Eltern vertröstet wurden. Vier Jahre vergingen, in denen Max bereits hätte therapiert werden müssen.

„Max ist leider kein Einzelfall“, weiß Susan Kirchner, Vorsitzende des Vereins Autismus Ostthüringen. „Eltern sollten sich bei Verhaltensauffälligkeiten trauen, Ärzte zu konsultieren – auch wenn sie sagen, das Kind sei normal. Autismus ist nicht einfach zu erkennen. Die Symptome hierfür sind vielfältig.“ Autismus ist keine Krankheit, die heilbar ist. Autismus ist eine Behinderung, die einer Therapie bedarf. Desto eher mit der Therapie begonnen wird, desto mehr kann erreicht werden.

Je nach Ausrichtung der Behinderung können Eltern Unterstützung beim Jugend- beziehungsweise Sozialamt beantragen. Infrage kommen unter anderem die Frühförderung im Kindergarten, eine Schulbegleitung, die Unterstützung während der Berufsausbildung und autismusspezifische Förderungen. „Leider kommt es immer wieder zu Komplikationen bei der Umsetzung. Hilfen werden nicht bewilligt. Diagnosen werden von den Ämtern infrage gestellt. Es vergeht zu viel Zeit bis zur Bewilligung“, erklärt Kirchner aus Erfahrung.

Hilfe finden Betroffene im 2012 gegründeten Verein. Der zählt derzeit 17 Mitglieder, die sich aus betroffenen Eltern und Fachkräften zusammensetzen. Einmal monatlich treffen sich die Vereinsmitglieder. Nicht im Verein organisierte Interessenten sind herzlich willkommen. „Wir sind auch noch auf der Suche nach weiteren Fachkräften und Ärzten. Wir haben bereits viel erreicht. Aber noch nicht das, was wir uns wünschen: Ein Autismuszentrum, in dem Förderung und Beratung stattfindet.“, so Susan Kirchner.

Die nächste Mitgliederversammlung mit offenem Elternabend findet am 23. Februar, 18 Uhr, in den Räumen des Streetwork Gera, Am Bärenweg 9, statt. Weitere diesbezügliche Vereine gibt es in Thüringen in Hermsdorf, Erfurt und Nordhausen.

Kontakt:

www.autismus-ostthueringen.de
Telefon 0152/56106230
Mehr zum Thema auch unter www.autismus.de
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3 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 04.02.2015 | 11:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 07.02.2015 | 21:41  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.02.2015 | 22:20  
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