Möchten das KuK retten. Facebook-Initiative von Jürgen Schaab "Wir für das KuK Gera" nimmt Fahrt auf

Bemühen sich darum, dass die Lichter am 31. Dezember 2014 im Kultur- und Kongresszentrum nicht ausgehen: Jürgen Schaab (von vorne), Adina Kraft, Fayme Feliciano, Jörg Schmidt, Ronny Häberer und Joachim Poppschötz.
 
Für Gera wäre es eine Katastrophe, wenn im KuK alle Schalter auf "0" gestellt werden.
 
Man spricht von einem Investitionsstau im KuK. Die Technik ist veraltet, erfuhr seit der Eröffnung kaum Investitionen.
Gera: Kultur- und Kongresszentrum Gera | Er ist von Geburt an Geraer und möchte es auch bleiben: Jürgen Schaab. Derzeit eine Umschulung in der Immobilienbranche machend, interessiert den 55-jährigen das Geschehen in der Stadt Gera. Dabei gehört er zu der Kategorie Menschen, die nicht den Zeigefinger Schuld zuweisend erheben, wer für die aktuelle Lage in Gera verantwortlich ist.

Bei der jüngsten Bürgersprechstunde im Rathaus anwesend, erfuhr Schaab, dass das Kultur- und Kongresszentrum ab 1. Januar 2015 geschlossen wird, wenn kein Investor gefunden wird. Das Thema ließ ihm keine Ruhe. „Wäre es nicht möglich, das KuK mit Hilfe der Geraer Bürger zu erhalten? Natürlich muss das Haus im Eigentum der Stadt bleiben und es muss ein konstruktives Konzept geben“, so seine Gedanken.

Um herauszufinden, ob die Geraer mitziehen würden, gründete Schaab auf Facebook die Gruppe „Wir für das KuK Gera“. Die Seite schlug ein wie eine Bombe und stieß auf großes Interesse. Allerdings kamen wenig konstruktive Vorschläge. „Wie so oft: Jede Menge Gemecker von Menschen, die von der Couch aus eine große Gusche haben, aber eigentlich doch nicht mit anpacken wollen“, resümiert Schaab. Mittels vieler persönlicher Nachrichten und Gespräche trennte Schaab die sprichwörtliche Spreu vom Weizen. Übrig geblieben ist ein Dutzend Interessenten, die zusammen die Arbeitsgruppe KuK Gera bilden: Fayme Feliciano, Conny Häberer, Jörg Schmidt, Joachim Poppschötz, Marcel Blümm, Ronny Häberer, Andreas Täube, Norbert Geißler, Jürgen Schaab, Mario Potyka, Adina Kraft und Tobias Krieg.

Vergangenen Donnerstag hat sich die Arbeitsgruppe erstmals getroffen. Sich persönlich kennen lernen, erste Funktionsverteilungen und natürlich die Diskussion, was man gemeinsam bewegen möchte und wie dies geschehen könnte, standen auf der Tagesordnung. Als Gast nahm an dem Treffen Jörg Rauschning teil. Eingeladen war zudem Andreas Schmidt-Schaller vom KuK, der allerdings nicht erschien.

Der Initiator der Arbeitsgruppe umriss anfangs nochmals seine Grundgedanken. Sein Vorhaben, das KuK zu erhalten, schaffe er nicht allein. Deshalb hat er Mitstreiter um sich geschart, die es mit Fachwissen und vor allem viel Mut gemeinsam angehen. Schaab betonte, dass die gemachten Fehler, die jetzt zur anstehenden Schließung des KuK führen, nicht erst seit heute bestehen, sondern schon viel früher gemacht wurden. Gleichwohl wisse er nicht so richtig, in welcher Form man das KuK unterstützen und die drohende Schließung abwenden könnte.

Als Hauptredner der ersten Gesprächsrunde stellte sich Norbert Geißler heraus. Bis vor kurzem selbst noch selbstständig, ist er Ortsteilbürgermeister von Milbitz/Thieschitz/Rubitz. Er ist ein Mann, der auf Fakten steht. Dementsprechend klärte er auf, was in der Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen immer wieder falsch kommuniziert wurde. Nach seiner Auskunft läuft die derzeitige Betriebsgenehmigung des Kultur- und Kongresszentrums am 31. Dezember 2014 aus. Für eine Neuerteilung bedarf es zahlreicher Investitionen, um die bauaufsichtlichen und brandschutztechnischen Auflagen zu erfüllen. „Die dafür notwendigen Mittel hat die Stadt Gera nicht“, so Geißler. Er stellte eindringlich klar, dass weder der Stadtrat noch die Oberbürgermeisterin Hahn das KuK schließen möchten. Aber es gibt einen Investitionsstau. Und dem werde man in der Stadt nicht Herr. Die Suche nach einem Investor findet Geißler aberwitzig: „Für Investoren wäre ein Neubau preiswerter, als das KuK zu erhalten“.

Ob nun als Interessengemeinschaft oder als Verein, man müsse konstruktiv nach Ideen suchen, wie das KuK erhalten werden kann. Aus diesen Ideen muss laut Geißler ein tragfähiges Konzept erstellt werden. Der Ortsteilbürgermeister zeigte sich begeistert, dass sich Menschen zusammenfinden, die das KuK erhalten möchten - auch wenn erste Ideen dazu womöglich Spinnerei sind. Er schlug an diesem Abend vor, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass man sich diesbezüglich an Rechte und Pflichten halten muss.

Einen Erhalt über das Schließdatum 31. Dezember 2014 hinaus sieht Geißler nur möglich, wenn ein Großsponsor gefunden wird. Er denkt dabei an die Handhabe wie bei großen Stadien. Als Gegenleistung könne der Sponsor dann vier, fünf Großveranstaltungen pro Jahr im KuK durchführen, ohne dafür Miete zahlen zu müssen. „Selbst diese Veranstaltungen hätten einen Mehrwert für unsere Stadt“, ist er sich sicher und denkt dabei an Übernachtungen in Gera und, und, und.

Einen ganz wichtigen Punkt für die Überlebensfähigkeit des KuK sieht Geißler darin, die anfallenden laufenden Kosten auf den Prüfstand zu stellen: „Müssen es so viele Bedienstete sein?“. Dabei zog er einen Vergleich zum gleich großen Jena, wo die Stadt 800 Bedienstete hat – in Gera sind es 1200!

Der Ortsteilbürgermeister kam zudem auf den Punkt zu sprechen, dass der Großteil der Geraer nur meckert, dass nichts los sei in der Stadt. Und genau diese Leute seien bei Veranstaltungen im KuK aber nicht zu sehen. Darauf begegnete ihm Adina Kraft, dass Gera eine hohe Anzahl von Arbeitslosen hat, die logischerweise nicht das Geld dafür haben, ständig Veranstaltungen zu besuchen. Mit einem gewissen Schmunzeln erinnerte Geißler an die Eröffnung des Elektronikmarktes in den Gera-Arcaden, der förmlich eingerannt wurde. Die Eröffnung sei die beste in ganz Deutschland gewesen. Den Schluss zu ziehen, ob Geraer tatsächlich kein Geld haben, überließ er jedem selbst.

Nächster wichtiger Punkt für Norbert Geißler: „Wir dürfen uns nicht von Parteien oder Organisationen instrumentalisieren lassen“. Und der Sanierungsstau müsse weg. Es müsste erst mal geklärt werden, an welchen Stellen Investitionen am dringendsten sind. Hierfür muss ein Gutachten erstellt werden. So etwas in Auftrag zu geben, sei man als Verein sogar handlungsfähiger als die Stadt, erklärte Geißler.

Auf die Frage von Schaab, ob man das Haus als Verein betreiben könnte, meinte Geißler: „Es muss ein anständiges Konzept her, das rund und schlüssig ist und von der Stadt mit getragen wird. Dann kann es funktionieren“. Wer als Sponsor infrage käme, wollte Adina Kraft wissen. „Jeder, der Interesse an Kultur hat“, so Geißler.

In der großen Runde der Arbeitsgruppe fallen erste Schlagwörter zu Ideen für neue Veranstaltungen. Da ist unterem anderem die Rede von Benefiz- und Sportveranstaltungen, Flohmärkten, Ausstellungen, Konferenzen, Symposien für Ärzte in Zusammenarbeit mit dem SRH-Waldklinikum, Gothic-Konzerte, Jugendweihe, Veranstaltungen für Kinder. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sehen viele Möglichkeiten, auch auf musikalischem Gebiet. „Wenn man die Bookingagenturen nicht anspricht, können die Künstler nicht kommen“, kommentiert Poppschötz die bisherige Arbeitsweise der KuK-Crew und Marcel Blümm vermutet sogar schon den sogenannten Tunnelblick bei den jahrelang im KuK Beschäftigten. Geißler sieht das ähnlich: „Das Veranstaltungsmanagement des Hauses macht nicht mehr, als notwendig. Sie sollten nicht Wert darauf legen, bei ihrer Chefin zu glänzen, sondern beim Volk!“. Trends sind schnelllebig. Da müsse man das Ohr am Volk haben.

Jürgen Schaab zieht Fazit und die Arbeitsgruppe ist sich einig: „Wir müssen einen Verein gründen“. Bis zum nächsten Treffen soll das Konzept stehen. Benannt wurden noch folgende Funktionen innerhalb der Arbeitsgruppe. Leiter ist Jürgen Schaab, Stellvertreter Marcel Blümm, Norbert Geißler tritt als Berater auf, für die Jugendarbeit ist Ronny Häberer zuständig, Joachim Poppschötz ist Schriftführer und für die Öffentlichkeitsarbeit tragen Fayme Feliciano und Adina Kraft Verantwortung. Das nächste Treffen findet am Donnerstag, dem 28. November, statt.

Mehr zum Thema Kultur- und Kongresszentrum:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/kultur-und-...
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4 Kommentare
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Joachim Poppschötz aus Gera | 26.11.2013 | 23:34  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 27.11.2013 | 14:05  
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Steffen Weiß aus Gera | 28.11.2013 | 10:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.11.2013 | 11:36  
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