Tot gequatscht: Verein "Wir für das KuK Gera" e.V. am Ende?

Sind vorhin nach Beendigung des Runden Tisches von ihrem Vorstandsamt zurück getreten: Marcel Blümm (von links), Conny und Ronny Häberer.
 
Von rechts: Frank Rüdiger, Vereinsmitglied Ernst Dietrich Färber, amtierender Vorsitzender Jürgen Schaab, Pressesprecher Ronny Häberer, Vereinsmitglied Monika Hofmann, interessierter Bürger Hans Klotz, Heidi Heusinger.
 
16 Interessenten nahmen am Runden Tisch teil. Später kamen noch Vorstandsmitglieder des Vereins Wir für das KuK Gera und weitere Mitglieder hinzu.
 
Ronny Häberer entschuldigt sich für gemachte Fehler im Verein.
Es sollte der erste Runde Tisch des Vereins "Wir für das KuK Gera" sein. War es ja auch mit 16 Gästen. Aber es passierten merkwürdige Dinge. Zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung rückten drei Vorstandsmitglieder plus weitere Vereinsmitglieder ein. Eine halbe Stunde hörten sie größtenteils in der Ecke stehend den Ausführungen zu. Unter ihnen Pressesprecher Ronny Häberer. Er meinte, das innerhalb des Vereins Fehler gemacht wurden. "Ich möchte mich dafür entschuldigen. Es ist in letzter Zeit viel Unruhe entstanden, auch durch uns selbst verursacht". Man merkte ihm an, dass es ihm schwer viel, vom "Wir" zu sprechen - aber schließlich verlange dies der Verein. "Ich bin enttäuscht und ich habe einen Entschluss gefasst, den ich Herrn Schaab nachher mitteilen möchte", so Häberer.

Keiner in der Runde ging auf diese Worte ein. Minuten später - noch vor Ende des Runden Tisches - verließ die Gruppe wieder geschlossen die Veranstaltung. Sie warteten vor dem Rathaussaal.

Nach dem Runden Tisch setzten sie ihr eigentliches Vorhaben um: Die Vorstandsmitglieder Conny und Ronny Häberer und Marcel Blümm haben ihren Rücktritt erklärt. Somit besteht der Vorstand nur noch aus Jürgen Schaab und der Verein ist handliungsunfähig.

Schaab indes reagierte verdutzt: "Warum das denn jetzt?" Gleichzeitig verwies er darauf, dass das rechtlich so nicht korrekt sei. Ganz beiläufig meinte er aber auch, dass "man den Laden jetzt einfach zuschließen kann. Da machen wir eben Schicht im Schacht". Ganz so friedlich und freundlich liefen nicht alle Gespräche in der Runde. Es waren Beschimpfungen und Vorwürfe zu hören, wie man sie bereits auf Facebook lesen konnte.

Zum eigentlichen Runden Tisch. Neue Erkenntnisse in dem Sinn gab es nicht. Vereinsmitglied Ernst-Dietrich Färber stellte nochmals die Idee der Genossenschaft vor. Einzig ein Gast der Veranstaltung, Hans Klotz, sprach vom erbärmlichen Zustand des Vereins: "Die Bürger werden derzeit doch eher abgeschreckt, Interesse zu haben, dem Verein beizutreten!". Er fragte, wer denn derzeit im Verein überhaupt das Sagen hat. Er bekam zur Antwort, dass Jürgen Schaab der amtierende Vorsitzende ist.

Weitere Informationen zum eigentlichen Runden Tisch folgen unten im Kommentar.


Rückblick:

- 02.10.1981 Eröffnung Haus der Kultur Gera mit einer Festveranstaltung im Beisein des Kulturministers der DDR Kurt Hager

- 1991 Umbenennung in Kultur- und Kongreßzentrum (KuK)

- In all den Jahren wurde es versäumt, das KuK durch Investitionen auf dem notwendigen Stand der Technik zu halten

- Mitte November 2013 beschließen die Stadträte im zweiten Anlauf das Haushaltssicherungskonzept der Stadt Gera. Das knapp 400-seitige Papier sieht auch die Einstellung des Veranstaltungsbetriebs im KuK ab dem 1.1.2015 vor, sofern nicht zuvor ein Investor gefunden wird. Die Stadt sieht sich nicht in der Lage, dringend notwendige Investitionen in Höhe von 2,1 Millionen Euro zu finanzieren.

- Zur darauf folgenden Bürgersprechstunde erfährt Jürgen Schaab aus Gera von der drohenden Schließung. Er will sich nicht damit abfinden und gründet auf Facebook die Gruppe „Wir für das KuK Gera“. Über diese Plattform teilt er öffentlich mit, dass das KuK erhalten bleiben muss. Die Privatinitiative findet großen Zuspruch unter der Geraer Bevölkerung. Auf Facebook wird rege diskutiert, größtenteils positiv.

- Die Mitgliederzahlen der Facebook-Gruppe schnellen in den ersten Tagen nach oben. Neben der öffentlich zu lesenden Diskussion filtert Jürgen Schaab per persönlicher Nachrichten und zahlreichen Telefongesprächen Interessenten für eine enge Zusammenarbeit.

- Ein erstes gemeinsames Treffen wird für den 21. November 2013 organisiert.

- Voller Elan wird an diesem Abend die Arbeitsgruppe „Wir für das KuK Gera“ gegründet. Erste Ideen, wie das Veranstaltungshaus gerettet werden könnte, werden besprochen. Anwesend am ersten Treffen waren Ronny Häberer, Jörg Schmidt, Adina Kraft, Jörg Rauschning (als Gast), Joachim Poppschötz, Norbert Geißler (als Gast), Jürgen Schaab, Andreas Täube, Tobias Krieg und Marcel Blümm. Man ist sich einig, dass man, um die gemeinsamen Ziele erreichen zu können, einen Verein gründen muss. Mehr darüber: http://www.meinanzeiger.de/gera/vereine/moechten-d...

- Die Mitglieder der Arbeitsgruppe treffen sich fortan wöchentlich.

- Beim dritten Treffen werden die Vereinsgründung und die Vereinsziele besprochen. Am 14. Dezember 2013 wird der Verein „Wir für das KuK Gera“ gegründet. Vorsitzender ist Jürgen Schaab, Stellvertreter Marcel Blümm, Pressesprecher Ronny Häber und für Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich Fayme Feliciano.

- Gleichzeitig werden erste Kontakte zum KuK geknüpft. Erste Gespräche finden unter anderem mit dem Fachdienstleiter Kultur, Dr. Frank Rühling, und Frau Zetzsche vom KuK-Marketing statt. Es gibt Hausbegehungen. Der neu gegründete Verein wird von den Verantwortlichen der Stadt wahrgenommen.

- Am 22. Januar 2014 erfolgt die offizielle Eintragung des Vereins in das Vereinsregister. Die Zahl der Gruppenmitglieder auf Facebook wächst weiter. Von wenigen KuK-Gegnern abgesehen verläuft die Diskussion größtenteils sachlich.

- Da sich der Verein noch nicht persönlich der Öffentlichkeit vorgestellt hat, wird eine Podiumsdiskussion als öffentliche Veranstaltung für den 14. Februar 2014 organisiert. Mehr darüber ist hier zu erfahren: http://www.meinanzeiger.de/gera/vereine/na-kuck-ma...

- Ohne ordnungsgemäße Wahl und Sitzungsprotokoll wird Ronny Häberer einen Tag vor der Podiumsdiskussion von Jürgen Schaab zum Vorsitzenden gemacht. Er selbst übernimmt den Posten des Pressesprechers. Schaab erklärt dies mit gesundheitlichen Gründen.

- Zur Podiumsdiskussion am 22. Januar erscheinen über 200 Gäste. Den OTZ-Liveticker verfolgen weitere 200 Interessenten. Häberer wird der Öffentlichkeit als neuer Vorsitzender des Vereins „Wir für das KuK Gera“ e.V. vorgestellt. Er stellt die Ziele des Vereins vor und erklärt, dass jene nur in Zusammenarbeit mit der Stadt erreicht werden können. Erstmals wird zudem öffentlich besprochen, dass man hierfür eine Genossenschaft gründen will. Dieses Vorhaben wird von weiteren Diskussionsteilnehmern für gut befunden. Weniger gut kommt bei den Gästen an, dass die Diskussion durch verschiedene eingeladene Stadtratsfraktionen im Wahlkampf endet. Dennoch bewertet der vermeintliche Vorsitzende den Abend positiv, schließlich hat es der Verein geschafft, sich auf diesem Weg der Öffentlichkeit vorzustellen. Mehr dazu hier: http://www.meinanzeiger.de/gera/vereine/konstrukti...

- Des Weiteren spricht Häberer zur Podiumsdiskussion davon, dass erstmals im März ein Runder Tisch stattfinden soll. Dort sollen gemeinsam mit Firmen, Vereinen und Verbänden umzusetzende Ideen besprochen werden.

- Von den Teilnehmern und Gästen der Podiumsdiskussion unbemerkt, entfacht auf dem OTZ-Liveticker gleichzeitig eine Negativdiskussion gegen den Verein, die ihre Fortsetzung auf Facebook findet. Schuldzuweisungen bis hin zu Betrugsvorwürfen sind zu lesen. Schon nach kurzem geht es dabei nicht mehr um das eigentliche Vorhaben des Vereins, sondern auch um private Dinge von Vereinsmitgliedern.

- Bereits einen Tag nach der Podiumsdiskussion teilt Schaab Häberer mit, dass er doch nicht der Vereinsvorsitzende ist, weil die Ernennung nicht rechtskonform erfolgte.

- Seitens des Vereins wird der Fehler gemacht, sich auf jede der Diskussionen, die teilweise auch von anonymen Usern angezettelt werden, einzulassen. Statt entstehende Brände zu löschen, wird immer mehr Benzin ins Feuer gegossen. Der Facebookauftritt „Wir für das KuK Gera“ ist nicht mehr Mittel zum Zweck, Aufmerksamkeit für die Erhaltung des KuK zu erreichen. Das eigentliche Ziel wird aus den Augen verloren. Während sich Hetzkampagnen anfangs nur gegen den Verein beziehungsweise einzelne Mitglieder richten, spitzt sich die Lage innerhalb von wenigen Tagen derart zu, dass sich auch Vereinsmitglieder untereinander öffentlich verunglimpfen.

- Obwohl unbedingt notwendig, schaffen es die Vereinsmitglieder in der Woche nach der Podiumsdiskussion nicht, miteinander persönlich zu kommunizieren. Stattdessen werden Vereinsinterna auf Facebook nach außen getragen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören.

- Der Unmut innerhalb der Facebookgruppe wächst weiter, als auf einmal Mitglieder, Kommentare und Veröffentlichungen gelöscht werden.

- Mit der Gründung einer weiteren Facebookgruppe „Wir für das KuK Gera 2“ ist die Verwirrung perfekt. Bösartige Beschimpfungen eskalieren. Mittlerweile ist Schaab laut eigener Mitteilung aus dem Verein ausgetreten. Kurz darauf erfolgen Dementi. Aufmerksame Leser verstehen nicht mehr, was in dem Verein los, wer nun der Vorsitzende ist und was man als Verein bezwecken möchte. Sympathisanten verabschieden sich zunehmend. Aus den Kommentaren ist zu lesen, dass die Geraer das Vertrauen in den Verein verlieren. Interessenten, die zur Podiumsdiskussion einen Antrag auf Mitgliedschaft ausgefüllt haben, beantragen, ihn zu vernichten.

- Die ursprüngliche Facebookgruppe Wir für das KuK Gera - von Jürgen Schaab ins Leben gerufen - ist mit sämtlichen Beiträgen und Kommentaren gelöscht.


Mehr zum von der Schließung bedrohten KuK:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/kultur-und-...
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7 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 26.02.2014 | 21:19  
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Steffen Weiß aus Gera | 26.02.2014 | 21:35  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.02.2014 | 00:22  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.02.2014 | 14:49  
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