Von fast null wieder auf 100. Die Feuerwehr samt Feuerwehrverein, die sich erst mal selbst retten musste: Gera-Frankenthal

Dirk Wolfersdorf, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Gera-Frankenthal, und stellvertretender Vorsitzender des Feuerwehrvereins Gera-Frankenthal e.V.
Gera: Freiwillige Feuerwehr | Klar, zu DDR-Zeiten hatte ein Feuerwehrverein ganz andere Aufgaben. Das weiß auch Dirk Wolfersdorf, stellvertretender Vorsitzender des Feuerwehrvereins Gera-Frankenthal e.V. Jeder hatte irgendwie seinen Platz im Staat und eine auferlegte gesellschaftliche Verantwortung. Manche erfüllten sie in der Freiwilligen Feuerwehr. „Der Grundgedanke eines Feuerwehrvereins war doch, die Angehörigen der Kameraden für den Dienst in der Wehr zu sensibilisieren. Die Pflichterfüllung war oft eine Geduldsprobe für die Ehefrau und die Kinder. Dem wollte man begegnen“, so Wolfersdorf.

Auch in Frankenthal spricht er bezüglich der Kameraden zu DDR-Zeiten von der „Manpower des Ortes“. Sie haben nicht nur ihren Dienst gemacht, sondern auch gemeinsam mit dem Verein das öffentliche kulturelle Leben im Ort gestaltet. Auf einmal gab’s keine DDR mehr, auch keine auferlegten gesellschaftlichen Verpflichtungen. Dafür jede Menge veränderte persönliche Situation und ein bröckelnder Zusammenhalt. Von den Kameraden blieb nur ein harter Kern übrig, die sogar einen neuen Feuerwehrverein gründeten. „Mit brach liegendem Vereinsleben“, ergänzt Wolfersdorf. Einmal wurde noch das traditionelle Maibaumsetzen durchgeführt. Dann kehrte Ruhe in Frankenthal ein. Andere Leute, die nichts mit der Feuerwehr am Hut hatten, fanden sich Anfang der 90er Jahre zusammen, einen Maibaumsetzerverein zu gründen und die Geschicke in die Hand zu nehmen.

Mitte der 90er Jahre hatten die Kameraden einen Altersdurchschnitt von etwa 40 Jahren. „Neue Impulse gab es nicht. Der Schwung war raus“, kommentiert Wolfersdorf den damaligen Zustand. Auch die Finanzplanungen der Stadt für die Wehr sorgten nicht gerade dafür, der Mutlosigkeit unter den Kameraden zu begegnen. 1994 ist etwas Außergewöhnliches passiert. Der damals 16-jährige Wolfersdorf tritt mit drei weiteren Gleichaltrigen in die Wehr ein. Auf einmal gab es erfahrene Kameraden, die den „Frischlingen“ etwas beizubringen hatten. Es gab neue Impulse. Der Altersdurchschnitt konnte fortan gesenkt werden. Heute bezeichnet sich Wolfersdorf als 34-Jähriger schon als „Methusalem“ in der Wehr, deren Kameraden einen Altersdurchschnitt von Mitte 20 haben. Nach dem Ablegen sämtlicher Qualifikationen hat er 2001 die Funktion des Wehrleiters übernommen. Immer mehr junge Leute mit Tatendrang kamen zur Feuerwehr, der größte Teil von ihnen auch in den Feuerwehrverein.

Anfangs als „zartes Pflänzchen“ entwickelte sich auch wieder die Öffentlichkeitswirksamkeit des Feuerwehrvereins. Dem Tag der offenen Tür der Feuerwehr 2001 folgte im Jahr darauf ein Feuerwehrfest, das 2003 in ein Sommerfest umfunktioniert wurde. Der Verein sammelte erste Erfahrung mit der Durchführung von Veranstaltungen und beteiligte sich im Jahr darauf erstmals wieder an der Durchführung des Maibaumsetzens. Der Müdigkeit geschuldet lösten die ursprünglichen Maibaumsetzer 2005 ihren Verein auf und übergaben sämtliche Vereinsbestände an den Feuerwehrverein. Seitdem ist er wieder das, was er einst war: Der Manpower des Ortes, der sich für die kulturellen Veranstaltungen in Frankenthal verantwortlich fühlt. Und so ganz nebenbei kümmert sich der Verein auch um die Unterstützung der Wehr, sammelt zielgerichtet Spenden. So konnte trotz fehlender finanzieller Zuwendungen seitens der Stadt das Gerätehaus vollständig saniert werden.
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5 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 24.10.2012 | 13:21  
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Dirk Wolfersdorf aus Gera | 24.10.2012 | 15:15  
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Antje Hellmann aus Jena | 24.10.2012 | 16:15  
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Hannelore Grünler aus Artern | 24.10.2012 | 20:38  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 27.10.2012 | 21:27  
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