Wir sind guten Mutes! Wie es im Reitverein Gera nach dem Hochwasser weiter geht

Paula Alina Schumann aus Gera - hier auf Cit - gehört zu den aktivsten Vereinsmitgliedern. Wenn sie nicht gerade auf dem Rücken eines Pferdes anzutreffen ist, hilft sie im Stall.
 
Vereinsvorsitzende Sabine Beikirch
Gera: Reitverein Gera/Thüringen e.V. | Sabine Beikirch schaut optimistisch in die Zukunft. Dabei ist sie doch Vorsitzende desjenigen Vereins, der in Gera am schlimmsten vom Hochwasser betroffen war: der Reitverein Gera/Thüringen.

In der Nacht zum 3. Juni sind die Geraer Ortsteile Milbitz und Thieschitz und somit auch das Reitstadion wie eine Badewanne vollgelaufen. „Wir hatten zum Glück bereits am Sonntag 65 Pferde und weitere Tiere evakuiert. Technik und Geschäftsunterlagen hatten wir mit nach Hause genommen. Weitere Einrichtungsgegenstände hatten wir im Vereinsgebäude auf die Tische gestellt. Letzteres hat sich im Nachhinein als nutzlos heraus gestellt“, blickt die Vorsitzende zurück. Das gesamte Areal, insgesamt zehn Hektar, plus umliegende Koppelflächen, nochmals acht Hektar, standen bis zu einer Höhe von 1,30 Meter unter Wasser.

Keiner wusste, was sie am darauf folgenden Donnerstag, als sie erstmals das Gelände betreten konnten, erwarten würde. Dank der eigens gegründeten Facebook-Gruppe „Reitverein Gera/Thüringen e.V.“ konnten Notstromaggregate, Kärcher und weitere Hilfe organisiert werden. Freitag begann das große Aufräumen mit rund 50 Vereinsmitgliedern, Freunden, Familienangehörigen und Leuten, die mit Reiten nichts am Hut haben: Wege vom Schlamm beseitigen, Ställe schrubben, zerstörte Möbel zu riesigen Müllbergen türmen. „Wir mussten schnellstens Voraussetzungen schaffen, dass die Pferde zurück können“, erinnert sich Beikirch. Samstag kamen sogar noch mehr Helfer und Sonntagmittag konnten die Pferde wieder geholt werden. Am Montag sind wir wieder geritten“, zeigt sich die Chefin noch heute begeistert.

Also war alles nach einer Woche wieder in Ordnung? Ganz so einfach lief es dann doch nicht. Das Vereinsgebäude mit Büro, Sanitäreinrichtungen, Aufenthalts- und Umkleideräumen wurde komplett zerstört und kann seitdem nicht mehr benutzt werden. Probleme gab es ebenso in den beiden Reithallen. Die kleinere Reithalle, die sich in Vereinseigentum befindet, wurde zuerst in Ordnung gebracht, damit die Arbeit mit den Kindern weitergehen kann. Die Sanierung der großen Reithalle (Eigentum der Stadt Gera) war finanziell aufwändiger und hat dementsprechend länger gedauert. Seit Ende Oktober kann sie wieder genutzt werden.

Mit dem Büro und Aufenthaltsräumen war der Reitverein in den Richterturm umgezogen. Da die Toiletten in diesem Gebäude allerdings nicht wintertauglich sind, hat die Stadt Container mit Sanitäranlagen und Aufenthaltsräumen zur Verfügung gestellt. So zumindest war der Plan. „Auch uns hat das am 4. November beschlossene Haushaltssicherungskonzept eiskalt erwischt“. Damit haben sich die Ausgaben für diese Container mehr zu Lasten des Vereins verschoben.

Derzeit gibt es im Verein noch zwei große Baustellen: „Wir brauchen ein neues Funktionsgebäude auf als Ersatz für das Vereinsgebäude. Die grundsätzliche Förderfähigkeit für einen Neubau wurde uns bereits bestätigt. Das Antragsverfahren läuft“, erklärt Beikirch.

Die zweite „Baustelle“ sieht die Vereinschefin im Haushaltssicherungskonzept. Die Stadt Gera als Eigentümer der Sportanlage Reitstadion Milbitz will künftig 60.000 Euro pro Jahr weniger dafür ausgeben. „Wir müssen jetzt gemeinsam mit der Stadt überlegen, wie wir die Sportstätte am Leben erhalten können. Wir müssen klären, wie das wenige verbleibende Geld am sinnvollsten eingesetzt werden kann“, so die Vereinschefin. Trotz der finanziellen Misere schaut sie optimistisch in die Zukunft: „Die Stadt und wir als Reitverein gehen nicht mit unterschiedlichen Zielen in diese Gespräche“.

Der Reitverein weiß mit kommunalem Geldmangel umzugehen. Die dreiwöchige Reitsportveranstaltung „Geraer Summer Meeting 2013“ musste abgesagt werden. Das hatte nichts mit dem Hochwasser zu tun, sondern mit der nicht gesicherten Finanzierung. 2014 wird’s auch kein Geraer Summer Meeting geben. Hierbei brauchen sich die Veranstalter und die Stadt Gera erst gar nicht zum Thema Finanzierung verständigen. Die Stadt kann nicht zusichern, dass die Anlage bis zum Veranstaltungstermin so hergerichtet sein wird, dass sie den notwendigen Voraussetzungen entspricht.

Apropos fehlende Voraussetzungen. Das nicht nutzbare Vereinsgebäude hinterlässt seine Spuren im Vereinsleben. Sabine Beikirch denkt dabei an die tollen Kindergeburtstage, die hier gefeiert wurden. Oder an das gemeinsame Kochen der Voltigierer. Auch der Reitabzeichenlehrgang kann nicht mehr durchgeführt werden. Von fehlenden Räumlichkeiten mal abgesehen, hat die Elster auch die dafür notwendigen Lehrtafeln und Videos mitgenommen.

Und doch: „Wir sind guten Mutes. Den lassen wir uns nicht nehmen. Ohne Aussicht auf Erfolg könnten wir gleich aufhören. Unser Verein hat schon einige Hürden genommen. Wir sind kampferprobt und haben uns immer mit neuen Ideen aufgerappelt!“, so die Vorsitzende.

Mehr über das Thema Hochwasser und der Folgen:

http://www.meinanzeiger.de/gruppen/hochwasser-155....
7
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
3 Kommentare
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 05.02.2014 | 07:29  
1.048
Regina Kleiber aus Sondershausen | 05.02.2014 | 08:57  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 05.02.2014 | 14:14  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige