Ach ja, auch das geschah 2013. Der polizeiliche Jahresrückblick

Blick in „etwas konfus strukturierte Wohnung“.
Jahresrückblick zum 31.12.2013

Die Eintragungen im Polizeicomputer sind nicht für die Ewigkeit, denn sie unterliegen strengen Aufbewahrungsfristen. Bevor der ein oder andere Vermerk im ewigen Datennirvana verschwindet, soll ihm noch besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Amüsante Kostbarkeiten sind die kreativen Formulierungen des ein oder anderen Polizeibeamten, sowohl mündlich als auch schriftlich.

In einer Lagebesprechung wurde das Geschlecht einer Person recht konkret mit „weibliche Frau“ angegeben. Daraufhin meinte ein Kollege, dass es ja auch „männliche Frauen“ wie Olivia Jones gebe. Das sind dann Drag Queens, ergänzte die Autorin.

An einem Sonntagnachmittag hat ein Bürger fremde Kinder in einer „Kindergrippe“ gesehen.

„Der Pkw des Unfallbeteiligten erlitt einen Sachschaden“ wurde in einem Unfallbericht geschildert.

Im Entwurf einer Pressemeldung fand sich die Überschrift „Wildflucht“, bevor sie in „Wildunfall“ geändert wurde.

Jena muss sich keine Gedanken über den Ausbau des Stadions
machen, eine Funkstreifenwagenbesatzung wurde nach Schmalkalden zum dortigen „Polizeistadion“ geschickt.

Bereits sieben Wochen nach seiner Geburt sorgte ein Bürger für Ärger; der Kollege hatte als Geburtsjahr 2013 in den PC getippt.

Eine schlagartige Alterung machte ein Mann durch, der auf einmal 45 Lebensjahre mehr zählte. Anstatt 1950 stand im Protokoll 1905.

Ungeklärt ist noch, was „kollerisch“ bedeutet.

Zu einer Kollision mit einem Reh kam es in „Bähringen“.

Eine Frau stellte ihr Fahrzeug auf dem Seitenstreifen ab und verließ dieses „um einen bevorstehenden unaufhaltsamen Abgang körperlicher Ausscheidungen
zu gewährleisten.“

Ein Autofahrer wurde einer Verkehrskontrolle unterzogen, „da er unbeschwert“ über die Kreuzung fuhr. Resultat: 1,38 Promille.

Ein Bürger meldete von der Eisenacher Rennbahn ein „riesiges Schlagloch, in dem man Kinder verstecken“ kann.

Mit „sehr runder Zunge“ beschwerte sich jemand, dass ihn unbekannte Menschen nicht mit dem Fahrrad wegfahren lassen; er war mit 2,36 Promille unterwegs.

Unachtsam war ein Reh in Arnstadt, dass „ohne auf den fließenden Verkehr zu achten über die Straße lief“.

Von der Erfolglosigkeit ihres Einsatzes waren Arnstädter Beamte überzeugt, die dies mit der Formulierung begründeten, dass „beide Parteien belehrt und an ihre Vernunft appelliert wurde – vermutlich umsonst.“

Eine Autofahrerin aus Kranichfeld meldete, dass sie „Bambi überfahren“ hat.

Ein Unfallbeteiligter erklärte, der andere habe die „Kurve zackig geschnitten“.

Ein von einem Hubschrauber ausgebrachtes Düngemittel im südlichen Ilm-Kreis landete nicht in den Bäumen, sondern auf der Fahrbahn, der Mitteiler vermutete Unfallgefahr. Der „Wind reinigt Straße“, vermerkten die Beamten im Protokoll.

Eine Umschreibung für eine sehr unordentliche Wohnung fanden Gothaer Beamte in der Formulierung „etwas konfus strukturierte Wohnung“.

An einen Science Fiction Film erinnerte die Feststellung eines Kleintransporters in Landkreis Gotha. „Dieser hat die Heckklappe geöffnet
und lädt sich ein und aus“.

Schwierig ist zumeist die neutrale Formulierung, wenn sich ein ehemaliges Paar in die Wolle bekommt. Ein Kollege kreierte den Satz „Während eines Beziehungsstreites kommt es zur Straftatenhäufung zwischen den Beteiligten.“

Als kleines Schmankerl ließen Kollegen aus dem Ilm-Kreis der Verfasserin diesen Vermerk zu einer Verkehrskontrolle in Arnstadt zukommen, der so nirgends in den Akten auftaucht: An einem sonnigen Tage im Juli des Jahres 2013 entschlossen sich zwei Edelleute aus Arnstadt in der Ritterstraße eine Kontrolle der durchziehenden Knappen und Rösser durchzuführen. Nachdem die Edelleute ihr edles Gewand zurechtgezupft hatten, bewaffneten sie sich mit Anhaltekelle, Warnweste und Mütze, um für Recht und Ordnung zu sorgen. In sengender Hitze verirrte sich gleich zu Beginn ein Ross mit seinem Reiter in die Kontrolle. Da keine Berechtigung zum Führen des Gaules vorgelegt werden konnte, wurde der Reiter verwarnt. Weitere Reitersleute waren nicht ausreichend an ihren Rossen angezurrt und werden ebenfalls mit einem Mandat belegt. Die sonstigen Karawanen zogen am heutigen Tage, entgegen den üblichen Gepflogenheiten, jedoch nicht vorbei. Vermutlich suchten diese heute andere Wasserstellen auf.

Einige Sachverhalte, mit denen die Kollegen im Landkreis Gotha, Ilm-Kreis und nördlichen Wartburg-Kreis zu tun hatten, haben zu Heiterkeit geführt. Vor allem dann, wenn kein ernsthafter Hintergrund zu erkennen war:

Landkreis Gotha
In Tambach-Dietharz wurde in der Sparkasse ein Päckchen gefunden. Jemand habe den Karton am Geldautomaten deponiert und eiligst das Geldinstitut verlassen. Solcherlei herrenlose Behältnisse führen zunächst zu emsigen Ermittlungen und manchmal auch zur Öffnung desselben. In diesem Fall befanden sich im Päckchen u. a. eine Bastpuppe gestaltet als grüner Frosch, ein Päckchen Rote Grütze, eine Wasserpistole und eine Zahnbürste.

Unter der Überschrift „Förderung der deutsch-italienischen Freundschaft“ fasste ein Kollege die missliche Lage und deren Lösung für einen italienischen Lkw-Fahrer zusammen. Der Mann hatte sich im kalten Januar nur mit Unterhose bekleidet aus seinem Fahrzeug ausgesperrt. Da der Italiener ohne Deutschkenntnisse im Wortschwall der Polizisten nur den Begriff „ADAC“ verstand, halfen die Gelben Engel bei der Öffnung der Fahrerkabine.

Unklar über den Umfang der im Preis beinhalteten Leistungen in einem Etablissement, das sexuelle Leistungen anbietet, war ein Berliner. Dass der Eintrittspreis von 50 Euro nicht automatisch den Service der dort angestellten Damen umfasst, mussten Polizeibeamte dem 25-Jährigen behutsam beibringen.

Außer sich über den Ausblick durch ein Panoramafenster in seinen Garten war ein Mann, der sich genötigt und belästigt fühlte. Hintergrund war der Nachbar, der eifrig im Garten wühlte. Beim Bücken war jedes Mal das teilweise entblößte Gesäß des Nachbarn sichtbar.

Eine besondere Affinität zu Rindviechern zeigte ein stark Betrunkener in einem Mechterstädter Kuhstall. Er wurde spät in der Nacht dort entdeckt und man vermutete einen Einbruch. Der 17-Jähriger erklärte, dass er die Kühe nur streicheln wollte.

Über die physikalische Konsistenz eines Thüringer Rostbrätls entbrannte eine heftige dienstliche Debatte. Denn mit diesem Bratgut attackierte ein Mann seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, die eine Kopfverletzung erlitt.

„Eine Verständigung eines JAB (Jagdausübungsberechtigter) lohnt nicht mehr, da bis zum Morgen die Überreste ihrem natürlichen Kreislauf zugeführt werden“, wusste ein Kollege zur Feststellung eines breit gefahrenen Tieres mitzuteilen.

Die Europeade des letzten Sommers in Gotha erforderte auch einige polizeiliche Einsätze, jedoch überwiegend nur wegen Ruhestörung. Zu nachtschlafender Zeit um halb drei Uhr morgens beschwerte sich ein Anwohner der Reyerstraße über Feiertätigkeit in der Reyherschule. Dort waren französische Gäste untergebracht. Lange dauerte die Beseitigung des Lärms nicht; im Protokoll wurde später vermerkt „Ruhe im französischen Ortsteil hergestellt“.

„Ihm ist ein Auto in den Kofferraum gefahren“, meldete ein Unfallbeteiligter und ließ vermuten, dass in seinem Auto viel Platz ist.

Polizeilich angewiesen wurde in Waltershausen das Wischen des Treppenhauses. Eine Blutspur zog sich bis zur Wohnung eines Mannes. Strafrechtlich war dem Mann nichts anzulasten. Er hatte nur kurz zuvor frisch erlegtes Wild durch das Treppenhaus getragen.

Nicht mehr Herr seiner Sinne mit 2,43 Promille war ein 33-Jähriger, der eine Körperverletzung anzeigte und als Täter „Tom und Jerry“ benannte.

Der Grund für einen handfesten Streit zwischen zwei Männern ist noch heute unklar; vermutlich spielte Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle. Zum Tathergang gab das Opfer an, er sei mit Messer und Gabel angegriffen worden. Verletzt war er aber nicht.

Häufig lassen wütende Menschen ihren Frust an einem anderen Menschen oder an Gegenständen aus. Eine Ausnahme ist der Herr, auf den die Beamten Anfang Oktober trafen. Dieser Mann tat niemandem weh oder zerstörte etwas. Vielmehr „war der Herr sauer und hat für sich getobt“.

Ein Bürger meldete in der Xaver-Sturmnacht „mehrere entwurzelte Verkehrszeichen“.

Jemand entdeckte Nachts einen verdächtigen Pkw im Gothaer West-Viertel. Das Auto stehe in einem Gebüsch mit laufendem Motor. Auf eine Überprüfung des im Auto befindlichen Pärchens verzichteten die diskreten Kollegen. Sie wollten nicht stören und setzten schmunzelnd ihre Streife fort.

Nördlicher Wartburg-Kreis
Klar sein Ziel erreicht hatte an einem frostigen Januartag ein 19-Jähriger, der sich im Schnellrestaurant häuslich einrichteten wollte. Sein Plan war, dort zu übernachten, er würde aber auch bei der Polizei schlafen. Nachdem er einem polizeilichen Platzverweis nicht nachkam, erhielt er wie gewünscht Unterkunft für die Nacht im Polizeigewahrsam.

Eine neue Methode der Schuldeneintreibung lässt sich nur bei ausreichend Schnee durchführen. Ein 26-Jähriger sorgte mit Schneeballwürfen gegen ein Fenster des Schuldners für dessen ungeteilte Aufmerksamkeit.

Künftig sollten Warnhinweise auf Filmplakaten darauf hinweisen, dass der Film spannend ist und der Kinobesucher beklaut werden könnte. Anders ist der Diebstahl einer Geldbörse aus einer Damenhandtasche während eines Kinobesuches in Eisenach nicht zu erklären.

Ständig sind fremde Menschen in seiner Wohnung, heute seien es Russen, meldete ein bei Eisenach wohnender Mann. Diese Personen hatte sich der Mann jedoch nur eingebildet. Dennoch sorgten die Beamten für Beruhigung bei ihm, denn sie hätten die „Russen aus der Wohnung verwiesen“.

Er sei „sozusagen nüchtern“, erklärte ein Eisenacher, bei dem später 2,10 Promille festgestellt wurden.

Ähnlicher Ansicht war ein anderer Eisenacher, der vehement Alkoholkonsum
abgestritten hat. Es war von ihm nicht zu erfahren, warum er die Polizei eigentlich gerufen hatte. Er hatte 1,71 Promille intus.

Unerklärliches passierte im Oktober in der Julius-Lippold-Straße in Eisenach. Ein „Pkw steht auf einem Reh“. Wie das im übrigen unverletzte Tier unter das Fahrzeug (ohne Schäden) gelangte, konnte nicht ergründet werden. Denn das Tier flüchtete.

Ilm-Kreis
Ein Hundehalter aus Gehren vermisste seinen Hund der Rasse Mastiff. Zur Gefährlichkeit des Tieres befragt gab der Mann an, sein Hund wäre „zu faul zum Beißen, aber für etwas zu fressen macht er alles.“

Absonderliches teilte ein in Stadtilm wohnender Bürger mit. Er hätte eine Person an Mülltonnen stehen gesehen, sie habe sich seit dreißig Minuten nicht bewegt. Die Bewegungslosigkeit hatte ihre Richtigkeit. Bei der Person handelte es sich um ein Verkehrszeichen, dass sicher im Boden verankert war.

Ähnliche Wahrnehmungstrübungen waren bei einem Ilmenauer festzustellen. Er war felsenfest der Überzeugung, dass das Haus stark wackelt, weswegen er den Hausschlüssel nicht ins Schloss bekam. Die Gründe dafür allerdings lagen im falschen Schlüssel und am übermäßigen Alkoholgenuss.

Die Person „läuft neben der Kappe“ fassten Beamte den Zustand eines 33-Jährigen auf dem Parkplatz eines Ilmenauer Einkaufszentrums zusammen. Der Mann gab ein, ein anderer Kunde habe mit seinem Einkaufswagen den Sicherheitsabstand unterschritten und somit seine Privatsphäre als kaufbestrebter Kunde in Frage gestellt.

Zwischen Autobahnkreisel Ilmenau-Ost und Bücheloh laufen 10 Kühe, meldete ein Bürger an einem frühen Morgen im Juni. Offenbar hatte der Mann noch nie Pferde gesehen, denn diese sorgten für die Behinderungen im Straßenverkehr.

Als Rechtfertigungsgrund für einen Diebstahl nannte ein Mann das nicht schmackhafte Essen bei einem asiatischen Imbiss in Ilmenau; er klaute je eine Flasche Sojasoße und scharfe Soße.

Restlos betrunken war ein 48-Jähriger in Langewiesen, mit dem Polizisten im August zu tun hatten. Grund für den von einem Bekannten initiierten Einsatz war das Hantieren mit einem Schnitzer, mit dem der Mann sich angeblich selbst verletzte. Es stellte sich heraus, dass der 48-Jährige durch „lautes Denken über den Sinn des Lebens sinnierte“. Warum er dabei aber das Messer in der Hand hatte, war nicht mehr zu klären.

In der sog. Rabenholder Hohle in Arnstadt entdeckte eine Frau an einem lauen Augustnachmittag einen Mann zwischen zwei Wohnblöcken liegen, sie machte sich Gedanken. Er wollte nur ein Nickerchen machen, erklärte der 61-Jährige den Beamten, nachdem er geweckt wurde.

Eine „unerklärliche Personenansammlung“ meldete ein Mann in Arnstadt. Nur wenige Minuten später waren Polizeibeamte an der angegebenen Adresse – und stellten nichts fest. Nicht mal den Mitteiler.

Die Benutzung einer Kleinkinderschaukel endete für einen 13-jährigen Arnstädter im Krankenhaus. Der Junge war für die Abmessungen der tatsächlich nur für Kleinkinder gedachten Schaukel zu groß, dennoch zwängte er sich hinein. Und kam nicht wieder raus. Über zwei Stunden steckte er fest, bis jemand bei der Rettungsleitstelle um Hilfe bat. Die Kameraden der Feuerwehr mussten die Schaukel demontieren, um den Jungen zu befreien.

Mit „erziehungsresistenten“ Kindern hatten die Kollegen in der Vorweihnachtszeit in Arnstadt zu tun. Zu nachtschlafender Zeit gab es Beschwerden von der Nachbarschaft, da die Eltern ihre Kinder anbrüllten. Es stellte sich heraus, dass die elterlich verordnete Nachtruhe nicht im Sinne der lieben Kleinen war. Die Mini-Rebellen wurden mit einem „behördlichen Fingerzeig“ zur Bettruhe verdonnert. Und die Eltern konnten aufatmen.
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1 Kommentar
Uwe-Jens Igel aus Gotha | 19.12.2013 | 10:03  
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