Märchenhafte Tatorte, runde Zungen, Sturköpfe und Katze Mia - oder der Hase im Frontgrill

Gotha: Polizei |

GOTHA. Ein kleiner Tusch ist fällig. Denn dies ist der inzwischen 5. Jahresrückblick der Autorin, der in den vergangenen Jahren „nur“ den Bereich der Landkreises Gotha umfasste. Mit der nun erweiterten territorialen Zuständigkeit, die Medien mit Polizeiberichten zu versorgen, vergrößerte sich auch das „Jagdrevier“ auf den Ilm-Kreis und den nördlichen Wartburgkreis. Seit Juni wird auch aus diesen Kreisen alles gesammelt und aufbereitet was lustig, außergewöhnlich, bemerkenswert oder ganz einfach nur dämlich war.

Als Streitschlichter müssen sich Polizeibeamte häufiger beweisen. Dabei muss es nicht der vor Jahren besungene Maschendrahtzaun sein. In Eisenach beschwerte sich ein Bürger über die Größe von drei gelieferten Pizzen. Sie seien um zwei cm zu klein, als auf der Karte vermerkt. Die zur Klärung gerufenen Polizeibeamten bewiesen starke Nerven und viel Geduld: der Pizza-Bäcker bot als Entschädigung dem Kunden eine Flasche Wein, die angenommen wurde.

Ein Streit um eine Kellerrutsche entbrannte in Gotha und der Polizeibeamte vermerkte im Bericht, dass der Beschwerdeführer die Kellerrutsche wohl „selbst versaubeutelt“ hat.

Ein längeres Gespräch von Ilmenauer Polizisten mit Mutter und gerade erwachsen gewordener Tochter führte zur Abkühlung der erhitzten Gemüter. Im Streit der beiden Frauen „prallten unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander“, formulierte diplomatisch der Beamte später in seinem Bericht.

Rein zivilrechtlicher Natur war der Einsatz von Gothaer Beamten bei einer Dame des horizontalen Gewerbes. Die dienstleistende Dame erklärte, dass der Kunde den Preis nicht zahlen wollte, da die vereinbarte Leistung nicht erbracht wurde. Die Frau erläuterte, sie hätte aufgrund der männlichen „Probleme“ ihres Kunden andere Praktiken angewendet, um ihm Erleichterung zu schaffen. Auch hier konnten die Beamten in einem Gespräch eine einvernehmliche Einigung schaffen: der Mann zahlte für den Liebesdienst.

Ebenfalls einen amourösen Anlass hatte der Einsatz in einer kalten Februarnacht in Gotha. Auf einem Parkplatz stehe ein Transporter mit Müll, man habe die Befürchtung, dass dort illegal Müll entsorgt werde. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer gerade mit einer Frau mit Liebensdingen beschäftigt war, was von den Beamten jäh unterbrochen wurde.

Verhandeln über die Höhe des Verwarngeldes wollte ein Unfallbeteiligter in Mihla. Der Mann war der Auffassung, dass „man doch ein Auge zudrücken“ könne, sein Schaden am Fahrzeug sei doch schon hoch genug. Und dabei ging es nur um 35 Euro.

Schneewittchen und die Sieben Zwerge konnten für die märchenhaften Zustände in einer Gothaer Wohnung als Täter ausgeschlossen werden. Der Bewohner fand die Betten zerwühlt und den Wasserkocher noch warm vor. Eine Straftat konnte jedoch ausgeschlossen werden.

Es gibt viele Umschreibungen für Betrunkene und die damit verbundene Aussprache. Kurz und knackig formulierte ein Eisenacher Beamter, es habe jemand mit „runder Zunge“ angerufen. Außergewöhnlich schnell hingegen reagierte ein Betrunkener bei der Erwähnung des Wortes „Knast“ und kam einem zuvor ausgesprochenen Platzverweis in Wutha-Farnroda nun umgehend nach.

Völlig desorientiert war ein total betrunkener Fahrradfahrer, mit dem die Beamten in Gotha zur Blutentnahme fahren wollten. Er schloss sein Fahrrad ordnungsgemäß an einer Laterne an, schmiss aber dann den Schlüssel weg.

Alkoholeinfluss vermutete jemand bei einem Autofahrer, der in Eisenach aus dem Auto gefallen ist. Der Mann war so was von nüchtern! Er hatte lediglich berufsbedingte Probleme beim Aussteigen, er ist Fliesenleger, so der Beamte in seinem Bericht.

Keine Angst vor dem Strafverfahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr hatte ein in Gotha ertappter Mann. „Lediglich die Schelle, die ihm von Mutti droht, wenn sie erfährt, was ihr 31-jähriger Sohn wieder angestellt hat, machte ihm Angst“, gab der Beamte die Worte des Mannes später in seinem Einatzbericht wieder.

An der Bahnunterführung in Reinhardsbrunn hat sich „mal wieder ein Lkw festgerammelt“, so ein Bürger zu seiner Beobachtung.

Die Meldung, da steht jemand mit einem gewehrähnlichen Gegenstand am Fenster und mache seltsame Bewegungen, ließ die Beamten schnell zur angegebenen Adresse in Gotha fahren. Zum Glück Entwarnung: der Mann übte mit seiner E-Gitarre schnittige Bewegungen.

Als eigenartig beschrieb ein Mann aus Gotha seine Beobachtungen an einem Kleidercontainer. Da habe eine Frau einen blauen Müllsack abgelegt und sich von diesem verabschiedet. In dem Sack befand sich – zum Glück – nur Hausmüll.

Großes Gedränge wurde im März am Gothaer Kino zum Casting für PopStars erwartet. Gezählt wurden dann: 2 x Polizei, 4 x Ordnungsamt Gotha, 4 x Presse, 4 weibliche Fans und: ein Kandidat!

Unfallschilderungen sind nicht immer sofort verständlich, vor allem wenn mehrere Meinungen aufeinander treffen. Ein Beamter der Verkehrspolizei traf mit dem Satz „Zwei Sturköpfe trafen sich auf der Autobahn und keiner wollte nachgeben“ sicherlich des Pudels Kern.

Beamte einer JVA meldeten sich bei der Polizei, da ihr Fahrzeug auf der Autobahn seit langer Zeit von einem bestimmten Pkw verfolgt wird. Mit einem Großaufgebot an Polizeifahrzeugen aus dem Ilm-Kreis wurde die Verfolgung aufgenommen und der Pkw gestoppt. Der 19-jährige und aus Polen stammende Beifahrer hatte eine sehr plausible Erklärung für dieses verdächtige Verhalten. Denn in dem JVA-Fahrzeug wurde er von der JVA zu einem Gericht transportiert. Dort wurde er entlassen, er wollte jedoch nicht wieder mit diesem Fahrzeug zurück in die JVA, um seine Sachen zu holen. Ein Kumpel wartete mit einem Auto am Gericht auf ihn; und da beide den Weg zur JVA nicht kannten, fuhren sie einfach dem JVAFahrzeug hinterher.

Beinahe überfordert waren Polizeibeamte in einem als „Gefahrenabwehr“ deklarierten Einsatz. Der Beziehungsstatus einer jungen Dame aus Dachwig zu einem jungen Mann änderte sich nahezu im Minutentakt von „Ex“ in „guten Freund“ zu „aktuellem Freund“.

Die pure Faulheit ließ einen Mann in Arnstadt die Polizei anrufen, er wollte nicht selbst von einer Parkbank aufstehen. Er beobachtete seit einiger Zeit Kinder, die mit einem regungslos auf einer Wiese liegenden Mann spielen. Der „leblose“ Mann sonnte sich lediglich in der warmen Maisonne.

Immer mal wieder muss ein bei einem Wildunfall verletztes Wildtier von einem Polizisten erschossen werden. In einem Fall waren es vier Schuss, die zum Töten eines Wildschweins nötig waren. Diese Tatsache veranlasste einen Ilmenauer Kollegen in einer Lagebesprechung zu der trockenen Bemerkung: „wenn’s Magazin leer ist, kann man das Schweinchen noch erwürgen“.

Stets um Sachlichkeit bemüht erklärte ein anderer Kollege, dass der Hänger den Parkplatz verlassen habe.

„Das nenne ich doch mal Rücksicht“ konstatierte ein Gothaer Kollege zur Schilderung eines Unfalles, bei dem sich zwei Pkw gegenseitig auswichen und im Straßengraben landeten.

Einsätze wegen Ruhestörungen kommen oft vor, zumeist lassen sich die Besitzer lärmempfindlicher Ohren und die Krachmacher schnell beruhigen. Die Musik wird leiser oder gar abgestellt. Bei Musik vermutet man zumeist Rock, Pop oder nur schwer an Musik erinnernde Klänge. Doch auch Volksmusik wird als störend empfunden, wenn damit ein ganzes Wohngebiet in Ilmenau beschallt wird.

Neckisch ging es bei einem Einsatz in Waltershausen zu, denn den Beamten öffneten drei nur zum Teil bekleidete und im Gesicht angemalte Personen die Tür. Die angezeigte Ruhestörung war das Spiel „Wahrheit oder Pflicht“, an dem sich die Spieler mit „voller Hingabe“ beteiligten und so wahre Lachanfälle verursachten.

In einem anderen Fall begründete sich die Lautstärke damit, dass da jemand „ihr Zimmer neu einrichtet“.

Um ihren festen und gesunden Schlaf, dem sogar ein nerviger Wecker nichts anhaben kann, ist eine 77-Jährige in Eisenach zu beneiden. Während sich die Nachbarschaft entnervt bei der Polizei meldete, weil mitten in der Nacht der Wecker dauerhaft klingelte, schien die alte Dame das nicht zu stören.

Biologische Ursachen ermittelten Beamte für eine Ruhestörung in Ilmenau. Ein elf Monate altes Kind zahnte und brüllte das gesamte Wohnhaus zusammen.

Das Klischee mit der hinter der Tür mit der Bratpfanne in der Hand wartenden Ehefrau hat eine Frau in Gotha bedient. Nur wartete sie nicht hinter der Tür, sie ging in der Küche auf ihren Mann mit dem Kochgerät los.

Das Motto „Gotha adelt“ nahm ein Mann durchaus wörtlich. Der lief nämlich im Hof des Schlosses Friedenstein umher und behauptete, der Herzog höchstpersönlich zu sein.

Bei einer nächtlichen Streifenfahrt durch Gotha-West entdeckten die Beamten einen Mann, der „von einem Löwen verfolgt wird“. Die tierische Fata Morgana wurde durch zu viel Alkohol ausgelöst.

Einem Mann in Waltershausen fehlten angeblich mehrere funktionsfähige Panzer aus der Wohnung. So recht glauben wollten das die Beamten nicht. Der Mann hatte 3,9 Promille „auf dem Kessel“.

Eine Ichtershäuserin rief bei der Polizei an und wollte unbedingt eine Nachricht an den Innenminister und den Verfassungsschutz loswerden, aber nicht am Telefon. Also fuhren Beamte zu ihr in die Wohnung. Die Nachricht lautete „Ohne dem Märchen der Schneekönigin und einem Kay geht nichts!“. Anschließend war die Frau überglücklich, dass sie die Nachricht an einen „gestanden Polizisten“ losgeworden ist. Ein Arzt würde das ja überhaupt nicht
verstehen.

Total überrascht über den Diebstahl seines Wohnungsschlüssels zeigte sich ein Bewohner des Wipfratals. Seinen Schlüssel würde er immer außen in der Wohnungstür stecken lassen.

Die nächtliche Streife durch Gräfenhain führte zur Feststellung, dass „Gräfenhain zwar nicht genauso groß ist wie der New Yorker Friedhof, aber zu dieser Zeit mindestens genauso tot“.

Zur Eindämmung des illegalen Handels mit Haschisch bot ein Ilmenauer Bürger seine Hilfe an. In einer Mail zeigte er sich bereit, die Haschischpflanzen zu vernichten und die Züchter „übers Knie zu legen – so wie zu Kaisers Zeiten.“

Eine kleine Leseratte in Arnstadt vergaß vertieft in ein Buch die Schließzeit der Bibliothek. Und wurde dort eingeschlossen. Der Knabe rief den Papa an, der die Polizei alarmierte. Kurze Zeit später konnte er aus den Fängen der Bücher befreit werden.

Ähnlich erging es einer Kassiererin in Ilmenau, die über den Polizeinotruf mitteilte, ihre Chefin habe sie nach Ladenschluss versehentlich eingeschlossen. Auch dieser Frau konnte schnell geholfen werden.

Flucht mit Löffel – so könnte der Film heißen, der nach der Geschichte eines Gothaers gedreht werden könnte. Er wurde versehentlich in einer Arztpraxis eingeschlossen. Mit einem Löffel konnte er die Haltebolzen an den Türscharnieren lösen und so die Tür aus den Angeln heben.

Der Frust eines Fußballfans über das für Deutschland verlorene Spiel gegen Italien war so groß, dass er in Gerstungen die Deutschlandfähnchen von den Autos riss. Nach einem anderen EM-Spiel ohne deutsche Beteiligung wurde ein Gothaer an einer Tankstelle aufgegriffen. Er war so betrunken (2,6 Promille), dass er nicht mehr wusste, welche Mannschaften denn nun eigentlich gespielt hatten.

Mit einem außergewöhnlichen Sexualdelikt mussten sich die Kollegen in Waltershausen befassen. Eine Zeitungsausträgerin war mit ihrem Hund unterwegs, der „andauernd von einem Schäferhund belästigt“ wird. Der Schäferhund wollte auf den Kleineren „aufsteigen“.

Ein Mysterium beschäftigte mehrere Wolfsberger Bürger, die die Polizei um Hilfe baten. An Häusern, auf Freiflächen und Straße wurde eine merkwürdige und harte Substanz in schwarzer, grüner und blauer Farbe entdeckt. Die polizeilichen Ermittlungen waren nicht einfach, deuteten aber auf einen Vogelschwarm. Offenbar hatten Stare von reifen Holunderbeeren genascht und dann in der Luft „ordentlich abgelassen“.

Mit einem ordentlichen Schrecken im Nacken rief eine Frau in Gotha an, sie hatte am Abend zuvor einen Hasen überfahren, aber in der Dunkelheit am Auto nichts entdecken können. Das Entsetzen war am nächsten Morgen groß. Der Hase steckte noch im unteren Frontgrill.

Kuriositäten aus der Abteilung „Rechtschreibung“ sind ein „Schräpergarten“, die Hunderasse „Laprador“ und eine „Bußhaltestelle“.

Das Ereignis vorweggenommen hat ein Eisenacher Kollege, als er in das entsprechende Feld im Computer eintippte „Toter Mann springt aus dem Fenster“.

Das biblische Alter von 127 Jahren hatte ein Unfallbeteiligter in Gotha. Der Beamte hatte auf der Computertastatur anstatt auf die Neun auf die Acht getippt.

Eine Frau erschien bei der Polizei Gotha und „zeigt den Diebstahl ihres Sohnes aus dem Fahrradabstellraum ihres Mehrfamilienhauses an.“ Sehr verwirrend!

Doch auch in den eigenen Pressemeldungen schleichen sich üppige Fehler ein. So z. B. wurde ein Gesamtgewicht mit 100 „km“ angegeben.

Die Kollegen aus dem Nachbarbundesland haben den Äppelwoi und Humor. In einem hessischen Lagebericht fanden sich zum Diebstahl von Gänsen gleich zwei Fotos zum möglichen Aussehen des gestohlenen Federviehs. Einmal rund und gesund mit vollem Federkleid, das andere Foto zeigte einen lecker zubereiteten Gänsebraten. Wir hoffen, es haben sich Zeugen gemeldet.

Regelmäßig rufen Mitarbeiter diverser regionaler Rundfunkstudios an und bitten um einen OTon.

Drei Jugendliche hatten im Sommer Mopeds gestohlen und sind damit durch Nacht geheizt. Der Radiomitarbeiter meinte dazu, dass früher die Kinder in die Ferienspiele gegangen sind.

Seit dem Sommer 2011 hat eine Katze den Innenhof des Gothaer Polizeigebäudes als offiziellen Wohnort für sich entdeckt. Die Katze, die eine Kollege Mia taufte, ist eine getigerte Europäische Kurzhaarkatze. Ein Tierarzt hat das Geburtsjahr der tierischen Kollegin auf 2009 festgelegt. Sie ist kerngesund, denn ein Kollege spendiert ihr die notwendigen Impfungen. Mia kennt sich inzwischen recht gut im Dienstgebäude aus, sie erscheint pünktlich zu den Diensteinweisungen zu Schichtbeginn. Auch einen Dienstausweis hat Mia, denn sie ist gechipt und bei Tasso registriert. Sehr gewissenhaft kommt sie ihren Dienstpflichten nach: sie fängt Ratten und Mäuse, die sich in ihr Revier wagen. Doch allein auf Ratten und Mäuse ist Mia nicht angewiesen, in jeder Dienstschicht gibt es „Dosenöffner“, die für ihr leibliches Wohl sorgen. Von ihrem anstrengenden Dienst erholt sich unsere Katze gerne auf der Motorhaube
eines Funkstreifenwagens.

Karin Köhler
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2 Kommentare
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.12.2012 | 16:45  
2.250
Ulf Wirrbach aus Gotha | 29.12.2012 | 21:07  
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