Aus Holz und Knochen

  Wangenheim: Hauptstraße | Seit über 30 Jahre schnitzt Hans Herr Krippenfiguren:



WANGENHEIM. Wer Hans Herr in dem beschaulichen Wangenheim besuchen will, braucht weder Navi noch einen Straßenatlas. Nicht, dass es dort nur eine Straße gibt. „Wir haben ganz viele Straßen“, scherzt der 70-Jährige. Aber die zahlreichen Holzfiguren, gerade jetzt zur Weihnachtszeit, weisen dem Ortsunkundigen den Weg. Überall findet man die „Hinterlassenschaften“ von Hans, erst recht an seinem Haus. Hier verweist eine große Krippe an der Hoftür auf noch viel mehr Interessantes dahinter.

Rund 120 große und kleine Weihnachtskrippen, davon rund 70 aus eigener Herstellung, lassen den Besucher in eine ganz besondere Weihnachts-Märchen-Wunder-Welt abtauchen. In den unterschiedlichsten Varianten begegnen einem Caspar, Melchior und Balthasar, findet man das Jesu-Kind in der Wiege um das sich Maria liebevoll kümmert - sieht man Hirten und allerlei Tiere. Und über allem trohnt der Stall, der auch schon mal ein bayerisches Landhaus sein kann, Muscheln oder Nusshälften.

Bereits 1970 begann Hans Herr mit dem Drechseln von Kerzenständern, Räuchermännchen und Figuren für Weihnachtspyramiden. Mitte der 70er Jahre entstand seine erste Krippe und seit 1980 schnitzt er Krippenfiguren und Nussknacker. „Neben Holz verarbeite ich aber auch andere Materialien wie Speckstein und Knochen“, erzählt er stolz und präsentiert deine kleinste Krippe. Sie hat gerade einmal die Größe eines 1-Euro-Stückes. In einer halben Haselnussschale spielt sich die Weihnachtsgeschichte ab. Mit dem ersten Wangenheimer Weihnachtsmarkt im Jahre 2006 zeigte Hans seine geschnitzten Kostbarkeiten öffentlich. Seitdem ist seine Krippenausstellung fester Bestandteil der Weihnachtsmärkte in Wangenheim. Einige Exponate sind auch in der bekannten Krippenausstellung in Heuthen (Eichsfeld) zu sehen.

Die heutige Krippenlandschaft geht auf nicht früher als 1562 zurück. In diesem Jahr, so ist es heute bekannt, haben Jesuiten die Weihnachtslandschaft zum ersten Mal in Prag dargestellt. Man wollte einfach die Geschehnisse der Weihnachtsnacht und der Geburt Jesu plastisch darstellen. 1607 war das Jahr, in dem die erste Krippe in München aufgetaucht ist. Ab da an hat sich der Brauch immer weiter verstärkt und ist noch heute vielerorts Mittelpunkt der Weihnachtsfeier und fester Bestandteil des Weihnachtsschmuckes. Weihnachtskrippen sind in vielen Stilen und Materialien erhältlich. „Seit etwa acht Jahren habe ich das Schnitzen mit Knochen für mich entdeckt“, berichtet Hans Herr stolz und zeigt dem Interessierten gern wie es geht. „Ich benutze Schafsknochen, die sind schön weiß und lassen sich am besten verarbeiten“, plaudert Herr gutgelaunt. Aber auch Hölzer aus dem eigenen Garten, wie Obstgehölze, Esche, Ahorn oder Linde sind vor seinen Schnitzeisen nicht sicher und werden als Krippenfiguren von ihm zum Leben erweckt.

Hans Herr ist auch Vorsitzender des hiesigen Heimatvereins und hat das Wappen genauso geschnitzt wie einige Figuren für den Verein. Übrigens, wer ihm einen guten Preis bietet, kann sogar eine seiner tollen Krippen kaufen. „Nur Aufträge für Weihnachten 2012 nehme ich nicht mehr an. Für 2013 schon“, scherzt er und widmet sich in seiner Werkstatt bereits wieder einem angearbeiteten Holzklotz aus Esche.


HINWEIS: Hans Herr, Hauptstraße 115, in Wangenheim, Tel.: 036255/80365, E-Mail: svejen@web.de
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