Ausstellung über "Das Massaker von Mechterstädt" am Wochenende zu sehen

Wann? 23.10.2016 14:00 Uhr

Wo? Mechterstädt, Eisenacher Str., 99880 Mechterstädt DE
Am Denkmal für die getöteten Arbeiter aus Thal will Ministerpräsident Bodo Ramelow einen Kranz niederlegen.
Mechterstädt: Mechterstädt | "Das Massaker von Mechterstädt 1920" ist Titel einer Ausstellung, die das erschreckende Kapitel eines Massenmordes an Arbeitern aus Thal während der Zeit des Kapp-Putsches im vergangenen Jahrhundert aus heutiger Sicht beleuchtet. Konzipiert von Prof. Bruno W. Reimann aus Gießen kommt sie an diesem Wochenende, 21. bis 23. Oktober 2016, an den historischen Schauplatz des Gemetzels - nach Mechterstädt. Hier wurden die Männer in der Mehrzahl erschossen. Bis heute erinnert ein Gedenkstein schräg gegenüber dem Mechterstädter Friedhof an die ungesühnte Schandtat.
Gegenstand der von Bruno W. Reimann konzipierten Ausstellung ist das bereits 96 Jahre zurückliegende Erschießen von 15 gefangen genommenen Männern am 25. März 1920 durch Mitglieder des „Studentenkorps Marburg“.
Die Gefangenen sollten von Sättelstädt nach Gotha vor ein Gericht transportiert werden. Alle 15 wurden jedoch getötet - „Auf der Flucht erschossen!“, wie es das Studentenkorps verbreitete. Angesichts der Umstände gibt es heute keine Zweifel mehr daran, dass es sich um einen kalt kalkulierten Mordakt handelte, der von der Reichswehr, der Universität Marburg, dem konservativen Bürgertum, den konservativen Parteien und der Justiz gedeckt wurde. In zwei Gerichtsverhandlungen wurden die beteiligten Studenten freigesprochen. Ihre Tat ist bis heute ungesühnt.
Erschütternd war und bleibt die Brutalität des „Marburger Studentencorps“. Alle getöteten Arbeiter waren schrecklich verstümmelt worden, wie es der Obduktionsbericht beweist. Viele wiesen zertrümmerte Schädel auf, was auf gezielte Schüsse, auf ein Massaker hinweist.
Zum politischen Hintergrund der Mordtat: Im Kapp-Putsch, benannt nach dem Vorsitzenden der rechtsextremen Deutschen Vaterlandspartei Wolfgang Kapp, der von der Reichswehr und der politischen Rechten unterstützt wurde, sollte der jungen deutschen Demokratie der Garaus gemacht werden. Am 13. März 1920 besetzte die Marinebrigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel. Überall im Land, auch in Thüringen, schlossen sich Teile der Reichswehr den Putschisten an. Die Gewerkschaften riefen daraufhin zum Generalstreik auf, der den Putsch beendete. Dabei kam es auch zum Aufleben der politisch radikalisierten Arbeiterbewegung, besonders im Ruhrgebiet und in Thüringen. Ein Zentrum nicht nur des Widerstands, sondern auch der revolutionären Arbeiterbewegung war Gotha.
Vor diesem Hintergrund entsandte die SPD-Regierung die bereits 1919 gebildete Marburger „Zeitfreiwilligenkompanie“ nach Thüringen, die für „Ruhe und Ordnung“ sorgen und insbesondere die Arbeiterunruhen bekämpfen sollte. Sie bediente sich rechter Brigaden, um linke Arbeiteraufstände militärisch niederschlagen zu lassen.
Die Bluttat im Kontext dieser politischen Ereignisse hat Prof. Bruno W. Reimann auf 28 reich bebilderten Tafeln zusammengefasst und dargestellt, die nun in Mechterstädt aufgestellt werden.
Die Ausstellung ist ein Projekt, das in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen entstand. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der sie zur Eröffnung auch besuchen will. Sie wird am Freitag, 21. Oktober, 14 Uhr im Bürgersaal "Zum Prinzen Albert" eröffnet und kann bis Sonntag, 23. Oktober, besichtigt werden. Am Eröffnungstag ist sie von 14 bis 17 Uhr zu sehen, Sonnabend und Sonntag darauf jeweils von 10 bis 17 Uhr. Am Sonntag ist Prof. Bruno Reimann den ganzen Tag in der Ausstellung präsent und bereit, Fragen von Interessenten zu beantworten.
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