Blick auf ein DDR-Schicksal aus den Perspektiven der Stasi und der Opfer

  Es ist schon eine Tradition, dass die Schüler der 10. Klasse des Arnoldigymnasiums jedes Jahr einen Projekttag zum Thema Staatssicherheit in Erfurt durchführen. Dieses Jahr hatten wir diese Möglichkeit am Montag, dem 14. März.
Unsere Klasse begann als erstes mit einer Führung durch die Stasiunterlagenbehörde auf dem Petersberg. Dabei erläuterte uns ein Mitarbeiter zuerst wichtige Details über die Arbeit der Stasi, außerdem stellte er uns den Aufbau und die Funktion der Stasiakten vor. Uns wurde anschaulich beschrieben, wie und warum das MfS die Akten während der Wende verzweifelt vernichten wollte. In der nächsten Unterrichtseinheit beschäftigten wir uns mit den Akten von Herrn Dr. Günther Heinzel, der uns gemeinsam mit seiner Frau Eva am folgenden Tag zum Zeitzeugengespräch zur Verfügung stehen sollte. Herr Dr. Wanitschke gab einen Überblick und brachte uns anhand der originalen Stasiakten die Lebens- und Fluchtgeschichte der Heinzels näher. Anhand von Gerichtsdokumenten und Verhörprotokollen konnten wir etwas von dem Umfang der Spionagearbeiten der Stasi in Thüringen erahnen. Wie genau und präzise die Stasi damals arbeitete, war erschreckend. Die dritte Einheit fand nun im Gebäude in der Andreasstraße unter der Leitung von Herrn Festag statt. Dort beschäftigten wir uns nach dem Prinzip einer Lerntheke noch einmal genauer mit den Stasiakten von Dr. Günther Heinzel – jeder konnte die Quellen durcharbeiten, die ihn am meisten interessierten. Hierbei notierten wir auch Fragen für das Zeitzeugengespräch am Folgetag. Im letzten Modul wurden wir von einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte durch die ehemalige Haftanstalt in der Andreasstraße geführt. Dies war sicherlich ein besonderes, wenn auch bedrückendes Highlight des Ausfluges. Wir konnten die zum Teil noch im Originalzustand befindlichen Haftzellen des Männertraktes besichtigen. In Verbindung mit verschiedenen sehr informativen Ausstellungen gab uns dieses Modul einen sehr guten Einblick in das Leben eines DDR-Häftlings. Am Ende konnten wir noch die eine oder andere Frage über den Häftlingsalltag stellen.
Am nächsten Tag fand dann das Zeitzeugengespräch mit Herrn Dr. Günther Heinzel und seiner jetzigen Frau und damaligen Freundin Eva statt. Nach einem erfolglosen Fluchtversuch im Jahr 1965 musste der ehemalige Schüler der Arnoldischule für zehn Monate ins Gefängnis. 1969 gelang ihm und 1971 auch seiner damaligen Freundin die Flucht in den Westen. Im Laufe des Gesprächs wurden uns viele Fragen über die Flucht beantwortet. Aber auch Themen wie der Neuanfang in der Bundesrepublik oder die Zeit während der Haft kamen nicht zu kurz. Nach dem knapp zweistündigen Gespräch wussten wir einiges mehr über die Auswirkungen der SED-Herrschaft auf die Lebensverhältnisse in der ehemaligen DDR.
Hierfür möchten wir uns bei dem Landratsamt Gotha, dem Verein der Freunde und Förderer der Arnoldischule, der Außenstelle Erfurt des Beauftragten für die Unterlage des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, unseren Betreuern und natürlich besonders beim Ehepaar Heinzel für das sehr informative Zeitzeugengespräch bedanken.

Paul Freise und Fabian Rehme, 10/3
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