Der boxende Problempoet: Klavierkabarettist Bodo Wartke vor Thüringenauftritten im Interview

Wann? 17.10.2014 20:00 Uhr

Wo? Kulturhaus, Ekhofplatz 3, 99867 Gotha DE
"Ich gehe auf sehr unorthodoxe Weise mit dem Instrument um, aber durchaus liebevoll", sagt Bodo Wartke. "Was ich mache, was eher unüblich erscheint, ist mit Boxhandschuhen Klavier zu spielen." (Foto: Bodo Wartke)
 
"Die Boxhandschuhe sind ganz alte aus Leder. Die sind vorne an den Fingerkuppen relativ dünn. Dadurch bin ich in der Lage, manche Töne ziemlich exakt zu treffen." (Foto: Bodo Wartke)
 
"Schüler mögen mich. Das ist so meine Erfahrung. Selbst die schwierigen. Bisher zumindest." (Foto: Bodo Wartke)
 
"Wer mich in eine Schublade stecken möchte, der braucht eine Kommode." (Foto: Bodo Wartke)
 
"Ich denke bei den meisten Bauhaussachen: Au Backe! Ich möchte da nicht drin wohnen." (Foto: Bodo Wartke)
Gotha: Kulturhaus |

Der Klavierkabarettist Bodo Wartke kommt mit seinem neuen Programm „Klaviersdelikte“ nach Thüringen und besingt die Schwierigkeiten im Alltag. Ich sprach mit dem Musiker über die Liebe, das Lernen und hässliche Architektur.

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs ein ernstes Thema. Gewalt an Musikinstrumenten: Man könnte ja glauben, als Musiker hätten Sie eine besondere, eine liebevolle Beziehung zu Ihrem Instrument. Sie kündigen aber Anschläge auf Ihr Klavier an. Spüre ich da ein Gewaltproblem?
Ich gehe auf sehr unorthodoxe Weise mit dem Instrument um, aber durchaus liebevoll. Denn alle Instrumente übersetzen Emotionen in Schall. Was ich mache, was eher unüblich erscheint, ist mit Boxhandschuhen Klavier zu spielen.

Stimmt. Sie spielen die Rocky-Hymne „Eye Of The Tiger“. Ist es denn gar kein Problem, mit Boxhandschuhen zu spielen?
Es funktioniert erstaunlich gut. Denn ich spiele auf den schwarzen Tasten, also in es-Moll. Die Boxhandschuhe sind ganz alte aus Leder. Die sind vorne an den Fingerkuppen relativ dünn. Dadurch bin ich in der Lage, manche Töne ziemlich exakt zu treffen.
Sie wurden mir zur Vorpremiere des Programms geschenkt. Ich bringe meine Programme seit einigen Jahren immer zuerst im Lutterbeker bei Kiel auf die Bühne. Das ist ein alter Bauernhof, der vom Besitzer liebevoll zur Gaststätte und Kleinkunstbühne umgebaut wurde. Die haben unfassbar viel Zeug. Ich hatte mir für diese Nummer Boxhandschuhe neu gekauft, die dafür aber nicht so funktionieren. Die alten aus Leder sind viel schöner und ich habe bemerkt, dass ich mit ihnen auch viel besser Klavier spielen kann. Das passiert ganz oft bei meinen Programmen, dass aus dem Zufall heraus eine tolle Idee entsteht oder auch ein Problem bewältigt wird.

Ich dachte, das Problem sind vielleicht falsche Vorbilder. Vielleicht verehren Sie Jerry Lee Lewis, der sein Klavier auf der Bühne sogar anzündete?
Täte ich das, würde ich wohl Ärger mit dem Veranstalter bekommen.

Eigentlich sind Sie ja ein Klaviervirtuose. Diesmal spielen Sie auch Instrumente, die Sie nicht so perfekt beherrschen wie Ukulele oder Mundharmonika. Hatten Sie Probleme beim Einstudieren der Stücke mit den ungewohnten Instrumenten?
Naja, die Frage lautet ja: Ab wann beherrscht man ein Instrument? Man ist da nie am Ende der Reise angekommen. Man kann immer noch besser werden. Ich gebrauche Instrumente so, dass es für meine Zwecke ausreicht. Ich werde auch, während ich sie spiele, durch die Beschäftigung damit, immer besser. Mir fällt das Üben am leichtesten und am mühelosesten, wenn ich Stücke spiele, die ich auch gut können möchte. Und das sind in erster Linie halt meine eigenen. In dem Moment empfinde ich das Üben nicht als Üben. Ich werde quasi unbemerkt immer besser auf den Instrumenten. Ich habe mir alle selber beigebracht: Cajón, Mundharmonika und Ukulele. Einfach durch die Beschäftigung damit.


"Als Lehrer hat man einfach wenig Gestaltungsfreiheit."


Sie sind ja gelernter Lehrer. Hatten Sie mit vielen Problemschülern zu tun oder warum haben Sie den Beruf gewechselt?
Ich habe mein Musikstudium nicht abgeschlossen, aber ich bin weit gekommen. Ich habe meine Praktika absolviert, ich habe auch Klassen unterrichtet. Auch tatsächlich problematische Klassen. Bei meinem ersten Praktikum haben die Lehrer gesagt: „Oh, das sind echt schwierige Leute in der Klasse.“ Ich habe sie erlebt und habe mir Respekt verschaffen können – wieder zufällig. Ich war an einer deutschen Schule in Hongkong. Dadurch, dass ich in der Assembly aufgetreten bin – die Assembly ist eine monatlich stattfindende Frühveranstaltung in der Aula – da sitzen alle Schüler und haben in der dritten und vierten Stunde frei. Das finden sie erst einmal cool. Aber sie haben nicht wirklich frei, sondern sitzen in der Assembly und das finden sie doof und sie haben da voll keinen Bock drauf. Da werden mehrere Sachen präsentiert auf der Bühne. Untereinander wird auf Englisch gesprochen, nur im Unterricht auf Deutsch. Die Eltern der Kinder sind meist Geschäftsleute oder Botschaftsangehörige. Leute, die beruflich international unterwegs sind.
Die Kinder sind oft nur ein, zwei Jahre an einem Ort und dann in der nächsten Stadt. Das heißt: Die haben viel gesehen von der Welt, sind aber relativ entwurzelt. Sie sprechen aber alle fließend Englisch. Das machen sie auch untereinander, weil sie das cooler finden als deutsch. Der Direktor spricht auch fließend Englisch, aber mit heftigem Akzent. Das finden die Schüler natürlich total lustig.
Dann werden Fotos gezeigt von irgendwelchen Klassenfahrten oder so. Und ganz am Schluss bin ich aufgetreten. Eine Lehrerin wusste, dass ich Kabarettist bin. Ich habe mein Liebeslied in mehreren Sprachen gesungen. Da sind auch viele Kinder aus anderen Ländern. Und das fanden die halt total cool. Dann hatte ich einen wahnsinnigen Stein bei ihnen im Brett und richtig Respekt, weil sich das von denen keiner getraut hätte. Die ganzen Teenies, die auf dicke Hose machen, stellen sich nicht vor 800 Mitschüler. Sie fanden aber voll geil, dass ich das gemacht habe.
Von da an war ich ein Popstar für die. Die haben dann immer super mitgemacht im Unterricht. Die haben ja auch richtig was in der Rübe. Die sind zwar frech und ein bisschen respektlos, aber die sind nicht doof. Und das hat man dann auch gemerkt. Ich habe Sachen mit denen gemacht, die sie sonst nicht machen. Viel mit Rhythmus und Gruppensachen und das fanden die alle echt geil und haben sich total angestrengt. Und mein Mentor meinte auch: „Wie du das geschafft hast, das hat keiner von uns geschafft.“ Und ich war ganz schön stolz, denn ich hatte selber auch nicht damit gerechnet, dass das geht.
Ja, Schüler mögen mich. Das ist so meine Erfahrung. Selbst die schwierigen. Bisher zumindest.

"Dänisch ist am lustigsten."


War damals Ihr Eindruck: „Wenn ich hier kein Problem habe, kann ich das auch beruflich machen, auf der Bühne zu stehen“?
Ein Problem habe ich zum Beispiel mit dem Lehrplan und damit, wie Bildung in Deutschland organisiert ist und vermittelt wird. Ich halte vieles für realitätsfern und auch für kontraproduktiv. Ich habe mich selbst als Schüler immer schon gefragt: „Warum müssen wir das so auf diese Art und Weise lernen, wie uns das präsentiert wird? Das macht überhaupt keinen Spaß.“
An der Stelle kann ich die Schüler auch total gut verstehen. Man ist als Musiklehrer in der Pflicht, Sachen beizubringen auf eine Art und Weise, die keinen Spaß macht. Und zwar den Schülern nicht und den Lehrern auch nicht. Aber es sind die Regeln, die herrschen. Wenn man Lehrer ist, hat man einfach wenig Gestaltungsfreiheit. Leider. Aber als Kabarettist habe ich Gestaltungsfreiheit. Ich habe die Möglichkeit, ein antikes Drama auf die Bühne zu bringen – so wie ich das geil finde. Und die Zwölftonmusik zu erklären, so wie ich das geil finde. Ich bin pädagogisch wirksam tatsächlich und das auf höchst unterhaltsame Art und Weise. Ich präsentiere die Dinge so, wie ich sie selber gerne gelernt hätte. Das finden Schüler super und kommen zu mir ins Programm. Ganze Deutschleistungskurse kommen und sehen sich mein Solo-Theater „König Ödipus“ an. Sie bringen ihren Lehrer mit, nicht umgekehrt. An der Stelle bin ich tatsächlich lieber Kabarettist als Lehrer. Weil ich mehr Freiheit habe, mehr Gestaltungsfreiheit und es so machen kann, wie es mir Spaß macht.

Laut Wikipedia sind Sie nicht nur Kabarettist, sondern auch Liedermacher, Schauspieler und Poet. Haben Sie Probleme, sich festzulegen oder mit dem Schubladendenken der anderen?
Ich sage immer: Wer mich in eine Schublade stecken möchte, der braucht eine Kommode.

Gar keine Probleme scheinen Sie bei der Liebe zu haben. Sie singen viel darüber und tragen – wie Sie es eben gesagt haben – ein Liebeslied in jeder möglichen Sprache vor. Kennen Sie sich gut mit der Liebe aus?
Ach ja, dass ich in dem Bereich keine Probleme hätte, das stimmt nicht. Ich schreibe auch viele Lieder über Liebeskummer. Tatsächlich sind die meisten Liebeslieder, die geschrieben werden, eher welche über Liebeskummer als über glückliche Liebe. Denn wenn man glücklich verliebt ist, hat man etwas Besseres zu tun, als Lieder zu schreiben. Ob ich mich damit besonders gut auskenne, weiß ich nicht. Aber ich stelle fest, dass Liebe, wo ich hinkomme, ein Thema ist, auf das sich alle einigen können. Gerade das Liebeslied in den vielen Sprachen hat in Hongkong fantastisch funktioniert, auch in New York, in Schweden. Gerade, wenn ich es vor internationalem Publikum aufführe, hat es den tollen Effekt, dass jede Strophe verstanden wird. In New York waren 2500 Menschen aus 47 verschiedenen Nationen. Man hat bei jeder Strophe genau gehört, wo die Italiener sitzen, wo die Russen, wo die Chinesen. Aus den unterschiedlichsten Ecken des Publikums brach sich die Begeisterung Bahn.
Als ich in Schweden auftrat, wurden sich natürlich skandinavische Sprachen gewünscht, die ich dann auch alle sang: isländisch, norwegisch, dänisch, schwedisch. Da habe ich gelernt, dass unter den Skandinaviern die dänische Sprache am lustigsten ist. Weil die auch wirklich anders klingt als der Rest. Als ich dänisch sang, haben sich die Schweden und Norweger alle weggepackt. Es passieren ganz wundervolle Dinge, je nachdem, wo ich auftrete.

"Ich poltere nicht rum auf der Bühne."


Welche Dinge bereiten Ihnen denn sonst im Programm Klaviersdelikte Probleme? Und gibt es für jedes Problem eine Lösung?
Ein Weg, einem Problem zu begegnen, ist für mich, die Dinge positiv umzudeuten. Es kommen im Programm Probleme zur Sprache, die mich wirklich nerven, die mich wirklich ärgern. Zum Beispiel moderne Architektur. Oft denke ich da: „Mein Gott, muss das so schlimm aussehen? Wenn man zwölf Semester Architektur studiert und dann kommt so etwas dabei heraus. Muss das sein? Das hätte ich auch gekonnt.“
Das Problem ist ja nicht die Architektur, sondern die Motive, aus denen heraus sie stattfindet. Das ist in meinen Augen ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. Es geht um Effizienz und Kostenersparnis. Nicht der Architekt entscheidet oft, was gebaut wird, sondern der Investor. Der hat keine Ahnung - und Angst. Es wird eben nicht mehr Leidenschaft als Prämisse gesetzt. Nach dem Motto: „Wir bauen das, was wir am geilsten finden, was wir am tollsten können, mit ganz viel Liebe zum Detail, koste es, was es wolle.“ Der Kölner Dom ist ein gutes Beispiel, überhaupt die Kirchen oder die Moscheen. Die sehen super aus. Warum? Weil sie nichts Geringeres verfolgen, als den Zweck, Gott zur Ehre zu gereichen. Und deshalb ist es selbstverständlich, dass wir unser volles Herz hinein geben, unser ganzes Herzblut und unsere ganze Leidenschaft. Würden wir das in allen Bereichen unseres Lebens tun, dann gäbe es in unserem Land besseres Fernsehen, unterhaltsame, witzige, nicht nervtötende Werbung, bessere Architektur. Es wäre einfach besser, als es ist.
Gerade Werbung ist so ein Thema, über das ich mich aufregen kann und über das ich Lieder schreibe. Ich begegne im Grunde meinen eigenen Problemen, die ich aber, glaube ich, mit vielen Menschen teile. Dadurch, dass ich mit ihnen kabarettistisch umgehe, ist es nicht nur unterhaltsam, sondern fällt vielleicht leichter. Es schließt nicht die Augen vor den herrschenden Umständen. Es benennt sie total, aber nicht mit so einer Zeigefingermentalität. Ich poltere nicht rum auf der Bühne und beschwere mich nicht, sondern versuche, dem Ganzen die positiven Aspekte abzugewinnen.

Problematisch wird es für Sie also, wenn Sie derzeit allerorts auf die Bauhaus-Architektur stoßen?
Ich finde im Grunde alles gut, was vor 1920 entstanden ist. Danach ging es ja so los mit Bauhaus. Ich denke bei den meisten Bauhaussachen: „Au Backe!“ Ich möchte da nicht drin wohnen.

Fürchten Sie keine Probleme, wenn Sie dies auch in der Bauhaus-Heimat Weimar besingen?
Letztendlich ist es ja eine Geschmacksfrage. Alles so zu bauen, als wäre es alt oder wie in vergangenen Jahrhunderten, halte ich jetzt auch nicht für die Lösung, alleine schon aufgrund von Energieeffizienz. Dass man inzwischen eben herausgefunden hat, dass, wenn man anders baut, ist es auch nachhaltiger für die Umwelt. Das kann ich nur unterstützen: Nur, was ich aus den alten Gebäuden heraus spricht, ist Liebe zum Detail. Und die kann ich in neuen Gebäuden kaum erkennen. Nur sehr, sehr selten und wenn dann in anderen Ländern. Und das finde ich schade. Ich halte es für möglich, einen Baustil zu finden, der Liebe zum Detail zum Ausdruck bringt. Nur findet der dann nicht statt, wenn wir den BWLern das Kommando übergeben.

"Ich habe wirklich alles schon erlebt mit der Deutschen Bahn."


Delikte – das klingt ja so ein wenig nach Polizeisprache – hatten Sie schon einmal Probleme mit der Polizei?
Ich hatte mal ein ganz gut gefülltes Punktekonto in Flensburg. Inzwischen fahre ich immer Bahn zu meinen Auftritten. Aber bei meiner ersten Tour 2002, als ich richtig viele Auftritte am Stück hatte, da war ich mit einem Mietwagen unterwegs. Ich musste nach München und habe mich verkalkuliert. Ich war spät dran und dementsprechend schnell unterwegs. Das war auch ein schnelles Auto. Ich wurde geblitzt und war einen Tacken zu schnell. Ich dachte: „Oh Mist und blöd. Aber was soll ich machen jetzt? Ich bin ohnehin zu spät.“ Ich fuhr weiter und wurde wieder geblitzt. Ich bin zum Glück noch rechtzeitig zum Auftritt gekommen, aber hatte sechs Punkte mehr. Das bedeutete auch, einen Monat lang den Führerschein abgeben zu müssen. Seitdem denke ich mir: „Fährst du lieber mit dem Zug. Dann kommst du möglicherweise auch zu spät, wenn die Deutsche Bahn mal wieder Verspätung hat, aber du sammelst immerhin nicht mehr Punkte in Flensburg.“

Die Deutsche Bahn haben Sie auch schon mehrfach besungen. Da liegen die Probleme sicherlich quasi auf der Schiene?
Das Ganze kabarettistisch zu verarbeiten, hilft mir auch selber, darunter nicht so zu leiden. Man könnte sich natürlich köstlich aufregen über die Deutsche Bahn. Ich merke, inzwischen bin ich oft der Entspannteste. Wenn mal wieder Verspätung angesagt ist und den Leuten um mir herum der Kragen platzt, dann sitze ich da und denke: „Das habe ich alles schon erlebt. Das ist mir nicht neu.“
Und ich habe wirklich alles schon erlebt mit der Deutschen Bahn. Zu der Zeit, als ich noch meine Reisetagebucheinträge über das Reisen mit der Deutschen Bahn verfasst habe, habe ich mich jedes Mal gefreut. Wenn mal wieder was passiert, dachte ich: „Oh super, das werde ich gleich verarbeiten und aufschreiben.“ Oft habe ich die Sachen nur 1:1 vorgelesen auf der Bühne, was passiert ist, und die Leute lagen vor Lachen auf der Erde.

Einer ihrer bekanntesten Nummern heißt „Ja, Schatz“. Allein bei Youtube wurde das Lied schon mehr als 3,6 Millionen Mal angeklickt. Ist es ein Problem, dass das Stück bei jedem Ihrer Konzerte immer wieder von den Fans gefordert wird?
Einerseits werden mir meine alten Stücke zum Glück nicht langweilig. Ich spiele sie nach wie vor gerne. Aber ich habe auch große Lust auf die neuen. Ich dachte lange Zeit, es wäre wichtig, den Leuten auch ihren Wunsch zu erfüllen. Aber inzwischen entscheide ich danach, auf welches Lied ich am meisten Lust habe. Wenn ich „Ja, Schatz“ spiele, dann meistens als Zugabe im laufenden Programm. Manchmal habe ich da total Bock drauf. Und manchmal habe ich aber auch Lust, den Leuten ganz neue Stücke zu präsentieren. Und dann mache ich eben das. Und auch dies wird begeistert zur Kenntnis genommen.
Natürlich wünscht man sich erst einmal das, was man schon kennt, weil man es eben schon kennt und gut findet. Deswegen sind die Leute auch oft gekommen, weil sie mich über dieses Lied kennen gelernt haben. Was aber nicht bedeutet, dass ihnen etwas Neues möglicherweise auch gefällt. Und das weiß man eben vorher nicht, es ist ein Risiko für beide Seiten, aber ich bin bereit, es einzugehen.


"Viele Leute tun der Sprache Gewalt an, damit es sich am Ende irgendwo reimt."


Worauf man sich bei Ihnen verlassen kann, ist, dass sich Ihre Texte reimen. Ist es ein Problem für Sie, nicht in Reimen zu denken oder gar zu träumen?
Ne. Also ich sage manchmal Sachen, die sich zufällig reimen. Mir fällt es vielleicht schneller auf als anderen Leuten, wo sich in der deutschen Sprache Reime verbergen. Oft ja gerade an Stellen, wo man sie gar nicht vermutet hat. Das sind mir tatsächlich auch die liebsten Reime, die die Sprache nicht verdrehen. Viele Leute tun der Sprache Gewalt an, damit es sich am Ende irgendwo reimt. Das mache ich nicht. Mir ist es wichtig, dass die Sprache immer noch möglichst natürlich und klar daherkommt. So, als würde ich es sagen, als würde ich so sprechen, es sich aber trotzdem möglichst elegant und überraschend reimt.

Sie haben ja auch einen Reim zu jedem Frauennamen gefunden – mittlerweile sind es über 700 Strophen. Bereitet Ihnen denn kein Name Probleme? Haben Sie beispielsweise einen Reim für meine Frau Susanne?
Den kenne ich sogar auswendig: Susanne, Susanne, du weckst bei mir das Kind im Manne. Susanne, wird Zeit, dass ich mit dir entspanne, am besten in der Wanne. Dann koch‘ ich uns `nen de-liziösen Kräutertee. `Ne Tasse, Susanne? Ach was, `ne ganze Kanne.

Haben Sie kein Problem damit, meine Sätze mit Reimen zu vervollständigen?
Auf Knopfdruck kann ich so etwas nicht gut. Wichtig ist, dass ich nicht unter Druck stehe. Wie bei allem im Leben wahrscheinlich. Die Reime fallen mir eher zu und zwar wenn ich nicht damit rechne, also dann wenn ich nicht danach suche.

"Informationstechnologie kann mich tierisch auf die Palme bringen."


Mit einem Reimbattle wie bei Rappern hätten Sie also ein Problem?
Das kann man sicherlich üben. Das ist kaltes Wasser, in das ich in dieser Form noch nicht gesprungen bin. Die Namensreime sind übrigens seit ein paar Tagen online. Da kann man sich auf meiner Internetseite zu seinem Vornamen die Strophe vorsingen lassen.

Die Computerwelt besingen Sie ja auch. Welche Probleme haben Sie hier?
Informationstechnologie kann mich tierisch auf die Palme bringen. Mein Drucker, der einfach nicht drucken will aus heiterem Himmel. Ich bin dann völlig aufgeschmissen und brülle ihn an: „Wieso denn nicht? Du hast doch gerade eben noch... Was ist denn da los?“ Einerseits erleichtert es viel, es schafft aber auch viele Probleme, die man vorher nicht hatte.

Termine
Bodo Wartke, Klaviersdelikte“
27. September, 20 Uhr, Volkshaus Jena (ausverkauft)
11. Oktober, 20 Uhr, Weimarhalle, Weimar
17. Oktober, 20 Uhr, Kulturhaus Gotha
19. Oktober, 19 Uhr, Kaisersaal Erfurt
Mehr Infos: www.bodowartke.de
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