Die Gothaer Fächersammlung

Ute Däberitz, wissenschaftliche Betreuerin der Sammlung. (Foto: Foto: Uwe-Jens Igel)
 
Ute Michaels zeigt der Presse Teile ihrer Sammlung. (Foto: Foto: Uwe-Jens Igel)
Gotha: Schloss Friedenstein | Die Stiftung Schloss Friedenstein bewahrt eine der bedeutendsten musealen Fächersammlungen Deutschlands. Bereits im frühen 19. Jahrhundert unter Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1775- reg.1804-1822) angelegt und später noch geringfügig erweitert, umfasst sie heute annähernd 300 Fächer europäischer und ostasiatischer Provenienz des 16. bis 20. Jahrhunderts sowie einige ethnographische Exemplare des 19. Jahrhunderts aus dem Orient, aus Südostasien und aus Amerika.

Ein großer Teil der Sammlung wurde Herzog August von Joseph Meyer (1796-
1856) vermittelt. Der spätere Verleger und Begründer des weltberühmten
Bibliographischen Instituts war von 1817 bis 1820 in einem Londoner
Exportgeschäft tätig und erwarb in dieser Zeit zahlreiche Objekte für das
"Chinesische Cabinett" seines Gothaer Landesherrn.

"Schicken Sie mir doch auch schöne eventails (französische Bezeichnung für
Fächer) von der ganz neuesten Mode, ..., indische, japanische, chinesische,
aber auch acht brittische, ..." - schrieb der Herzog im Dezember 1817 an
Meyer.

Joseph Meyer kaufte daraufhin „ (... ) Sonnenfächer und Luftwedel zierlich,
prachtvoll in Deutschland noch nie gesehen, schön gemalt und geschmückt, (
...) für die Sammlung des Herzogs, die um 1820 bereits 234 Stücke
umfasste.

Neben wechselnden Ausstellungen im Schloss Friedenstein, wurden Teile der Gothaer Fächersammlung bereits in Düsseldorf, Braunschweig, München und London präsentiert.

Dank großzügiger Förderung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung konnte 2007 ein Bestandskatalog publiziert werden.



Stiftung Ute Michaels
Ute Michaels sammelte in ihrer Kindheit kleine Barockengelchen. Eines Tages versprach ihr der Vater, dass sie sich in einem Geschäft ein besonderes Schmuckstück heraussuchen darf. Die Wahl fiel auf einen Fächer. Sie fragte den Vater: „Stehst du noch zu deinem Angebot? Der ist schön. Den will ich haben" Damit war die Leidenschaft für die kleinen Kunstwerke geweckt. Nach und nach vergrößerte sich die Sammlung und in 30 Jahren kamen 473 Fächer zusammen. Dabei war es Ute Michaels immer wichtig, nicht jeden Fächer zu bekommen. Sie erwarb nur besonders kostbar gearbeitete Stücke mit feinen Schnitzereien oder schönen Malereien.

Die Sammlung wurde 1998 erstmalig in der Ausstellung „Ein Hauch von Luft und Liebe" im GRASSI Museum für angewandte Kunst Leipzig öffentlich gezeigt. Danach folgte eine kleine Ausstellung 1999 im Knauf-Museum, Iphofen und 2008 in Landsberg am Lech. 2005 entschloss sich die Sammlerin, eine Stiftung zu gründen. „Ich möchte die besondere Kultur der Fächer für nachfolgende Generationen erhalten und fürchte, dass diese wertvollen Objekte sonst verloren gehen oder die Sammlung verteilt wird." erklärt Ute Michaels den Entschluss. Bei einem Gespräch mit Dr. Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, entstand die Idee, die Sammlung nach Gotha zu geben. Die traditionsreiche Geschichte der Gothaer Fächersammlung aber auch deren heutige Pflege und öffentliche Präsentation haben die Münchner Sammlerin dazu bewegen, den Gesamtbestand der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha anzuvertrauen. „Es ist eine wunderbare Ergänzung zu den Gothaer Beständen. Mit den Fächern aus dem l 7. und 20. Jh. werden die Lücken dieser Sammlung geschlossen." freut sich die Sammlerin.

Eine erste Auswahl von 30 Fächern der Stiftung Ute Michaels wird bis 19. Juni 2011 im so genannten Fliederzimmer des Westflügels von Schloss Friedenstein präsentiert. Gezeigt werden Fächer aus Frankreich, England, Deutschland, Österreich, Holland, Italien, Portugal, Chinajapan und den USA. Das älteste Exemplar stammt aus der Zeit um l 700 - das jüngste aus dem Jahr 1950.
Leider können die fragilen Kunstwerke aus konservatorischen Gründen nicht dauerhaft gezeigt werden. Im zukünftigen Herzoglichen Museum ist jedoch ein Kabinett für die Fächersammlung vorgesehen. Hier wird in wechselnden Ausstellungen die Vielfalt der Sammlung gezeigt, die nunmehr durch die Stiftung Ute Michaels wesentlich bereichert wurde.

Ute Michaels arbeitet gerade an einem Bestandskatalog der Fächersammlung.
Weitere Information und Bilder zu den Fächern unter: http://stiftung-utemichaels.org
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