Die süße Versuchung - Fair Trade an der Arnoldischule

  Sie bringt den Kreislauf in Schwung, steigert die Leistung und senkt laut einer britischen Studie das Risiko einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems erheblich. Wir Deutschen können nicht genug von ihr bekommen – Schokolade ist so beliebt wie nie zuvor! Jeder Bundesbürger konsumierte im letzten Jahr durchschnittlich knapp 10 Kilogramm Schokolade, täglich gehen 2,8 Millionen Tonnen Schokoladenerzeugnisse über die Ladentheken der Republik. Doch von der Kakaofrucht im Erzeugerland bis zur Schokoladentafel in unserem Süßigkeitenschrank ist es ein weiter Weg. Nur die wenigsten machen sich Gedanken darüber, unter welchen Bedingungen der Kakao in unserer Schokolade in fernen Ländern dieser Welt angebaut wurde. Müssen in Afrika oder Lateinamerika Menschen auf Kakaoplantagen zu Hungerlöhnen schuften, möglicherweise sogar Kinder? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten die Schüler des Biologieleistungskurses und ihre Lehrerin Kati Lang im Rahmen des Projekttages „Welthandel und Fairer Handel am Beispiel von Kakao“ durch die Studenten Daria Mundt und Niklas Hellberg vom Netzwerk für JugendUmweltBildung in Thüringen (JUBiTh). Durch anschauliche Ausführungen lieferten die Experten einen Einblick in den konventionellen Kakaohandel unserer Welt, der sehr stark durch die Börsen in aller Welt bestimmt ist. Nachdem die Strukturen der herkömmlichen Handelswege und die daraus resultierenden Arbeitsverhältnisse der Kakaobauern in Ländern wie der Elfenbeinküste oder Ghana eindrucksvoll erläutert wurden, zeigten sich viele der Arnoldischüler entsetzt. Aus ihrer Sicht ist es nicht fair, dass die Erzeuger des Kakaos trotz harter Arbeit oftmals am Rande des Existenzminimums leben. Großkonzerne drücken die Löhne erheblich, um selbst hohe Gewinnen abwerfen zu können; für sie spielt die schlechte Situation der Erzeuger überhaupt keine Rolle. Aus diesem Grund haben es sich bestimmte Konzerne auf die Fahne geschrieben, einen sozial und ökonomisch nachhaltigeren Kakaohandel zu betreiben, der viel bessere Konditionen für Produzenten ermöglicht. Durch langfristige Verträge und fairere Löhne könne so die Ausbeutung und Verarmung der Bauern verhindert werden. Größtes Manko dieser aus nachhaltig erzeugten Kakao gewonnenen Schokoladenprodukte ist der im Vergleich zu herkömmlichen Produkten höhere Preis, vorallem wegen der strengen Auflagen bezüglich des Anbaus. Ein weiteres Problem der fair erzeugten Produkte ist der geringe Bekanntheitsgrad – die weltweite Nachfrage ist mit einem Anteil von 0,1% am Schokoladenhandel sehr gering. Gründe hierfür hatten einige Schüler auch parat: Sie merkten an, dass Fair-Trade-Schokolade ihrer Meinung nach nicht das intensive, altbewährte Geschmackserlebnis einer herkömmlichen Schokolade ersetzen könne. Nach einer Verkostung ausgewählter fair gehandelter Schokoladenerzeugnisse waren sie positiv überrascht: „Die ökologisch nachhaltig produzierte Schokolade steht der herkömmlichen Schokolade geschmacklich in nichts nach“, so Elisabeth Garbe. Nach der Durchführung eines anspruchsvollen und sehr realitätsnahen Planspiels, bei dem der konventionelle Handel dem Fair-Trade gegenübergestellt wurde, stellte sich für den Biologiekurs die abschließende Frage, ob man den fairen Kakao-Welthandel durch den Kauf entsprechender Schokolade unterstützen sollte. Wir stellten gemeinsam fest, dass das System FAIR TRADE noch geringfügig verbesserungsbedürftig ist (z.B. durch das Einführen noch strengerer Standards), im Großen und Ganzen aber prima den Spagat zwischen fairen Konditionen für die Produzenten und akzeptablen Preisen schafft. Produkte aus fair gehandeltem Kakao müssten daher dringend beispielsweise durch Werbung, ins Bewusstsein vieler Deutscher gebracht werden, da jeder Einzelne von uns durch den Kauf solcher Schokolade dazu beitragen kann, einigen Kakaobauern ein lebenswerteres Dasein zu ermöglichen. Aus diesem Grund wäre es aus Sicht des Biologiekurses ein Schritt in die richtige Richtung, in der Schulcafeteria statt den herkömmlichen Schokoriegeln Schokoladenerzeugnisse aus ökonomisch und sozial nachhaltigem Kakaoanbau anzubieten.
Adrian Fischer
Abi 15
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