dzien.de – 1. Polnischer Tag an der Arnoldischule

  Mit dem Thema Polen beschäftigten sich am 11. Juni 2013 70 Arnoldianer der Klassenstufen 8 bis 10. Auf dem Plan standen vielfältige Aktivitäten zum besseren Verständnis von Kultur und Politik jenseits von Oder und Neisse. Die Klasse 8 bearbeitete beispielsweise mit Deutschlehrerin Dagmar Rohbock die Ballade „Pani Twardowska“ des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz. Im Schachunterricht analysierten die schachbegeisterten Arnoldianer mit Schachlehrer Lutz Herrmann die „Polnische Verteidigung“ und einen legendären Sieg des polnischen Großmeisters Bogdan Sliwa gegen den sowjetischen Großmeister David Bronstein am 12.09.1957 in Gotha. Marta Kurek und Thomas von der Gönna von der Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW) erarbeiteten mit Schülern der 10. Klassen die Symbolik des Kniefalls von Willy Brandt 1970 vor dem Warschauer Ghettodenkmal für die Annäherung von Deutschen und Polen in Zeiten des Kalten Krieges. Erste Erfahrungen mit der Polnischen Sprache sammelten Grundschülerinnen und Grundschüler aus der Hörseltalschule in Mechterstädt zusammen mit Polnischlehrerin Lucyna Festag.

Ein Wiedersehen mit Heinz Scholz, als Lehrer an der Anna-Seghers-Schule Generationen von Schülern ein Begriff, hatten etwa 40 Zuhörerinnen und Zuhörer, unter Ihnen viele seiner ehemaligen Schüler und auch der Vorsitzende des Weimarer Dreiecks, Dieter Hackmann, am Abend beim Vortrag über das Verhältnis zu den Polen. Als gebürtiger Schlesier, der in den Dreißigerjahren die gängige Erziehung zu nationaler Überheblichkeit im Nationalsozialismus durchlief, gehörte er zu den Vertriebenen der Nachkriegszeit.
Von der Polnisch sprechenden Großmutter über die Stimmung unter heimatvertriebenen Deutschen in Ost- und Westdeutschland nach 1945 spannte Heinz Scholz gekonnt den Bogen bis zu seiner Freundschaft mit einer polnischen Familie, die sich seit den Sechzigerjahren entwickelt hatte und in seinem schlesischen Heimatort Löwenberg/Lwowek Slanski ihren Anfang nahm.
Seinen damaligen Eindruck von den Polen fasste er wie folgt zusammen:
„Die Polen hatten etwas mehr Freiraum als wir in der DDR. Aber sie haben auch mehr Zivilcourage aufgebracht, waren risikobereiter, ungezwungener, lässiger, pragmatisch schlauer, Wodka-mutiger mit einem Hang zu anarchischem Aufbegehren und fühlten sich in ihrem traditionellen religiös – nationalen Patriotismus, gestützt von ihrem polnischen Papst, unschlagbar. Sie gaben sich als Polen ‚nie verloren‘. Mit Solidarnosc kamen Antrieb und Muster für das Verlangen nach Reformpolitik aus Polen auch in die DDR.“
Erfrischend positiv seien auch die Kontakte mit Schülern und Lehrern aus Polen nach 1989 gewesen, so Heinz Scholz. Als Fazit befand er, dass Polen und Deutsche gut zusammen passen, sich ideal ergänzen. Beide Länder und letztlich auch Europa können von guten Beziehungen nur profitieren.
Projekte wie dzien.de und das Polnisch-Klassenzimmer an der Arnoldischule seien dabei richtige und wichtige Schritte.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer gingen mit dem guten Gefühl nach Hause, einen wahrhaft
europäisch-humanistischen Vortrag gehört zu haben.
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