Ein Fenster in die Vergangenheit

Pfarrer Bernd Kramer mit dem zu restaurierenden Buchdeckel.
 
der zu restaurierenden Buchdeckel aus dem Jahr 1605
Wandersleben: Kirche |

Seltene Zeitzeugen nachreformatorischer Adelsgeschichte aus Thüringen und Hessen sollen erhalten werden:



WANDERSLEBEN. Als im Jahre 1896 die Kirche in Wandersleben umgebaut wurde, hat man auch die Gruft der Gräfin Elisabeth von Isenburg-Büdingen geöffnet. Beim Blick auf die Geborene von Gleichen-Tonna (*22.10.1554 /+19.7.1615) staunten die Menschen nicht schlecht, als sie in ihrem Grab auf seltene Funde aus der Zeit kurz vor dem 30-jährigen Krieg stießen.

“In der St. Petri-Kirche fand man damals den gut erhaltenen beschrifteten und mit Wappen versehenen Zinnsargdeckel sowie eine silberfiligrane Bucheinbandverzierung aus dem Jahr 1605 und ein mit Edelsteinen besetztes goldenes Armband“, erzählt Pfarrer Bernd Kramer, der bei seiner Amtseinführung den wertvollen Schatz übergeben bekam. Seit 117 Jahren also wird er Schatz von Pfarrer zu Pfarrer weitergegeben. „Und weil die wertvollen Stücke durch das lange Liegen, in einem bestens gesicherten Tresor an geheimem Ort, nicht besser werden, haben wir nun beschlossen, beginnend mit dem Bucheinband, den Schatz restaurieren zu lassen.“ Schon damals, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, sind Heiratsverbindungen zwischen thüringischen und hessischen Adelshäusern bekannt - die gräflichen Familien Gleichen-Tonna und Isenburg-Büdingen waren also seit dieser Zeit mit einander verwandt. So ehelichte 1476 Graf Siegmund II. von Gleichen Herr zu Tonna eine Elisabeth von Isenburg-Büdingen. Dies sind die Urgroßeltern der Elisabeth von Isenburg-Büdingen geborene von Gleichen, die in der Wanderslebener Kirche 1615 beigesetzt wurde. Gemeinsam mit ihrem Gemahl Heinrich von Isenburg-Büdingen (*13.9.1537/ +31.5.1601), der sie nach dem Ableben seiner ersten Frau am 10. November 1572 ehelichte, residierte Elisabeth von Isenburg-Büdingen (*22.10.1554/+19.7.1615) auf der Ronneburg in der Wetterau. Noch heute befinden sich dort eine Bauinschrift, die auf Gräfin Elisabeth Bezug nimmt, sowie das Allianzwappen Isenburg-Gleichen. Der Historiker F. Krügelstein berichtet: „...sie lebte und starb auf ihrem Witwensitz Ronneburg, wo sie zuerst von den Isenburgischen Erben viel Drangsal zu erleiden hatte. Sie liegt in Wandersleben begraben.“. Bis auf den silberfiligrane Bucheinband ist vom Rest des Gebetbuches nichts erhalten geblieben. Gemeinsam mit dem Armband ist es ein besonderes Dokument der Goldschmiedekunst um 1600. Vorder- und Rückseite des Gebetbucheinbandes beziehen sich auf den Halbbruder der Verstorbenen, den Grafen Philipp Ernst von Gleichen, Spiegelberg und Pyrmont, Herr zu Tonna (als Buchstabenfolge PEGZGSVPHZT), und dessen Ehefrau Anna Agnes geborene Gräfin von Hohenlohe und Langenburg, Gräfin zu Gleichen, Spiegelberg und Pyrmont, Frau zu Tonna (Buchstabenfolge AAGGVHVLGZGSVPFZT). Die entsprechenden Wappen sind in Silber und vergoldetem Silber gestaltet und zieren Vorder- und Rückseite des Bucheinbandes.


Mit Hilfe des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege, der Gemeinde Drei Gleichen, der Kirchgemeinde und dem Förderverein, aber auch der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland und vielen privaten Spendern, sollen die benötigten Mittel zusammengetragen werden. „Wir brauchen aber dringend noch weitere Sponsoren“, sagt Bernd Kramer und hofft, auf weitere freigiebige Geldgeber.


HINWEIS: Wer spenden möchte, kann das tun bei der Kreissparkasse Gotha Konto-Nr.: 3000 25 335 Bankleitzahl: 820 520 20 Kennwort: „Elisabeth“ Auf Wunsch können auch Spendenquittungen ausgestellt werden.
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