"Ein weißes Blatt Papier neu beschreiben"

Betreiber Alexander Linß
Gotha: The Londoner Music Pub | Zum Monatsende schließt The Londoner in der Perthes-Straße / Neueröffnung Ende September im Alten Schlachthof |||


GOTHA. Aus dem historisch-legendären, alt ehrwürdigen Perthes-Saal wird ein schnödes Hochregallager. Triste Papierstapel an statt sattem Rock und publikumswirksamen Veranstaltungen. „Weil der so schön hoch ist”, sagt Alexander Linß, Betreiber des The Londoner in der der Perthes-Straße. Und genau das könnte der Aufreger des Jahres sein. Doch glaubt man Alexander Linß kann alles nur viel besser werden, ab September, am neuen Standort. Doch der Reihe nach. Ja, es stimmt, was die Spatzen seit Wochen von den Linden in der Perthes-Straße pfeifen: Das Londoner stirbt - zumindest an seinem angestammten Platz. Der Grund: Das Perthes-Forum wird derzeitig umgebaut und soll in den kommenden Jahren von Grund auf neu entstehen, als ein Teil des Barocken Universums. Hier investieren die Stadt Gotha und die Bundesrepublik Deutschland rund 30 Millionen Euro für ein zentrales Depot und ein Archivgebäude. Und dafür müssen das Londoner Pub und der Perthes-Saal weichen. „Zwar habe ich hier einen gültigen Mietvertrag bis in das Jahr 2018, jedoch wollte ich einer solch gewaltigen Investition und der immensen Wirtschaftskraft für die am Bau beteiligten Firmen nicht entgegenstellen”, sagt Linß und weist in seiner bekannt charmanten Art auf die gute Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung Gotha und dem Schloss Friedenstein hin, „die uns in einigen Punkten den Umzug leichter gemacht haben.” Übernommen hatte Alexander Linß die Räumlichkeiten am 18. März 2008, in denen schon seit 2002 das Irish Pub seine Gäste begrüßen konnte. Schon ein Jahr später, im Mai 2009, hatte der Gastronom von den Plänen des Umbaus und der damit einhergehenden Schließung der Location erfahren. Und trotzdem steckte er mit seinem Team alle Energie und eine nicht unerhebliche Summe in den Betrieb von Pub und Saal. Namhafte Bands und Einzelkünstler sowie Veranstaltungen des „art der stadt” sorgten immer wieder für ein volles Haus. „Wir wünschen uns, dass das auch am neuen Standort so sein wird und uns die Gothaer weiter die Treue halten werden”, hofft Alexander Linß, der mit seinem jetzt fünfköpfigen Team über den Sommer die ehemalige Musikkneipe „Slaughterhouse” im Alten Schlachthof sowie den angrenzenden ehemaligen Getränkemarkt neues Leben einhauchen und entsprechend umbauen will.


”Doch bevor es dort richtig losgeht”, verspricht der engagierte junge Mann mit seiner John-Lennon-Brille, „werden wir uns am alten Fleck standesgemäß verabschieden.” So können sich die Besucher am Freitag, 25. Mai, auf eine Londoner-typische Veranstaltung freuen: Das Bandaoke. Diese Idee hatte Stammgast und Stadtführer Ralf-Uwe Heinze aus England mitgebracht. Im Londoner wurde es zur Bühnenreife gebracht und in die große weite Welt exportiert. Gestalten werden dies „Ungestühm Unplugged”. Mit dabei an diesem Abschieds-Wochenende sind am 26. Mai dann auch „Daily Dirt Reloaded” und die „Oldie Factory”. Am 31. Mai dreht sich dann der Schlüssel zum letzten Mal im Schloss. Aber von Wehmut wollen Linß und sein Team nichts wissen. „Wir hatten genug Zeit, um uns mit dem Gedanken anzufreunden. Und wenn wir sehen, was in der Perthes-Straße alles nicht ging, so freuen wir uns doch schon ein wenig auf den Alten Schlachthof, um dort ein neues Blatt weißes Papier zu beschreiben.” Neu im Team ist dann auch Mit-Geschäftsführerin Christiane Luck, die sich um alles Administrative kümmert und „mir den Rücken freihält, damit ich träumen kann”, freut sich Linß, der jetzt, wo sich die tolle Atmosphäre im Londoner bei den Agenturen rumgesprochen hat, etwa 30 Band-Anfragen pro Woche erhält. „Wenn alles klappt, und da bin ich mir ziemlich sicher”, lehnt sich Linß weit aus dem Fenster, „werden wir am 28. September mit `Voodoo Child´ und den `New Paints´ eröffnen.” Dann können sich die Gäste auf deutlich mehr Platz freuen. Denn das „neue” Londoner, der Name soll übrigens bleiben, hat dann im Kneipenbereich rund 130 qm und noch einmal etwa 170 qm im Saal. Dazu gibt es einen eignen Raucherraum. Weil alles ebenerdig ist, ist das „The Londoner II” rollstuhlgerecht und verfügt über eine behindertengerechte Toilette. „Auch versuchen wir die Gaststätte täglich ab 17.30 Uhr zu öffnen und bieten mehr Essen an”, verspricht Linß, der auch mit den 130 kostenfreien Parkplätzen, direkt vor der Haustür, versucht zu punkten.


Ob und wie das neue Domizil aber von den Besucher angenommen wird, ist fraglich. Zu wünschen wäre es der Gothaer Kulturlandschaft und dem engagierten Alexander Linß aber sehr. Denn das Londoner war und ist eine der ersten Adressen in der Stadt, wenn es um besondere und nicht alltägliche Veranstaltungen mit jeder Menge guter Musik geht.
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3 Kommentare
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Uwe Zerbst aus Gotha | 23.05.2012 | 22:34  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 23.05.2012 | 22:39  
Lokalredaktion Gotha aus Gotha | 24.05.2012 | 10:48  
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