Erlebte Geschichte im Klassenzimmer – Arnoldischüler im Gespräch mit Zeitzeugen über Flucht und Vertreibung der Deutschen von 1944-1949

  Die Klasse 10/2 der Arnoldischule hat unter Leitung ihrer Lehrerin Franziska Brock-mann in den letzten Wochen ein Projekt zum Thema „Oral History im Geschichtsunterricht. Zeitzeugenbefragungen zur Thematik Flucht und Vertreibung’“ durchgeführt. Krönender Abschluss waren die zwei Interviews, bei denen insgesamt drei Zeitzeugen zu Gast waren, die alle im Zuge des verlorenen Zweiten Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten, zum einen sind sie geflohen, weil sie die Rache der „Roten Armee“ gefürchtet haben, zum anderen wurden sie aber auch unfreiwillig vertrieben. Zu Gast waren Maria Kutsche, die ursprünglich in Ostpreußen wohnte, Ingomar Röhrich, der im Sudetengau aufgewachsen ist, und Dr. Gerhard Päselt, der aus Schlesien stammt. Ihr Leben wurde von heute auf mor-gen vollkommen auf den Kopf gestellt. Sie alle prägte das gleiche Schicksal, jeder von ihnen konnte sich nicht aussuchen, wie es weitergehen soll. Und trotzdem unterscheiden sich ihre Lebensläufe gravierend.
Wochenlang haben wir uns auf die Interviews vorbereitet und Zeitzeugen gesucht, die bereit waren, uns über ihre Erlebnisse zu berichten und geduldig unsere Fragen zu beantworten, die sich uns zu diesem Thema stellten. Anfang Dezember hatten wir schließlich einen Projekttag, der sowohl der inhaltlichen als auch methodischen Vorbereitung dienen sollte. Für den Ablauf dieses Tages hatten wir viel Verantwortung zu übernehmen: wir haben einen interessanten Schülervortrag zur thematischen Einführung gehört, haben in Gruppen Fragenkataloge erstellt und in Rollenspielen gelernt, wie schwierig der Umgang mit Zeitzeugen unter Umständen sein kann.
Um besser auf unsere Gesprächspartner eingehen zu können, haben wir zwei separate Gespräche geführt. Zunächst erzählten Frau Kutsche und Herr Röhrich über ihre Kindheit in der alten Heimat, ihre Flucht bzw. Vertreibung und die Integration in Thüringen. Unser dritter Zeitzeuge, Herr Päselt, lange Jahre Bundestagsabgeordneter und immer noch als Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen und Bürgermeister in Wandersleben aktiv, war einige Tage später als dritter Zeitzeuge zu Gast. Er erlebte sowohl Flucht als auch Vertreibung und war am längsten unterwegs, bis er mit seiner Familie Wurzeln schlagen konnte. Bei der anschließenden Auswertung der Interviews wurde deutlich, dass trotz vieler Unterschiede in Bezug auf die Erlebnisse allen gemeinsam ist, dass der Verlust der Heimat ihr weiteres Leben sehr geprägt hat. Aber allen dreien ist es gelungen, sich in Thüringen relativ schnell zu integrieren und ein neues Leben aufzubauen.
Das Ergebnis unseres Projektes ist eine DVD, die wir aus dem über vierstündigem Videomaterial erstellt haben. Insgesamt kann man sagen, dass unser Zeitzeugenprojekt sehr positiv verlaufen ist und eine willkommene Abwechslung im Geschichtsunterricht war. Die Zeitzeugen konnten uns einen guten Einblick in die Zeit der Flucht und Vertreibung geben und wir waren sehr dankbar, dass sie sich bereit erklärt haben, uns so viel Persönliches zu berichten. Außerdem wurden wir zum Nachdenken über diese grausame Zeit angeregt. Und wer weiß, vielleicht haben wir den Zeitzeugen dabei geholfen, ihre Emotionen aus dieser Zeit noch besser zu verarbeiten...

Adrian Fischer ist Schüler der Klasse 10/2.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige