"Es ist ein Wunder!"

Mor Severius Moses ist der Metropolit von Europa, ein Oberbischof der Antiochenisch Syrisch-Orthodoxen Kirche. Neben ihm hängt das Abbild der Schwarzen Madonna.
 
BürgerReporter Andreas Paasche berichtet regelmäßig über das Kloster. Mehr als 300 Bilder sind in der Galerie seines aktuellen Berichtes zu finden.
Leinatal: Kloster Altenbergen | Das noch junge Kloster St. Gabriel in Altenbergen wird zum Marienwallfahrtsort. Die Priester der Antiochenisch Syrisch-Orthodoxen Kirche freuen sich über das Abbild der Schwarzen Madonna. Zur Original-Ikone im polnischen Tschenstochau pilgern jährlich rund vier Millionen Gläubige. Der Metropolit von Europa, Mor Severius Moses, beschreibt im Interview die große Bedeutung.


Sie haben im Moment allen Grund zur Freude.
Was derzeit in unserem Kloster geschieht, ist von einem großen historischen und kirchlichen Wert. Wir waren in Tschenstochau in Polen. Das ist der größte Marienwallfahrtsort Mitteleuropas. Dort wird eine Mutter-Gottes-Ikone verehrt, die der Heilige Lukas selbst gemalt hatte und zu Lebzeiten die Mutter Gottes zu Lebzeiten auch noch gesegnet hatte. Das ist ein Original-Abbild, das wir von Tschenstochau bekommen haben, um hier im Kloster einen Marienwallfahrtsort zu eröffnen.

Am 31. August wird das Kloster ganz feierlich eingeweiht. Das ist ein einmaliges Ereignis, das nicht wiederholbar und von einem beständigem Wert ist. An diesem Tag möchten wir Thüringen unter den Schutz der Mutter Gottes stellen. Die ganze kirchlichen Aufgaben und Seelsorge, die wir haben, werden unter ihren Schutz gestellt. Zumal diese Ikone sowohl von der katholischen als auch von der orthodoxen Kirche sehr, sehr stark verehrt ist und praktisch eine Weltreise hinter sich hat: Man hatte sie von Japan nach England und von dort nach Spanien und Portugal getragen. In allen Städten und Dörfern, durch die sie gezogen ist, hat man die heiligen Messen gefeiert. Das ist von einem sehr großen Wert. Dass sie hier in Altenbergen verehrt werden kann, ist etwas sehr, sehr Großes.


Sie feiern in diesen Tagen ihr zweijähriges Bestehen. Ist dies das schönste Geburtstagsgeschenk, das Sie sich vorstellen können?
Genau. Es hat uns sehr berührt. Am 10. März vor zwei Jahren sind wir hier eingezogen. Und wirklich an diesem Tag kam die Ikone hier rein. Am 8. März waren wir in Polen – dort war die feierliche Übergabe. Das war für uns das größte Geschenk, das an diesem Jahrestag die Ikone hier ist.


Wie ist das zustande gekommen?
In der orthodoxen Kirche besteht - wie in der katholischen Kirche auch - ganz groß die Heiligenverehrung. Die Mutter Gottes als Mutter des Herrn ist besonders verehrt. Für mich war es wichtig - schon vor der Klostergründung, ganz egal, wo das Koster entstehen wird - dort einen Marienwallfahrtsort entstehen zu lassen. So ist die Idee gereift.


Das klingt ja so leicht.
Es ist ein Wunder! So etwas bekommt man nicht einfach so. Es ist nicht alltäglich. Ich muss sagen: Es ist eine Begebenheit, die normalerweise nicht möglich ist. Aber: Durch Gebete und diesen innigen Wunsch ist dieses Wunder entstanden. Ich hatte den Prior in Polen angeschrieben und ihm die Situation des Klosters hier geschildert. Was wir hier vorhaben und dass wir christlich aktiv sind, auch missionarisch tätig sind. Wobei im deutschen Sprachgebrauch das Wort christliche Mission einen negativen Beigeschmack hat. Es ist nichts anderes, als die frohe Botschaft Jesu Christi zu verbreiten und zu den Menschen zu bringen. Wir erklärten, dass wir diese ­Arbeit, diesen Dienst, unter den Schutz Mariä stellen möchten und fragten, ob er sich denn vorstellen kann, dass wir ein Originalabbild dieser Ikone bekommen könnten. Ich habe nicht geglaubt, dass dies in dieser Form so entstehen wird. Er hat mich eingeladen und mit der größten Liebe und mit Verständnis hat er gesagt, er möchte eine feierliche Übertragung machen. Das ist etwas Einmaliges.


Was verändert sich, wenn das Kloster zum Marienwallfahrtsort wird?
Es wird zur Anlaufstelle für viele Menschen, für Christen aus aller Welt, die den Bezug zur Mutter Gottes haben, die einen Stützpunkt suchen, um besondere Gebete, Bitten und Nöte, Ängste, aber auch Danksagungen an gewissen Orten darzubringen, wo sie wissen: Hier ist ein Marienheiligtum. Und dazu pilgern viele Menschen beispielsweise nach Altötting in der Nähe von München oder sie pilgern in die Schweiz nach Einsiedeln oder nach Polen usw. Die Menschen sind auf der Suche nach diesen besonderen Heiligtümern, um in diesem Pilgern auf dem Weg dorthin Gott zu zeigen, wie viel Wert ihnen die Sache ist, dass sie diesen ganzen Weg auf sich nehmen, um dort eben dieses Gebet darzubringen.

Wenn Altenbergen bekannt wird, weil es dieses Heiligtum in sich birgt, wird dieses Kloster hier eine Anlaufstelle für Menschen sein, die sagen: Hier ist wieder ein Ort entstanden, zu dem ich pilgern kann. Besonders wird es eine Anlaufstelle für orthodoxe und katholische Christen sein, da diese Ikone beide Kirchen sehr stark miteinander vereint. Es wird eine große Anlaufstelle sein für Polen, die hier in dieser Region leben. Mit der Ikone kommt für sie ein großes Stück Heimat nach Deutschland, nach Thüringen. Die Polen haben eine große Verbindung zu ihrer Heimat und versuchen, diese Heiligtümer oft zu besuchen. Wenn man weiß: Ich bin durch diese Ikone schon zu Hause, dann schenken wir diesen Menschen ein neues Stück Heimat.


Warum hat dieses kleine Kloster so eine große Bedeutung?
Dieses Kloster hier ist der Sitz des Metropoliten, also dem Primas der Kirche. Dieses Kloster ist das Mutterhaus unserer orthodoxen Kirche. Weil der Bischofssitz des Primas in Deutschland sein sollte, haben wir uns Gedanken gemacht: Wo möchten wir diesen Sitz etablieren? Thüringen hat sich dann angeboten als Zentrum in der Mitte Deutschlands. Es hat sich aber auch insofern angeboten, weil es über 80 Prozent kirchlich nicht beheimatete Menschen gibt. Daher haben wir gesagt, dass wir hier ein orthodoxes Kloster gründen möchten, um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, auch eine kirchliche neue Heimat zu finden, zumal wir eine Urkirche sind, sogar die Mutterkirche aller Kirchen. Wir sprechen auch die Sprache Jesu.

Für die Klostergründung haben wir damals eine Zeitungsannonce aufgegeben: "Suchen eine besondere Immobilie." Die Besitzer hatten sich gemeldet. Wir haben uns das angeschaut und gesehen: Wir können ein Kloster daraus machen. Das ist die Geschichte, warum wir hier sind.

In diesem Zusammenhang haben wir gesagt: Wir machen noch einen Marienwallfahrtsort daraus. Letztes Jahr im Mai war ich eingeladen zu einer Reihe von Vorträgen in Polen. Im Heiligtum habe ich in der Basilika die Predigt gehalten. Als ich dann vor dieser Ikone stand, war das wie eine Eingebung in meinem Herzen, dass ich gesagt habe: Ich möchte um jeden Preis die Mutter Gottes von Tschenstochau in meinem Kloster haben. So hat es sich dann ergeben.


Sie feiern in diesen Tagen ihr zweijähriges Bestehen. Wie haben Sie die vergangenen zwei Jahre erlebt? Wie wurden sie von den Menschen hier aufgenommen?
Wirklich herrlich. Wir haben eine absolut gute und liebenswerte Beziehung zu den Menschen hier in der Gemeinde, in dem gesamten Kreis Gotha. Das Kloster genießt mehr und mehr einen großen Namen. Das Kloster wird immer bekannter. Mit unseren vielen Angeboten ist das Kloster eine Anlaufstelle geworden – in der Seelsorge, aber auch zum Gebet. Es hat sich eine kleine Gemeinde schon gegründet. Obwohl wir niemanden kannten, als wir hier hergekommen sind.

Jetzt haben wir schon eine kleine Gemeinde vor Ort. Diese Gemeinde und der Freundeskreis wachsen. Mit unseren verschiedenen Aktivitäten, sowohl sozial als auch in verschiedenen Bereichen, ist das Kloster sehr wichtig geworden für die Bevölkerung. Wir versuchen, kulturelle Angebote zu bieten. Wir haben es wirklich erlebt: Wo immer und was immer wir angeboten haben, sind viele Menschen gekommen. Wir haben eine Art betreutes Wohnen im Kloster ermöglicht. Wir haben sieben Gebäude auf dem Grundstück stehen. Aus einem dieser Gebäude haben wir ein Service-Wohnen gemacht, wo wir alleinstehenden Menschen ermöglichen, in Gemeinschaft mitzuwohnen. Sie haben ihre eigene Wohnung, haben ihre Privatsphäre. Aber gleichzeitig können sie immer Gemeinschaft pflegen. Sie sind nicht mehr allein, werden in ihren Fragen betreut. Wenn sie Hilfe brauchen, helfen wir. Es ist ein Miteinander und doch ein Privatdasein. Wir haben schon eine Mieterin hier. Es gibt noch andere Interessenten.


Man kann bei Ihnen im Kloster leben – dazu muss man gar nicht gläubig sein. Wer kommt zu Ihnen?
Alle kommen zu uns. Wir haben Gruppen, die einfach nur Urlaub machen wollen. Wir haben Menschen, die kirchlich engagiert sind und hier eine Reihe von Seminaren oder Vorträgen halten wollen. Dann gibt es welche, die sagen: Ich brauche eine Auszeit und möchte auch eine geistige Begleitung mit dieser Auszeit haben. Das heißt: Sie kommen mit zu den Gebeten, nehmen an den Mahlzeiten teil. Und man nimmt sich Zeit für sie, um mit ihnen über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Wir haben aber auch Einzelgäste, die einfach sagen: Ich möchte hier nur übernachten. Aber den Tag über bin ich weg. Wir haben weltliche, wir haben kirchliche Gäste. Das Servicewohnen ist ein permanentes Wohnen. Da gibt es keine Hürde. Es können junge Menschen sein, es können Senioren sein. Wir pflegen nicht, aber wir sind für diese Menschen da. Es können arbeitstätige Menschen sein, die sagen: Ich habe keine Zeit, für mich zu kochen. Ich möchte hier wohnen und bin froh, wenn die Mahlzeit fertig ist und ich daran teilhaben kann.


Sind die weltlichen Gäste keine Belastung für den Klosteralltag?
Nein, wir erleben das als eine Bereicherung, weil wir diesen weltlichen Gästen auch ein Stück weit den Geist unseres Klosters mitgeben, damit sie einen Einblick haben in die Kirche und wie wir als orthodoxe Christen den christlichen Glauben leben. Für uns ist es eine Bereicherung, weil wir mit diesen Menschen ins Gespräch kommen. Weil wir sie immer wieder fragen: Was erwarten Sie von Kirche? Wie stehen Sie zur Kirche? Wie stehen Sie zum Glauben? Dieses Hinhören, wie empfinden Menschen heute den Glauben in ihren Problemen, in ihren Freuden, ist dann wieder ein Stück weit ein Geschenk für uns. Zu sehen, wie sie denken, wie sie fühlen, wo wir noch ansetzen können, um den Menschen wirklich entgegenzukommen, um ihnen Christus nahe zu bringen in den Fragen und Nöten, die sie heute haben.

Nach unserem Klostergesetz oder Kanon ist jeder Mensch, der zu uns ins Kloster kommt, Christus in dieser Person. Wir zeigen Christus unsere Liebe, unsere Ehrerbietung in der Freundlichkeit, in der Brüderlichkeit, in der Liebe, die wir dem jeweiligen Gast erweisen. Insofern ist jeder Gast für uns eine Bereicherung und nie eine Last.


Aus einer Bungalowsiedlung entstand hier ein Kloster. Eigentlich beobachtet man gerade in Thüringen den gegenteiligen Prozess und es werden neue Funktionen für bestehende Klöster und Kirchen ohne Gemeinden gesucht. Wieso ist das bei Ihnen und der antiochenisch syrisch-orthodoxen Kirche anders?
Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen auf der Suche sind nach einer Kirche, in der kirchliches Leben authentisch gelebt wird. Wir sind auf der einen Seite streng. Mit dieser Strenge geben wir den Menschen Halt in der Zeit der Verwirrung und der Orientierungslosigkeit. Diese Strenge ist aber fundiert in Liebe und Barmherzigkeit. Sie erkennen in dem Bischof, in dem Priester, einen Vater, einen Bruder, einen Freund.

Was wir den Menschen ganz, ganz intensiv bieten, sind Gespräche ohne Zeitlimit, Begegnungen ohne Termine. Sie können unangemeldet kommen. Sie haben die Möglichkeit, Tag und Nacht herzukommen. Wir haben auch eine Notrufzentrale eingerichtet. Wir versuchen, ihnen wirklich die Liebe eines Vaters zu geben, der abgrundtief sein Kind liebt, brüderlich alles mit ihm teilt und als Freund den Weg mit ihm geht. Wenn dann die Menschen herkommen und sehen, es ist eine ungeheuchelte Liebe, aber eine, die streng ist, nicht besitzergreifend und keiner Angst hat, mir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann fühlen sich die Menschen aufgehoben. Wir sind keine Kirche, die alles schönredet und alles bejaht, nur um Menschen zu gewinnen. Wir sind so frei, dass wir sagen, wie es ist, auch wenn sich das Gegenüber daran stört, vielleicht auch verletzt ist. Dann haben wir aber die Erfahrung gemacht, dass sie wiederkommen und sagen: Es hat mir gut getan. Da gibt es einen Bischof, der das wunderschön gesagt hat: Eine Kirche, die mit der Zeit geht, geht auch mit der Zeit. Sie wird überflüssig. Eine Kirche muss ein Staudamm sein in der Zeit der Orientierungslosigkeit, um zu sagen: Schaut, hier laufen wir in eine Sackgasse hinein. Lass uns mal den anderen Weg probieren, aber gemeinsam.


Andererseits gibt es immer wieder die Kritik, dass die Kirche an der Wirklichkeit der Menschen vorbei handelt und nicht mehr viel mit dem Alltag zu tun hat.
Da kann ich für uns als orthodoxe Kirche reden. Diese Problematik haben wir so nicht. Weil wir in den Ursprüngen des Christentums zurzeit der Apostel verhaftet sind. Wir haben keine Tradition der Gesetzgebung so durchgemacht wie beispielsweise die katholische Kirche. Ich möchte ein Beispiel geben: Die katholische Kirche ist die Kirche des römischen Reiches gewesen. Sie hat ein Gesetzbuch entwickelt. Und unter dieses Gesetz fallen alle Menschen. Jeder Fall, der an die katholische Kirche herangetragen wird, kommt dann praktisch unter diese Gesetzgebung und das ist dann ein Gesetz, das übergreifend, überkategorial ist. Und dieses Gesetz sieht nicht den einzelnen Menschen in seiner Not, die wirklich persönlich orientiert ist.

In der orthodoxen Kirche ist das anders: Wir haben natürlich ein Gesetzbuch, das fundiert ist im Evangelium, in der Tradition und in der Vollmacht der Apostel. Wobei aber immer wieder dann am Ende zu sagen ist, dass der Metropolit oder der Bischof jeweils in jedem Fall bei jedem Menschen nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden muss, um ihm gerecht zu werden. Das heißt, wenn beispielsweise ein Geschiedener zu uns kommt, dann kann ich nicht mit ihm verfahren mit der Gesetzgebung der Geschiedenen, sondern ich gehe mit ihm um, wie es seiner Not bedarf. Das heißt: Wir schließen nicht alle aus von den Sakramenten, Beichte oder Leib Christi. Ganz im Gegenteil: Wir sehen bei Geschiedenen den Fall des Opfers und des Täters. Wenn wir beispielsweise eine Frau haben, die geschlagen wird, misshandelt wird, die betrogen wird, und wir haben einen Ehebruch vorliegen, dann schließen wir zwar den Mann von den Sakramenten aus, aber scheiden die Frau mit dem Recht auf Wiederverheiratung und schließen sie nicht von den Sakramenten aus. Sie kann das kirchliche Sakrament der Ehe ein zweites Mal bekommen. Wir würden aber den Täter diese Möglichkeit nicht geben, ohne Buße zu tun und die Gewissheit zu haben, dass sich der Mansch über die Jahre dahingegen geändert hat, dass, wenn er wieder heiratet, die zweite Frau nicht wieder Opfer ist. Hier gehen wir Fall für Fall durch. Deswegen haben wir als orthodoxe Kirche auch richtige Gerichtstermine, an denen wir Ehescheidungen durchführen mit Recht auf Wiederverheiratung für jene, die Opfer sind.

Das ist nur ein kleines Beispiel. Was wir aber nicht machen, ist mit der Welt so mitzugehen, dass wir alles gutheißen. Wir reden von Sünde, von Problemen, von Dingen, die nicht gehen. Aber wie gesagt: Wenn die Menschen auf der einen Seite diese Strenge sehen, aber auf der anderen Seite doch diese Barmherzigkeit. Dann merken sie, dass es wie zu der Zeit Jesu war und wie es uns durch die Apostel mitgetragen wurde durch diese 2000 Jahre Geschichte, dann glauben sie daran und halten fest daran. Das ist eine Richtlinie, die wir der katholischen Kirche sagen: Schaut, hier fühlen sich die Menschen nicht mehr aufgefangen in ihren Nöten. Da gebe ich den Menschen sehr oft Recht.

Man darf aber natürlich auch nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, die Dinge von der Kirche verlangen, die nicht machbar sind. Das gibt es auch. Man kann nicht versuchen, es jedem Recht zu machen. Das geht nicht.


Die Klosterweihe ist im August geplant. Was steht bis dahin noch auf Ihrer Aufgabenliste?
Es wird noch viel gemacht. Es wird internationale Präsenz da sein. Es ist aber eine offene Einladung an die gesamte Bevölkerung. Man muss sich nicht anmelden, um hierher zu kommen, um an diesem Ereignis teilzunehmen. Jeder darf kommen. Es werden natürlich Einladungen verschickt. Wir müssen diesen Tag sehr gut organisieren bei der Fülle der Menschen, die kommen werden. Ich bin davon überzeugt, dass nicht alle Platz finden werden – so viele werden es sein.


Sind Sie schon aufgeregt?
Ich habe Gottvertrauen. Das wird schon gut gehen. Wir denken, dass die Klosterkirche absolut zu klein sein wird, um alle Menschen in ihr zu haben. Die Kirchweihe wird in der Kirche sein. Aber wir denken darüber nach – wir haben ein großes Areal – dass wir im Freien die göttliche Liturgie, also die heilige Messe, feiern werden, um wenigstens so weit wie nur irgendwie möglich den Menschen die Möglichkeit zu geben, an diesem Gottesdienst teilzunehmen.


Wie kann ich mir eigentlich das Leben im Kloster vorstellen? Wie sieht Ihr Tag aus?
Wir haben vier öffentliche Gebetszeiten. Um 6.30 Uhr beginnt unser Tag mit dem Morgengebet. Danach gibt es Frühstück, Mittaggebet um 12 Uhr, danach Mittagessen, 17 Uhr Abendgebeten, danach Abendessen und dann um 20 Uhr Nachtgebet. Zwischen den Mahlzeiten und den Gebeten ist Arbeit: Büroarbeit, Seelsorge, Telefon, Besuche, Menschen kommen oder wir gehen zu ihnen, Gartenarbeit. Hier ist immer etwas zu tun. Insofern ist der ganze Tag voll belegt.


Wie viele Menschen leben und arbeiten hier?
Mit mir leben noch zwei Priester permanent hier. Dazu kommt die Mieterin vom Servicewohnen. Wir sind also vier. So Gott will, kommt bald – wenn es klappt mit dem Visum usw. – ein weiterer Priester aus Kamerun. Wir versuchen, international präsent zu sein. Wir haben derzeit unseren Metropoliten aus Frankreich zu Besuch. Er ist Erzbischof, zuständig für Frankreich und die Missionen, die wir haben in Kamerun. Das ist eigentlich interessant für diesen kleinen Ort, nicht?


Hatten Sie den Ort bewusst gewählt, weil in Altenbergen die erste Kirche Thüringens stand?
Das wusste ich nicht. Als wir hier eingezogen sind und uns jemand gesagt hat „Dort ist der Cadelaber, die erste Kirche Thüringens des Heiligen Bonifatius“, habe ich gedacht: „Na, herrlicher geht es ja nicht.“ Was noch zu sagen ist: Wir sind ein gemischtes Kloster. Bei uns können auch Frauen ihre Berufung proben und Nonne werden. Hier haben Mönche und Nonnen die Möglichkeit, hier als Familie miteinander zu wohnen.


Wie haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Mit 13 Jahren wusste ich: Ich werde Priester. Ich habe nie wieder davon abgelassen. Die Suche in meinem Herzen nach etwas, das mir Halt gibt, hat mich unter anderem auf diesen Weg geführt, dass ich mich religiös vertieft habe und Priester werden wollte. Auf der Suche zu sein, was kann mir gegeben werden, was mir nie wieder genommen werden kann. Freunde können einem genommen werden. Eltern, wenn sie nicht mehr sind, sind sie einem genommen. Arbeit kann einem genommen werden. Geld kann einem genommen werden. Man kann es verlieren, man kann es ausgeben. Meine Gesundheit kann mir genommen werden. Alles kann mir genommen werden. Am Ende, was bleibt, ist Gott und seine Herrlichkeit. Wieso mich dann nicht jetzt in Gott und mit Gott so verbinden, dass ich, wenn ich dann in dieser Welt nicht mehr bin und vor dem Thron Christi stehe, sagen kann: "Herr, ich habe schon immer zu dir gehört. Ich möchte auch ewiglich bei dir und mit dir sein."

Ich habe gesehen: Wir haben vollends Halt in Christus, der uns über diese Welt, über diese Grenzen hinaus das ewige Heil schenken kann. Und in dieser Welt, wenn wir in ihm eintauchen, haben wir diesen Halt und sehen die Welt mit ganz anderen Augen, gehen mit Problemen, Krankheit und dem Leid ganz anders um. Dies dann zum Fundament des Lebens zu machen, um es anderen Menschen mitzugeben – das hat mich auf diesen Weg gebracht.


Ist Mor Severius Moses ein Amtsname?
Moses ist mein Taufname. In unserer Kirche ist es Tradition, wenn wir jemanden zum Bischof weihen, bekommt er einen Namen von einem Kirchenvater. Ich habe den Namen Severius bekommen. Das ist mein Bischofsname. Der Titel Mor bedeutet so viel wie Eminenz, Herr und Sankt. Sankt Severius, der mein Namenspatron ist, Eminenz bin ich und Mor heißt im Aramäischen Herr.


Sie reisen viel um die Welt. Ist das Leben auf dem Land ein großer Kontrast?
Auf der einen Seite genieße ich diese Ruhe. Weil man auftankt. Und ich genieße es und schätze es sehr, dass Menschen zu uns kommen und hier ein paar Tage bleiben, weil sie sagen, diese Ruhe tut mir gut. Das Kloster wird seiner Berufung gerecht. Zumal wenn man bedenkt in der Kirchengeschichte, dass selbst die Mönche, die in der ägyptischen Wüste gelebt haben, von Menschen aufgesucht wurden, weil sie Kraft und Rat gesucht haben. Also gingen die Menschen in einsame Gebiete, um wieder aufzutanken. Dieses Kloster in diesem kleinen Dorf, so still gelegen, gibt den Menschen vielleicht mehr als ein Kloster, das in der Stadt ist, wo man diesen Lärm hat. Hier kann man sagen: Ich bin raus aus der Arbeit, aus der Gesellschaft, aus der Familie. Jetzt bin ich mal für mich. Das ist positiv.
Auf der anderen Seite wünsche ich mir natürlich sehr, dass noch mehr Leben hier entsteht wie zum Beispiel in Tschenstochau mit vier Millionen Pilgern im Jahr.


Auf unserem Internetportal für BürgerReporter berichtet Andreas Paasche regelmäßig über das Kloster in Altenbergen. Wussten Sie das?
Andreas Paasche ist ein Mensch, der zum orthodoxen Glauben gekommen ist. Wir haben ihn aufgenommen in unserer Kirche. Wir haben ihn zum Lektor geweiht. Er ist ein aktives Gemeindemitglied. Er ist Stadtratsmitglied in Friedrichroda. Er gehört zu diesen Menschen, die Kirche als Familie erleben wollten und er hat es hier gefunden. Er hat seine Heimat hier gefunden. Viele Berichte, die er über das Kloster geschrieben hat, lagen schon vor seiner Aufnahme in der Kirche. Und beim Tag der offenen Türe äußerte er den Wunsch: Ich möchte dazugehören.
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12 Kommentare
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jörg heinrich aus Erfurt | 23.03.2014 | 00:10  
13.451
Uwe Zerbst aus Gotha | 23.03.2014 | 11:31  
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Matthias Hülfenhaus aus Gotha | 23.03.2014 | 18:18  
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Matthias Hülfenhaus aus Gotha | 23.03.2014 | 22:22  
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Jens Siller aus Gotha | 24.03.2014 | 09:48  
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Jens Siller aus Gotha | 24.03.2014 | 18:57  
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Matthias Hülfenhaus aus Gotha | 24.03.2014 | 20:06  
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Jens Siller aus Gotha | 25.03.2014 | 09:12  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 25.03.2014 | 14:53  
2.016
Andreas Paasche aus Gotha | 25.03.2014 | 19:48  
1.203
Martina Giese-Rothe aus Gotha | 25.03.2014 | 20:52  
14
Peter Köllner aus Gotha | 26.03.2014 | 14:46  
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