Frau Dorothea von Bonhorst suchte keinen Mann

Frau von Bonhorst hatte Besuch von einer Bekannten. Beide saßen sie in ihren Sesseln, Frau von Bonhorst zog genüsslich an ihrer Zigarette. Sie schwätzten über allerlei. Auf dem Tisch lag die Tageszeitung mit der Rubrik – Frau sucht -.
Die alte Dame meinte: „Da antwortet doch in unserem Alter keiner mehr.“
„Warum nicht“, entgegnete Frau von Bonhorst. „Wir sind doch noch immer interes-sant.“
„Na dann schreib doch ein Suchanzeige. Wirst seh´n, da antwortet dir keiner.“
Frau von Bonhorst zuckte kurz mit den Schultern. „Mach ich auch. Ich suche zwar keinen Mann. Aber ich beweise dir, dass wir alte Damen auch in unserem Alter noch Antworten bekommen.“ …
Einige Tage später ging Frau von Bonhorst ins Städtchen und gab eine ganz einfa-che Annonce mit dem Wortlaut: „Welcher nette Herr möchte vorzeigbare Dame (79) treffen.“ Nichts weiter.
Frau von Bonhorst suchte keinen Mann. Nach 12 Jahren verwitwet sein, vermisste sie keinen Mann an ihrer Seite. Der einzige Sinn ihrer Annonce war ihrer Be-kannten zu beweisen, dass Sie Zuschriften erhielt.


Herr Matthes und sein Neffe saßen im Salon und lasen den Mannheimer Morgen, eine regionale Zeitung. Sie spekulierten darüber, was das wohl für Damen sind, die ihren Partner in der Zeitung suchen. Sie wetten, dass Herr Matthes sich nicht traut, auf eine Anzeige zu antworten.
Nur um seinem Neffen etwas zu beweisen, studiert Herr Mathes am Abend intensiv die Annoncen. Schließlich wählt er die nichtssagende Anzeige und antwortet.


Frau von Bonhorst erhält ca. 10 Zuschriften auf ihre Annonce. Sie zeigt diese einige Tage später ihrer Bekannten. „Siehst du, es schreiben auch uns alten Damen welche zurück.“ Damit hatte sie bewiesen, dass auch alte Damen nette Briefe bekommen. Eigentlich hätte sie es dabei belassen können. Aber ein Brief war nicht nur stilvoll geschrieben. Er enthielt neben Namen auch die richtige Adresse und die Festnetznummer. Das weckt ihre Neugier und sie ruft diese Nummer an.


Frau von Bonhorst und Herr Matthes schwätzten ungefähr eine halbe Stunde mitei-nander ohne das Frau von Bonhorst ihren Namen preisgibt.
Nach 2/3 Telefonaten fragt Herr Matthes, ob sie sich nicht einmal auf einen Kaffee treffen wollen.

Gesagt, getan.
Frau von Bonhorst wählt als Treffpunkt die zwei grünen Sessel, die in der Galeria Kaufhof in der zweiten Etage gleich neben dem Eingang zum Restaurant stehen. Im Restaurant hätte man dann eine Zeitung oder so halten müssen und wenn dann noch einer eine Zeitung hat. – Nein, das wollte Frau von Bonhorst nicht.
Am verabredeten Tag zog sich Frau von Bonhorst nicht zu auffällig an und ging eine halbe Stunde vorher in die Galeria. Sie wartete auf einem grünen Sessel in der ersten Etage. Fünf Minuten vor der Verabredung fuhr sie mit der Rolltreppe in die zweite Etage.
„Ich hab´ ihn mir erst angeguckt und er sah passabel aus. Wenn nicht, wäre ich gleich wieder runter gefahren“, wird sie Jahre später erzählen.
Sie geht auf den Mann, der auf einem der grünen Sessel saß, zu. Sie begrüßen sich, wechseln ein paar Worte und gehen dann ins Restaurant. Sie suchen sich ein ruhiges Plätzchen und schwätzen ungefähr eine Stunde ohne dass einer von beiden etwas zu sich nimmt. Dann verabschiedet sich Frau von Bonhorst. Herr Matthes bietet an, sie heimzufahren, doch sie lehnt ab.
„Ich weiß, wie ich mit der S-Bahn heimkomme.“
„Darf ich ihren Namen erfahren“, erkundigte sich Herr Matthes.
„Den sage ich ihnen beim nächsten Mal“, war Frau von Bonhorsts verblüffende Ant-wort. Später wird sie dazu erklären: „Ich wollte nicht, dass er nur nach meinem Na-men scharf ist. Da muss eine alte Dame wie ich schon aufpassen.“
Einige Tage später fahren beide in den Odenwald. Sie spazieren. Am Nachmittag schwätzen sie bei einem Kaffee. Inzwischen schätzen beide ihre Unterhaltungen genauso wie die Telefonate. Herr Matthes überrascht Frau von Bonhorst des Öfteren mit einem Gedicht in Ihrer Mannheimer Mundart. Sie genießen beide die eine oder andere Zigarette. Am frühen Abend bringt Herr Matthes Frau von Bonhorst nach Hause. Er öffnet die Autotür, hilft ihr heraus.
„Darf ich jetzt nach ihrem Namen fragen?“
„Dorothea von Bonhorst.“
„Oh“, erstaunte sich Herr Matthes. „Wenn ich den beim ersten Treffen gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen.“
Einen Moment stehen beide neben dem Auto und mustern sich. Dann lachen sie.
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3 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 12.05.2014 | 20:13  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.05.2014 | 07:41  
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.05.2014 | 20:33  
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