Mein Geheimtipp: Optische Täuschung im Gothaer Schlosspark

Schaut der Spaziergänger hier auf eine Insel oder auf das gegenüberliegende Ufer, an dem Spaziergänger promenieren? Der Gothaer Schlosspark lohnt auf jeden Fall nicht nur im Herbst den Rundgang.
 
"Viele Leute spazieren schon ihr ganzes Leben durch den Park und haben noch nie auf die optische Täuschung geachtet“, weiß der Gothaer Stadtführer Stephan Freitag. (Foto: Freitag)
Gotha: Schlosspark |

Still ruht der See. Oder doch nicht? Fließt hier stattdessen ein Fluss? Und wo ist denn jetzt diese Insel geblieben?

Der Gothaer Schlosspark wartet mit einer optischen Täuschung auf, die dem ­Betrachter erst auf den ­zweiten Blick auffällt. „Viele Leute spazieren schon ihr ganzes Leben durch den Park und haben noch nie darauf geachtet“, weiß der Gothaer Stadtführer Stephan Freitag. Dabei erscheint der große Parkteich aus mancher Perspektive wie ein Teich, aber dann auch wieder wie ein Fluss oder Kanal. „Das liegt an der Insel, die an einigen Stellen nicht als Insel wahrnehmbar ist, sondern als gegenüberliegendes Ufer. Erst beim Rundgang erkennt man nach und nach, dass es sich um eine Insel handelt“, erklärt Freitag.

Grund für die Augenverwirrung ist die ungewöhnliche Form des Teichs. „Wer sich seinen Grundriss einmal anschaut, bemerkt, dass er sehr seltsam gebogen ist. Wie eine krumme Wurst“, sagt er, nimmt den Vergleich aber gleich wieder zurück, da er ihm dann doch zu despektierlich erscheint. Schließlich wurde der Englische Garten samt Teich tatsächlich „very british“ von einem Mann des Königreichs angelegt, nämlich von John Haverfield.

Begeisternde Blickachsen


Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg hatte den Gärtner auf seiner Kavaliersreise, der Grand Tour der Prinzen durch Europa, auf der Insel kennen gelernt und gleich auf den Kontinent mitgenommen. „Das ist bemerkenswert“, sagt Stadtführer Stephan Freitag, „denn die meisten Englischen Gärten in Deutschland wurden nur von deutschen Gärtnern im englischen Stil gestaltet.“

Freitag begeistern vor allem die Blickachsen, die sich vom „Belt Walk“, also von dem historischen Gürtelweg rund um den Teich, immer wieder ergaben. „In den alten Beschreibungen des Gartens aus dem später 18. Jahrhundert, hieß es, dass man einen weiten Blick in die Landschaft bis zum Thüringer Wald hatte und zudem das Gefühl, dass das Wasser niemals endet.“

Die "Heilige Insel"


Freitag betont, dass hier damals nichts zufällig angepflanzt wurde und der Park voller Symbolik der Freimaurer steckt. „Ich will nicht zu viel verraten, denn über die Details spreche ich auf meinen Führungen durch den Garten.“ Nur so viel: Auch die Insel im See wurde vom Geist der Freimaurer geprägt. „Gerade in der Zeit des Klassizismus im späten 18. Jahrhundert, als man sich sehr mit der Antike beschäftigt hat, steht die Insel symbolisch für das Reich der Seligen, den Hades.“

Tatsächlich wurde das Eiland früher auch die „Heilige Insel“ genannt, da dort einige Prinzen und Herzöge beerdigt liegen: Herzog Ernst der II. wünschte sich keine Gruft und keinen Grabstein und wurde nur in einem Leinentuch bestattet. Vereint mit der Natur sollte lediglich eine Akazie, bekannt als Baum der Freimaurer, auf seinem Grab gepflanzt werden.

Hintergrund

• Der Gothaer Schlosspark gehört mit 37 Hektar zu den größten Anlagen in Deutschland. Im Süden der Anlage befindet sich der älteste Landschaftsgarten auf dem Kontinent.
• Der Englische Garten, auch Hofgarten genannt, entstand ab 1765 unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg.
• Ursprünglich pendelte eine kleine Gondel zur Insel. Heute ist sie nur noch im Winter zugänglich, wenn das Wasser des Teichs abgelassen wird.
• Wer mehr über den Park und das Wirken der Illuminaten erfahren will – Stephan Freitag bietet passende Führungen auf Bestellung an: Telefon 0 36 21 / 50 78 57 12. Seine nächste öffentliche Tour startet er am Pfingst­samstag, 23. Mai, um 16  Uhr ab dem Eingang der Orangerie.
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Renate Jung aus Erfurt | 08.04.2015 | 19:25  
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