Mit Lust und Liebe singen

Elke Wilcke restaurierte ein altes Gesangbuch.
Gotha: Forschungsbibliothek | Altes Arnstädter Gesangbuch restauriert / Bemerkenswerte Ausstellung zur Reformation und ihre Lieder in Gotha:

GOTHA/ARNSTADT. Kennen Sie Johann Christoph Olearius? Nein? Zugegeben, ich musste auch erst nachschauen. Der am 17. September 1668 in Halle/Saale geborene Olearius ist in Kirchenkreisen sehr bekannt. Er war Theologe, Numismatiker und Historiker -- 1747 starb er in Arnstadt. Der junge Johann Christoph erhielt seine erste Ausbildung privat und besuchte das Gymnasium in Halle. Mit 19 Jahren zog es ihn zum Studium der Philosophie nach Jena. Hier machte er 1690 seinen Doktor.

Berufliche Bekanntheit erlangte Olearius aber erst drei Jahre später als er nach Arnstadt ging. Dort war sein Vater, Johann Gottfried Olearius, Superintendent. Große Fußstapfen, in die der Sohnemann ab 1695 stieg. Denn da wurde er Diakon in Arnstadt und übernahm als Bibliothekar die dortige Kirchenbibliothek. Seine ersten Lorbeeren erntete Olearius 1714, als er Mitglied der Königlich preußischen Akademie der Wissenschaften wurde. Stetige Arbeit brachte ihm 25 Jahre nach dem Tod des Vaters 1736 die Stelle als Superintendent in Arnstadt ein. Insgesamt kennt die Geschichte sechs Kinder aus zwei Ehen.

Warum erzähle ich das aber alles? Und was hat Olearius mit unserer heutigen Zeit und Gotha zu tun? Viel, denn in der Forschungsbibliothek Gotha, die zur Universität Erfurt gehört, lagert mit einer 3000 Bände umfassenden Gesangbuchsammlung ein großer Schatz. Nach und nach wird er restauriert. „Weil auch unsere Mittel begrenzt sind, können wir leider immer nur Einzelstücke in die Kur nehmen“, sagt Prof. Dr. Dr. Georg Schuppener, Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises der Forschungsbibliothek Gotha und ist daher natürlich sehr froh, dass mit Hilfe von Beiträgen und Spendengeldern nun ein Buch von Olearius gerettet werden konnte. Dabei handelt sich um das 1705 von ihm herausgegebene „Arnstädtische verbesserte Gesangbuch“, in dem er zum ersten Mal im Rahmen einer solchen Textedition die Autoren der Lieder benannte, soweit sie ihm bekannt waren. Olearius brachte so seine hymnologischen Erkenntnisse in die Praxis ein und trug zur Verwissenschaftlichung dieser noch jungen Tradition der Gesangbücher bei.

„Zugleich verdeutlicht das bereits in der Erstauflage von 1701 enthaltene Kupferstichblatt die herausragende Bedeutung des Gesangbuchs gleichsam als `Mittler´ zwischen Himmel und Erde, das damit eine der wichtigsten Funktionen von Jesus Christus widerspiegelt: Die Versöhnung beider Welten“, erzählt Prof. Schuppener weiter.

Vor der Restaurierung befand sich das Arnstädtische Gesangbuch in einem beklagenswerten Zustand: „Der Vorderdeckel war ausgebrochen, das Vorsatzblatt sowie das Kupferstichblatt hatten sich vom Buchblock gelöst und einige Blätter waren an den Blattkanten beschädigt“, bestätigt Elke Wilcke, die das historische Buch aufwändig restauriert hat.

Jetzt sieht es wieder schick aus und kann genutzt werden. Viele weitere wertvolle alte Gesangbücher kann man übrigens noch bis zum 12. August in einer sehenswerten Ausstellung unter dem Motto: „Mit Lust und Liebe singen. Die Reformation und ihre Lieder“ in der Forschungsbibliothek Gotha besichtigen. Hier würde Johann Christoph Olearius auch verschiedene Stücke aus seiner eigenen Sammlung wiederfinden. Er wäre bestimmt stolz auf die Wächter seines Schatzes …
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