Multiplikatoren der Arnoldischule auf Fortbildungsreise in Polen

  "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung", schrieb der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno im Jahr 1966. Diese Forderung zu erfüllen fällt unserer Gesellschaft und natürlich auch der Schule offensichtlich immer schwerer, wie eine Forsa-Umfrage zeigt. Demnach können über 20 Prozent der Menschen in Deutschland zwischen 18 und 30 Jahren mit dem Begriff „Auschwitz“ nichts verbinden. Über 80 Prozent der Deutschen würden laut einer anderen Umfrage die Geschichte der Judenverfolgung sogar gerne „hinter sich lassen“ und sich nur den gegenwärtigen Problemen widmen.
Lehrerinnen und Lehrern der Gothaer Arnoldischule haben vor Schuljahresbeginn auf einer viertägigen Fortbildungsreise in Thüringens polnische Partnerregion Kleinpolen als Multiplikatoren Orte jüdischen Lebens in Krakau und das Vernichtungslager Auschwitz besucht. Auf der Rückfahrt statteten sie der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Kreisau in Niederschlesien einen Besuch ab und informierten sich dort über die Geschichte des zur Begegnungsstätte umgebauten Gutes der Familie Moltke und die vielfältigen Möglichkeiten der Begegnung von deutschen und polnischen Schülergruppen bei der Projektarbeit in den Themenbereichen Widerstandsbewegungen im 20.Jahrhundert, Deutsch-Polnische Beziehungen sowie Erinnerungskultur in Polen und Europa.
Nicht nur Lehrerinnen und Lehrer mit den Fächern Geschichte, Sozialkunde, Ethik, Deutsch, Musik und Kunst nahmen an dieser Fortbildung teil. Auch Fachlehrer der Naturwissenschaften, die in ihrer Eigenschaft als Klassenleiter gleichfalls Verantwortung für humanistische Erziehung und eine pädagogisch wertvolle Gestaltung von Klassenfahrten und Wanderfahrten tragen, sind der Einladung von Schulleitung und Personalrat gern gefolgt. Die Fortbildungsveranstaltung wurde gefördert von der Thüringer Landeszentrale für Politische Bildung.
Bereits bei der Anreise konnte im Bus die Zeit genutzt werden, um mittels Sprachanimation etwas Polnisch zu lernen. Die Materialien des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes haben dabei das Ihrige zum Erfolg beigetragen. Lucyna Festag, in Polen geboren und aufgewachsen, berichtete ausführlich über polnische Geschichte, Kultur, Politik und Gesellschaft.
Der historische Bogen der Besichtigungen war weit gespannt: Vom königlichen Krakau und Kazimir dem Großen, welcher im 14. Jahrhundert die Ansiedlung der in Deutschland von Pogromen bedrohten Juden in Polen förderte, über die ökonomische und kulturelle Blütezeit der jüdischen Gemeinden im Krakauer Stadtteil Kazimierz bis zur Zwangsumsiedlung der Krakauer Juden in das Ghetto von Podgorze im Jahr 1941, Zwangsarbeit und die Transporte in die deutschen Vernichtungslager. In der Apotheke „Pod Orlen“ und Oskar Schindlers Emailwarenfabrik erfuhren die Teilnehmer von mutigen Taten der Menschlichkeit in der Hölle des Holocaust. Stadtführerin Agniezka Wac vermittelte auf der Tour äußerst fundiert und auf sehr angenehme Art viel interessantes historisches und kulturelles Hintergrundwissen.
Auschwitz-Birkenau war das größte Vernichtungslager, die dortige Gedenkstätte Ziel einer Tagesexkursion. Das Leiden der KZ-Häftlinge, die Grausamkeit der SS-Leute und die scheinbar anonyme Reibungslosigkeit der Organisation des Massenmordes durch die Nazis und ihre Helfer sind in ihrer historischen Einmaligkeit und Unmenschlichkeit wohl nirgendwo deutlicher nachzuempfinden als an diesem schrecklichen Ort. Die Betroffenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildungsreise war groß.
Alle fühlen sich durch die eigenen Eindrücke und Erkenntnisse an den historischen Orten nun besser befähigt, die Erinnerung an die singulären Verbrechen des Nazi-Regimes und an das unermessliche Leid des jüdischen Volkes wach zu halten, die Werteorientierung in der Erziehung zu steigern und zu einer intensiveren Behandlung und Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus, Antisemitismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit im Unterricht sowie im Rahmen von Lernen am anderen Ort beizutragen.
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